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Neuer GLS-Chef setzt auf B2B und Out-of-Home

© GLS Pressefoto
Moritz Eichhöfer

Seit April 2025 steht ein neuer Chef an der Spitze von GLS Germany: Moritz Eichhöfer. Während Vorgänger Achim Dünnwald Privatkunden als "äußerst spannende" Zielgruppe beschrieb, rückt Eichhöfer das Unternehmen wieder stärker in Richtung klassisches B2B-Geschäft.

Als Dünnwald 2023 die Führung übernahm, wollte er GLS näher an Endkunden heranführen. Im April 2024 startete der TikTok-Kanal @glspakete mit der fiktiven Mitarbeiterin "Mascha" (Paketda berichtete). Die Videos erzielten Millionen Klicks, endeten jedoch abrupt im August 2024. Für große Reichweite sorgte im Vorfeld der Fußball-EM zudem eine Trikotaktion mit Check24: Millionen Shirts wurden über GLS an Privatkunden verschickt. Dennoch blieben die Effekte begrenzt, und die Marketingaktionen wirkten wie Strohfeuer.

Eichhöfer, seit Jahren in Führungsrollen bei GLS tätig, setzt nun andere Akzente. Im Interview mit der VerkehrsRundschau (08/2025) betont er: Der Schwerpunkt von GLS liegt im Geschäft mit Firmenkunden. "Dort wollen wir führend im Markt sein und als stets verlässlicher Qualitätsanbieter wahrgenommen werden."

Erst auf Nachfrage zu Dünnwalds Fokus auf Privatkunden spricht Eichhöfer von Kontinuität. "Grundsätzlich" wolle er die Strategie seines Vorgängers fortsetzen; GLS sei im Privatkunden- und Fulfillmentgeschäft "gut gewachsen". Überprüfen lässt sich das nicht, weil das Unternehmen keine länderspezifischen Zahlen veröffentlicht.

Rückenwind erhält GLS von Eigentümer Daniel Kretinsky, der Investitionen zugesagt hat (Paketda berichtete). Ein zweistelliger Millionenbetrag soll insbesondere in Out-of-Home-Lösungen fließen, also Paketshops und Abholstationen.

Bis 2030 will Eichhöfer 40 Prozent der Privatkunden nicht mehr an der Haustür beliefern. Eine ähnliche Prognose hatte 2024 bereits GLS-Group-Chef Karl Pfaff genannt, allerdings ohne konkrete Zeitmarke. Als Begründung verweist Eichhöfer auf veränderte Kundenwünsche: Viele Empfänger wollten ihre Pakete inzwischen lieber an einem "externen Konsolidierungspunkt" abholen.

Zusammen mit DPD plant GLS bis 2027 ein Netz von 20.000 gemeinsam betriebenen Paketshops und Abholstationen (Paketda berichtete). Eichhöfer sieht darin einen "Gamechanger", auch weil die gebündelte Zustellung "nennenswerte Beträge" spare. Zugleich kündigt er an, dass GLS die Paketpreise zum 1. Januar 2026 anheben muss. Der Anstieg des Mindestlohns lasse sich nicht durch Effizienzsteigerungen kompensieren.

Apropos Effizienz: Während ein DPD-Depotleiter im Dezember 2024 erklärte, dass Out-of-Home-Zustellungen weniger Personal erforderten, widerspricht Eichhöfer. Aktuelle benötige GLS aufgrund des Wachstums mehr Zusteller. Ob sich das künftig mal ändere, "wird man sehen".

Fazit: Eichhöfer hat ehrgeizige Ziele formuliert. Insbesondere die 40%-Quote für Out-of-Home bis 2030. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob ausgerechnet ein B2B-orientierter Anbieter wie GLS die deutschen Privatkunden von der Haustürbelieferung wegbewegen kann. Ebenso spannend bleibt, ob DPD und GLS den Großteil ihrer geplanten Abholautomaten selbst aufstellen oder verstärkt auf offene Drittanbieter wie Myflexbox oder DeinFach zurückgreifen.


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