DHL erstattet aus Paket gestohlenes Geld

Der Radiosender Bayern 2 berichtete am 9. Juni 2017 in der Rubrik "Notizbuch Service" über den nachfolgend dargestellten Fall. Der Originalbeitrag ist hier in der ARD-Mediathetk abrufbar, aber vermutlich nicht dauerhaft.

Es begab sich zu Ostern 2017, als Tim W. freudig eine Sendung aus der DHL-Packstation abholte. Seine Eltern schicktem ihm Süßigkeiten und legten zudem einen 50-Euro-Schein mit ins Paket. Allerdings bemerkte Tim W. nach dem Öffnen des Pakets nur den leeren Briefumschlag - ohne Geldschein.

Der Student sagte dazu im BR-Interview: "Ich habe dann auf der Rückseite gesehen, dass dieses braune Paketband durchgeschnitten war und transparentes drüber [geklebt wurde]. Und da war mir dann sofort klar, dass jemand das Paket geöffnet hat."

Es folgte ein langes Hin und Her mit DHL, um den Schaden geltend zu machen. Tim W. gab das Paket zunächst mit einer Schadenanzeige in einer Postfiliale ab. Dann verschwand es und tauchte erst Wochen später wieder auf. Stark beschädigt und mit einem Ablehnungsbescheid von DHL. Man wolle den Schaden nicht regulieren.

Daraufhin schaltete der Kunde offenbar den Bayerischen Rundfunk ein, und es kam Bewegung in die Sache. DHL teilte dem BR mit: "Allein durch die vom Sohn im Nachgang geschilderte Gesamtsituation - unserem Kundenservice lag bis zu diesem Zeitpunkt ja nur die eigentliche Schadensmeldung vor - konnte die Angelegenheit neu bewertet werden." Fazit: DHL zahlte 100 Euro an die Eltern des Paketempfängers und übersandte außerdem einen Blumenstrauß.

Außerdem teilte DHL mit, man habe die interne Sicherheitsabteilung darauf angesetzt, den Gelddieb zu überführen. In einer Stellungnahme gegenüber dem BR heißt es von DHL: "Gerne versichere ich Ihnen, dass wir in unseren Paketzentren und Zustellbasen Strategien und Vorkehrungen zur Vermeidung bzw. zur Aufklärung von Straftaten haben. Bei jeder Niederlassung sind mehrere Security-Mitarbeiter eingesetzt, die selbst Ermittlungen durchführen und eng mit den Polizeibehörden zusammenarbeiten."


Warum ist dieser Fall bemerkenswert?

DHL hätte schon im ersten Anlauf erkennen können, dass das Paket aufgeschnitten und neu verklebt wurde. Ebenso war aufgrund des Sendungsverlaufs klar, dass die Einlieferung in einer Filiale erfolgte und die Entgegennahme an einer Packstation. Auf dem Transportweg kamen also nur DHL-Mitarbeiter mit dem Paket in Kontakt. Durch das Einschalten des Bayerischen Rundfunks ergaben sich keine neue Informationen zur "Neubewertung" der Angelegenheit.

Die Paketda-Redaktion rät anderen Betroffenen: Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn DHL (oder ein anderer Paketdienst) keinen oder zu geringen Schadenersatz leisten will. Häufig handelt es sich um Briefe mit Textbausteinen, die nicht auf die individuelle Sachlage eingehen. Widersprechen Sie dem Ablehnungsbescheid, damit Ihr Fall von seinem Mitarbeiter mit höherer Kompetenz bearbeitet wird (sog. Eskalation).

Besonders wichtig ist es, Paketschäden schnell zu melden. Laut Paragraf 438 HGB gilt eine 7-Tage-Frist bei äußerlich nicht erkennbaren Schäden. Äußerlich erkennbare Schäden müssen direkt bei Paketannahme gemeldet werden. Oder noch besser: Nehmen Sie grundsätzlich keine Pakete an, die erkennbar beschädigt sind.

Wer als Kunde die Schadenmeldefrist verpasst, hat sehr schlechte Karten. Paketdienste lehnen die Zahlung von Schadenersatz nach unserer Erfahrung dann meistens ab. Als Notnagel käme Paragraf 435 HGB in Betracht: Sofern ein Paketdienst nämlich "vorsätzlich oder leichtfertig und in dem Bewußtsein, daß ein Schaden mit Wahrscheinlichkeit eintreten werde" gehandelt hat, entfallen Haftungsbegrenzungen. Und bei einem aufgeschnittenen und beklauten Paket kann man wohl von Vorsatz ausgehen.

Im hier geschilderten Fall war vermutlich auch die öffentliche Berichterstattung hilfreich, damit DHL den Schaden anerkannt hat. In unserem Ratgeber finden Sie zusätzliche Tipps, um Schadenersatz bei Paketdiensten durchzusetzen.


Vorbeugen und Pakete unauffällig verpacken

Wie überall in der Gesellschaft gibt es auch bei Paketdiensten Mitarbeiter, die böse Absichten verfolgen. Damit Ihre Pakete gar nicht erst in den Fokus von Dieben geraten, beherzigen Sie folgende Tipps:

  • Wählen Sie neutrale, braune oder weiße Verpackungskartons. Verzieren Sie Pakete nicht mit Aufklebern, Sprüchen, Herzchen, etc.
  • Kaufen und drucken Sie den Paketschein am PC. Schreiben Sie die Anschrift möglichst nicht mit der Hand. Besonders nicht, wenn Sie älter als 70 Jahre sind. Diebe erkennen alte Handschriften und identifizieren solche Pakete als potenzielle Geschenksendungen mit wertvollem Inhalt.
  • Für Profis: Suchen Sie bei eBay oder Google nach "Sicherheitsklebeband". Ein Auftrennen oder Ablösen dieses speziellen Klebebands ist für den Empfänger schnell erkennbar.
  • Vor dem Abschicken: Verpacken Sie das Paket unter Zeugen, wiegen es und machen zwei Beweisfotos: einmal im geöffneten Zustand mit sichtbarem Inhalt und einmal im geschlossen Zustand.

Noch mehr Verpackungs-Tipps hier im Ratgeber.


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