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Von DHL abgeguckt: GLS führt Blackweek-Zuschlag ein

Lieferwagen von GLS

Nachdem DHL im April 2025 einen sogenannten Peak-in-Peak-Zuschlag einführte, zieht GLS jetzt nach und berechnet Geschäftskunden einen BlackWeek-Aufpreis. Er wird im Zeitraum vom 24.11. bis einschließlich 5.12.2025 fällig. Damit gilt der Zuschlag zwei Tage kürzer als bei DHL, wo er bis einschließlich 7. Dezember erhoben wird.

GLS begründet den neuen Zuschlag mit einem "außergewöhnlich hohen Sendungsvolumen" in dieser Phase. Dieses gehe weit über die üblichen saisonalen Schwankungen hinaus. Um die zusätzlichen Mengen termingerecht bearbeiten zu können, entstünden kurzfristig hohe Zusatzkosten, beispielsweise durch:

  • Sonderschichten im Sortierbetrieb
  • zusätzliche Transportkapazitäten
  • temporäre Erweiterungen der Infrastruktur

In einer E-Mail von GLS an Kunden heißt es: "Die Zuspitzung von Sendungsvolumen auf einzelne Wochen [ist] für die Logistikbranche ein echter Kraftakt, der (...) zu exponentiell steigenden Logistikkosten führt. Wir bündeln diese Kosten verursachungsgerecht und transparent in der neuen Preiskomponente BlackWeek."

In den vergangenen zwei Jahren verzeichnete GLS an Spitzentagen in der Vorweihnachtszeit einen Mengenanstieg von rund 25 Prozent. Um das zu bewältigen, werden ca. 3.500 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt sowie 1.500 zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt.

Im Gegensatz zu DHL, die pauschal 50 Cent pro Paket in der Black Week berechnen, wird der GLS-Zuschlag mutmaßlich kundenindividuell festgelegt. Ein betroffener Geschäftskunde teilte Paketda.de mit, dass die Zuschlagshöhe bei ihm "etwas unter dem DHL-Wert" liege. Allerdings seien (noch) nicht alle Verträge bei GLS angepasst worden.

Im direkten Vergleich zeigt sich: GLS belastet Geschäftskunden mit mehr saisonalen Zuschlägen als DHL. Während bei DHL der reguläre Peak-Zuschlag von 19 Cent pro Paket ausschließlich im November und Dezember erhoben wird, verlangt GLS einen Saisonzuschlag bereits ab Oktober - also einen Monat länger. Außerdem erhebt GLS zusätzlich einen Frühjahrs-Zuschlag, der vom 1. April bis 31. Mai gilt. Der Paketdienst begründet dies mit dem saisonalen Anstieg des Versandvolumens zum Start der Outdoor-Saison. Während DHL sich mit Zuschlägen auf das Weihnachtsgeschäft konzentriert, nutzt GLS also gleich zwei saisonale Hochphasen für systematische Preisaufschläge.

Andererseits: Laut eines Insiders zahlen GLS-Geschäftskunden, die keine saisonale Spitze in ihren Versandmengen aufweisen, bei GLS auch keinen Peak-Zuschlag. Und wenn doch, liegt der Aufpreis meist bei nur 1%, also z.B. 4 Cent bei einem Sendungspreis von 4 Euro. Das sind deutlich weniger als die von DHL berechneten 19 Cent Peakzuschlag.



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Zuschläge sind jetzt salonfähig - dank DHL

Jahrelang verfolgte DHL eine zurückhaltende Preisstrategie, die mit wenigen Zuschlägen auskam und Geschäftskunden eine stabile Kalkulation ermöglichte. Doch diese Phase ist vorbei. Mit Peakzuschlag, Peak-in-Peak-Zuschlag sowie weiteren Gebühren für Nachberechnungen passt sich DHL zunehmend den Wettbewerbern an. In einer Investorenpräsentation vom April 2025 formuliert der Konzern das Ziel unmissverständlich: "stringent and significant pricing measures" sowie "surcharges" sollen die Profitabilität steigern.

Für Wettbewerber wie GLS ist diese Entwicklung äußerst willkommen. Sie beklagen seit Jahren den enormen Preisdruck im deutschen Markt: zu billig, zu wettbewerbsintensiv, zu wenig Spielraum für Preisaufschläge. Dass nun ausgerechnet DHL vorangeht und Preise anzieht, eröffnet auch anderen Paketdiensten neue Möglichkeiten zur Ertragsverbesserung. GLS macht es vor: Der neue BlackWeek-Zuschlag kommt unmittelbar nach der DHL-Ankündigung.

Schon 2020 schlug der damalige UPS-Deutschlandchef Frank Sportolari ein flexibles Preismodell vor: Wer frühzeitig bestellt, soll weniger Porto zahlen. Und wer wenige Tage vor Weihnachten versendet, zahlt mehr. Ein Vorschlag, der damals kaum Gehör fand, heute jedoch moderner klingt denn je. Mit Zuschlägen für die Black Week sind wir nicht mehr weit entfernt vom "Auf-den-letzten-Drücker-Zuschlag" für Pakete kurz vor Heiligabend.

Tatsächlich erreichen die Sendungsmengen im Jahresverlauf erfahrungsgemäß ihren Höhepunkt rund um den 20. bis 21. Dezember. Kunden können fast dankbar sein, dass Paketdienste für diesen Zeitraum noch keinen gesonderten Zuschlag erheben. Zumindest bisher ...


Diskussion betroffener Versandhändler: www.sellerforum.de


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