Während der Corona-Zeit wurden in Deutschland überdurchschnittlich viele Briefe verschickt. Doch seit 2023 beschleunigt sich der Mengenrückgang wieder.
Post-Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner erklärt im Podcast Postcast (Episode 17), dass die Deutsche Post deshalb ein Transformationsprogramm eingeleitet hat. Dazu gehört u.a. die Ausweitung der Verbundzustellung. Bis zum Jahr erwartet der Konzern, dass der Paketbereich den Briefbereich überholen wird (Paketda berichtete).
Doch Hagleitner warnt davor, den Brief abzuschreiben. In dem Geschäftsbereich gebe es "noch Opportunitäten für uns". Die Managerin zeigt sich selbstkritisch:
"Dadurch, dass die Briefmengen so zurückgehen, ist bei uns der Eindruck entstanden, naja der Brief ist dann bald tot. Wir haben pro Tag 35-36 Millionen Briefe. Und auch 2030 wird es immer noch einen relevanten Anteil unseres Umsatzes ausmachen. Briefe werden verschickt, weil sie zuverlässig Nachrichten transportieren. Das wird auch bei einer sehr geringen Briefmenge immer noch wichtig sein."
Die Deutsche Post will "den Briefrückgang entschleunigen", indem sie neue Kunden hinzugewinnt. Nikola Hagleitner sieht eine Möglichkeit darin, Briefmengen von Wettbewerbern zu akquirieren. Auch sie selbst setzt ein Zeichen: Letztes Jahr verschickte sie zu Weihnachten rund 300 handgeschriebene Karten.
8 Prozent weniger Briefe im 1. Quartal 2023
So berichtete Paketda im Mai 2023
Die Deutsche Post hat Finanzkennzahlen fürs 1. Quartal 2023 veröffentlicht (PDF). Darin heißt es: "Die Volumenentwicklung in Q1 zeigte einen überdurchschnittlich starken Rückgang bei Briefsendungen und kein nennenswertes Wachstum im Paketgeschäft." Die Briefmengen sanken im 1. Quartal 2023 um 8 Prozent.
Zum Vergleich: Zwischen 2017 und 2021 betrug der durchschnittliche Rückgang der Briefmengen in Deutschland ca. 4 Prozent pro Jahr (Quelle: Bundesnetzagentur).
Der Postkonzern erzielte im ersten Quartal 2023 einen Umsatz von 20,9 Milliarden Euro; das operative Ergebnis lag mit 1,6 Milliarden Euro um 24,1 Prozent unter dem Wert des Vorjahresquartals.
Nachtrag: Auf der Hauptversammlung der Deutschen Post AG am 4. Mai 2023 sagte Frank Appel: "Das Deutschlandgeschäft ist unser schwierigstes Geschäft. Das Ergebnis im letzten Jahr war rückläufig. Das ist besorgniserregend. Die Rahmenbedingungen sind durch den erheblich beschleunigten Rückgang im Briefbereich, die Situation mit dem Postgesetz und der Entgeltregulierung herausfordernd."