Tobias Meyer, der Vorstandsvorsitzende der DHL Group, hat seine Unternehmensstrategie bis zum Jahr 2030 vorgestellt. Sie knüpft an die bisherige Strategie seines Vorgängers Frank Appel an, der 2023 in den Ruhestand ging.
Inhaltlich bringt Meyers Strategie auf den ersten Blick keine revolutionären Neuerungen. Die wesentlichen Unterschiede zu Appel dürften sich eher in der konkreten Umsetzung zeigen. Spannend wird beispielsweise, ob Meyer den ausgerufenen Wandel zu "digital by default" ernst meint, oder ob es bei oberflächlichen Digitalisierungsmaßnahmen bleibt, während die eigentlichen Prozesse unverändert und veraltet weiterlaufen. Hier bleibt abzuwarten, wie sich die Pläne in der Praxis entwickeln.
Für das Geschäft in Deutschland hat Meyer angekündigt, das Post- und Paketnetz stärker miteinander zu verzahnen, um Synergieeffekte zu nutzen. Im Strategiepapier ist die Rede von einer "laufenden Transformation von Post zu Paket". Es bleibt offen, welche konkreten Schritte dies nach sich zieht. Maßnahmen wie die Ausweitung der Verbundzustellung und die Sortierung kleiner Pakete in Briefzentren sind bereits bekannt. Was passiert darüber hinaus?
Die DHL Group rechnet damit, dass der Transformationsprozess des Deutschlandgeschäfts bis 2030 abgeschlossen sein wird und die Einnahmen in den Jahren danach überwiegend aus dem Paketgeschäft stammen und nicht mehr aus dem Briefgeschäft. Für Aktionäre weniger erfreulich: Bis zum Jahr 2030 wird im Bereich Post & Paket Deutschland kein starkes Wachstum erwartet. Erst danach wird eine "Rückkehr zum EBIT-Wachstum" prognostiziert.
Als neuen Megatrend nimmt die Strategie 2030 den Wandel des Arbeitsmarktes auf. Ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, sei heute wichtiger denn je, um Arbeitskräfte zu gewinnen, heißt es im DHL-Papier.
Auch im Pharma-Bereich sieht DHL Potenzial und will Kapazitäten ausbauen. Unter der neuen Marke "DHL Health Logistics" soll das Angebot an gekühlten Transporten erweitert werden. Ob dies ein ernstzunehmender Angriff auf Wettbewerber wie Trans-o-flex ist, bleibt fraglich - jedenfalls dann, wenn DHL nicht auch aktiv gekühlte Transporte (in Fahrzeugen mit Kühlaggregat) anbietet. Passiv gekühlte Pharmatransporte in Styroporboxen sind bei DHL Express nichts Neues.
Ein weiteres Wachstumsfeld sieht DHL in erneuerbaren Energien, etwa in den Bereichen Windkraft, Solarenergie und Batterien. Kunden dieser Branchen erhalten Leistungen künftig unter der Marke "DHL New Energy Logistics".
Auf Konzernebene plant die DHL Group, Kosten zu senken, indem Prozesse verschlankt und die rechtliche Struktur vereinfacht werden. Diese Maßnahmen soll zu keinen Änderungen im Konzernportfolio, von Tarifverträgen und Schutzvereinbarungen, Managementverantwortlichkeiten oder anderen rechtlichen Verpflichtungen führen. Die Umsetzung wird etwa ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen.
Mehr Infos: group.dhl.com
