Ausländische Paketzusteller / Kennzahlen zu Hermes-Subunternehmern / Postchef ist unzufrieden

So werden ausländische Paketzusteller angeworben

Anfang Juni 2018 gab es behördliche Durchsuchungen bei einem Hermes-Subunternehmer in Schleswig-Holstein aufgrund des Vorwurfs des "banden- und gewerbsmäßigen" Einschleusens von Ausländern nach Deutschland. Mit falschen Papieren sollen die Ausländer hierzulande als Paketzusteller gearbeitet haben (Paketda berichtete).

Der NDR hat nun genauer recherchiert, wie das Geschäftsmodell funktioniert. Artikel hier bei ndr.de. Angeblich werden Stellenanzeigen auf Russisch und Ukrainisch geschaltet, um billige Arbeitskräfte außerhalb der EU anzuwerben. Als Paketzusteller in Deutschland werden ihnen "auf die Hand 6,50 Euro die Stunde" oder "46 Cent pro Paket" versprochen.

Um eine Arbeitserlaubnis für die EU zu erhalten, wenden sich arbeitssuchende Ukrainer an ein "Vermittlungsbüro" in Polen. Dort erhalten sie ein Visum, und das Vermittlungsbüro schickt die Ukrainer weiter nach Deutschland zum Subunternehmer eines Paketdienstes. Dort erfolgt dann die Anstellung als Zusteller.

Dieses System ist offenbar legal. Der norddeutsche Hermes-Subunternehmer ging allerdings noch einen Schritt weiter und handelte kriminell. Laut NDR wurden Bürger der Republik Moldau (Nicht-EU) mit gefälschten Pässen aus Rumänien (EU) versorgt. Als sich ein NDR-Redakteur als Lockvogel auf eine Stellenanzeige bewarb, fand er dieses Vorgehen bestätigt.

Der vom NDR befragte Sozialwissenschaftler und Privatisierungskritiker Prof. Dr. Tim Engartner spricht von "mafiösen Strukturen" und unterbreitet einen radikalen Vorschlag: "Ich könnte mir vorstellen, dass man wieder verstaatlicht und diese verschiedenen Frachtpostgesellschaften unter dem Dach der dann wieder teilverstaatlichten Deutschen Post AG zusammen führt." - Engartner spricht wohlgemerkt nicht von einer Verstaatlichung der Deutschen Post sondern von allen Paketdiensten. Vollständiges Interview hier.



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Hermes veröffentlicht Kennzahlen zu Subunternehmern

Im Nachhaltigkeitsbericht 2017 hat Hermes eine Statistik zu seinen Subunternehmern und deren Zertifizierung veröffentlicht.

Die Anzahl der Subunternehmer wurde im Vergleich zum Jahr 2016 von 403 auf 367 reduziert (minus 9 Prozent). Damit verfolgt Hermes die Strategie, anstatt vieler kleiner Subunternehmer lieber mit wenigen "mittelgroßen und größeren Betrieben" zu kooperieren (Paketda berichtete).

Interessant ist auch die Anzahl durchgeführter Subunternehmer-Überprüfungen, sogenannter Audits. Während im Jahr 2016 insgesamt 244 Audits (inkl. Nachaudits) durchgeführt wurden, so waren es 2017 mehr als doppelt so viele, nämlich 510.

Weil Hermes nur 367 Vertragspartner hat, müssen wohl 143 von 510 Audits sog. Nachaudits gewesen sein. Nachaudits sind erneute Kontrollen, nachdem bei einem Subunternehmer Verstöße festgestellt wurden. Im Nachaudit muss der "Servicepartner nachweisen, dass Maßnahmen ergriffen wurde, um die Verstöße abzustellen." Details siehe newsroom.hermesworld.com.

Auszug Hermes Nachhaltigkeitsbericht



BILD-Zeitung zitiert aus Post-Unterlagen

In der BILD am Sonntag vom 22. Juli wurde in Auszügen ein Interview von Post-Chef Frank Appel wiedergegeben, das er ursprünglich in einer internen Post-Mitarbeiterzeitschrift veröffentlichte (Artikel hier). Laut BILD am Sonntag sagte Appel unter anderem: "Die Produktivität in den Niederlassungen fällt (...) dramatisch unterschiedlich aus - obwohl das Geschäftsmodell und die Grundvoraussetzungen überall gleich sind."

Wie Appel diese Aussagen genau meinte, wurde nicht erläutert. Es macht durchaus einen Unterschied, ob Pakete in einer städtischen oder ländlichen Region ausgeliefert werden. Im Stadtgebiet lassen sich in gleicher Zeit mehr Pakete zustellen als auf dem Land, weil die Fahrtwege kürzer sind. Die Produktivität pro Mitarbeiter ist also höher.

Außerdem verlangt Appel laut Zeitungsbericht einen Kulturwandel im Konzern. Bislang arbeite man "nicht wirklich als ein Team - und das beziehe ich auf alle Ebenen".

Anfang Juli wurden der BILD am Sonntag die Ergebnisse einer internen Post-Mitarbeiterbefragung zugespielt (Artikel hier). Der Teilbereich "Zusammenarbeit" wurde von dem Mitarbeitern am besten bewertet. Am schlechtesten wurde der Teilbereich "Kontinuierliche Verbesserung" bewertet.

Ein Vergleich der Umfrageergebnisse aus 2017 mit 2016 ergibt, dass alle Teilbereiche schlechter bewertet wurden als im Vorjahr. In der Konzernsparte Brief und Paket (PeP) liegen die Ergebnisse unter dem Konzerndurchschnitt. Ein Pressesprecher der Post dementierte gegenüber BILD am Sonntag diese Interpretation und sagte: "Seit 2009 haben sich die Werte aus der Mitarbeiterbefragung im Unternehmensbereich PeP kontinuierlich verbessert."


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