Warum die Deutsche Post den E-Postbrief nur halb beerdigt

Mitte November 2019 informierte die Deutsche Post alle Nutzer des E-Postbriefs über geänderte AGB. Hinter der nüchternen Betreffzeile versteckt sich die Einstellung des E-Postbriefs zum 1.1.2020.

Paketda übersetzt aus der AGB-Ankündigungsmail, welche Funktionen 2020 noch möglich sein werden (Spoiler: nicht viel).

► Die Post schreibt: Wir haben "uns dazu entschlossen, beim digitalen Empfang neben der Digitalen Kopie zukünftig auf eIDAS - den EU-weiten Standard für sichere und verbindliche digitale Kommunikation - zu setzen."

Bedeutung: eIDAS ist eine besonders sichere E-Mail; sie wird als elektronisches Einschreiben beworben. Abgesehen von ein paar Kommunen nutzt kaum jemand eIDAS. Angeblich ist es in De-Mail von GMX, 1&1 und Web.de eingebaut (Quelle).

► Die Post schreibt: "Das bedeutet für Sie, dass wir zum 31.12.2019 den elektronischen E-POSTBRIEF zugunsten des eIDAS Briefes einstellen werden."

Bedeutung: Ein eIDAS-Brief ist nicht mit dem E-Postbrief vergleichbar, weil eIDAS vollständig legitimierte Absender und Empfänger verlangt. Wer den E-Postbrief bislang ohne Postident/Videoident nutzt, wird keine eIDAS-Briefe erhalten.

► Die Post schreibt: "Der elektronische eIDAS Brief ersetzt durch qualifizierte Siegel und Zeitstempel gleichwertig die Textform des physischen Briefes und reduziert somit die Notwendigkeit des Austauschs von Papierdokumenten."

Bedeutung: Papierdokumente bleiben notwendig, weil es die Deutsche Post nicht ermöglicht, auf eIDAS-Mails zu antworten. Stattdessen sollen Nutzer mit einem ausgedruckten Brief antworten. Ist ernst gemeint. (Quelle: FAQ, Punkt 10)

► Die Post schreibt: "Aus diesem Anlass wird der Versand und Empfang elektronischer E-POSTBRIEFE ab dem 01.01.2020 nicht mehr möglich sein."

Bedeutung: So, wie es beschrieben ist.

► Die Post schreibt: "Der Versand von E-POST Briefen mit klassischer Zustellung (hybrider E-POST Brief) ist über das E-POST Portal und die E-POST APP weiterhin uneingeschränkt möglich."

Bedeutung: Man kann auf dem E-Post-Portal in 2020 weiterhin einen Brieftext eintippen, den die Deutsche Post ausdruckt und als normalen Brief verschickt. Voraussetzung ist eine per Freischaltbrief überprüfte Absenderadresse (kein Postident).

► Die Post schreibt: "Den Empfängern mit einem digitalen Posteingang auf E-POST wird parallel kostenlos eine digitale Kopie des Briefes zur Verfügung gestellt."

Bedeutung: Die "digitale Kopie" wird von einigen Großkunden der Deutschen Post verwendet. Verschickt z.B. eine Versicherung eine gedruckte Abrechnung, bekommt der Kunde zusätzlich ein PDF der Abrechnung ins E-Postfach geschickt.


Kurz zusammengefasst: Was geht in 2020?

  • E-Postbriefe versenden: nein
  • E-Postbriefe empfangen: nein
  • eIDAS-Briefe versenden: nein
  • eIDAS-Briefe empfangen: ja (aber kaum jemand nutzt eIDAS)
  • Gedruckte Briefe versenden: ja
  • Gedruckte Briefe per digitaler Kopie empfangen: ja

Hinter der digitalen Kopie steckt noch mehr

Paketda hat das sogenannte "Sektorgutachten Post" der Monopolkommission bereits in diesem Artikel erwähnt. Das Expertengremium beanstandet, dass manche Firmenkunden einen Portorabatt erhalten, wenn sie das Logo der Deutschen Post auf Briefumschläge drucken.

Die Deutsche Post zeigt sich laut Monopolkommission auch bei der Digitalen Kopie spendabel. Auf Seite 24 des Gutachtens (hier als PDF) heißt es:

Ein zusätzliches Entgelt verlangt die Deutsche Post AG für die digitale Übermittlung nicht; vielmehr sollen im B2C-Bereich (Business to Customer - Sendungen von Unternehmen an Privatkunden) tätige Geschäftskunden mit großer Reichweite bei Erfüllung bestimmter Bedingungen für die Bereitstellung des digitalen Inhalts ihrerseits eine Vergütung von drei Cent pro digitaler Kopie erhalten.

Ein Manager der Deutschen Post hat das Rabattsystem im Januar 2019 bei einer Infoveranstaltung der Bundesnetzagentur präsentiert. Am 28. Juni 2019 hat es die Deutsche Post AG gegenüber der Monopolkommission präzisiert:

Diese Vergütung erhalten sogenannte Reichweitenpartner, d. h. Versender, die pro Quartal selbst oder unter Einbeziehung verbundener Unternehmen mindestens 200.000 Briefe überwiegend als B2C Kommunikation an Empfänger in Deutschland bei der Deutschen Post AG digital einliefern oder einliefern lassen und berechtigt sind, über den Inhalt der in den Sendungen enthaltenen Daten zu verfügen.

Indem die Deutsche Post einen finanziellen Anreiz zur Nutzung der "digitalen Kopie" gewährt, sollen mehr E-Postbriefe verschickt werden. Dadurch loggen sich wiederum mehr Nutzer in ihre E-Postfächer ein. Die nachvollziehbare Argumentation der Deutschen Post geht so: Je mehr Sendungen ein Nutzer per E-Postbrief erhält, desto stärker lernt er das System kennen und schätzen.

Private Briefdienste halten die Aktion jedoch für einen "verschleierten Rabatt für einen physischen Brief" (vgl. Seite 25 des Gutachtens). Ihre Begründung: Großkunden erhalten auch für solche Briefe 3 Cent Rabatt, die gar nicht als digitale Kopie zugestellt werden. Sind von 200.000 verschickten Briefen beispielsweise 1.000 Empfänger für den E-Postbrief registriert, wird kein Rabatt in Höhe von 30 Euro gewährt sondern in Höhe von 6.000 Euro (0,03 Euro x 200.000).

Als die Monopolkommission ihr Gutachten verfasste, war die Einstellung des E-Postbriefs noch nicht bekannt. Die Experten sahen zu dem Zeitpunkt "keinen regulatorischen Handlungsbedarf", weil die digitale Kopie für Kunden eine kostenfreie Zusatzleistung ist. Die Bundesnetzagentur könne jedoch im Rahmen ihrer Missbrauchsaufsicht prüfen, ob Wettbewerber der Deutschen Post geschädigt werden.

Ab dem nächsten Jahr ergibt sich eine neue Situation. Ist es weiterhin gerechtfertigt, digitale Kopien zu rabattieren, damit mehr Leute den E-Postbrief nutzen? Jenen E-Postbrief, der ab 2020 kaum mehr Funktionen umfasst, als digitale Kopien anzuzeigen. Klingt nach einem Perpetuum mobile, das nicht funktionieren kann.


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