Der insolvente Briefdienstleister DVS (Deutscher Versand Service) und dessen Tochter Xendis bekommen einen neuen Eigentümer. Käufer ist die MEDIA Logistik Werdau GmbH & Co. KG, die seit dem 11.08.2026 als Deutschlandversand GmbH & Co. KG mit Sitz in Hannover firmiert. Das Bundeskartellamt hat die Übernahme Mitte Juli 2026 freigegeben.
DVS und Xendis hatten im Februar 2026 Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Der Geschäftsbetrieb konnte weiterlaufen. DVS zählte zu den wichtigsten Wettbewerbern der Deutschen Post im Geschäft mit Großkunden. Die Insolvenz war Ausdruck schwerer Verwerfungen im Markt der privaten Briefdienste (Paketda berichtete).
Hinter dem Käufer Deutschlandversand GmbH & Co. KG steht die zur Madsack Mediengruppe gehörende CITIPOST. Aus dem Handelsregister geht hervor, dass die CITIPOST GmbH in Hannover im Mai 2026 bei der MEDIA Logistik Werdau eingestiegen ist. MEDIA Logistik ist bekannt unter dem Markenauftritt PostModern.
Zur zeitlichen Abfolge: Anfang Mai wurde die Beteiligungsstruktur bei MEDIA Logistik Werdau neu geordnet. Am 17. Juni 2026 meldete das Unternehmen schließlich den Erwerb von DVS und Xendis beim Bundeskartellamt an. Die Freigabe erfolgte am 14. Juli 2026. Am 11.08.2026 wurde aus MEDIA Logistik Werdau die neue Deutschlandversand GmbH & Co. KG (Quelle).
Strategisch passt die DVS-Übernahme zum Ausbau des bundesweiten Briefgeschäfts bei Madsack. CITIPOST hatte bereits im vergangenen Jahr erklärt, dass das Geschäft mit nationalen Großkunden für den alternativen Briefmarkt an Bedeutung gewinne und weiter ausgebaut werden solle.
Unklar ist, wie DVS und Xendis künftig organisatorisch in das bestehende Netzwerk aus CITIPOST, DEUTSCHLANDVERSAND und den regionalen Briefdiensten integriert werden. Gut möglich, dass die Marken DVS und Xendis aufgegeben werden, um den Außenauftritt auf wenige starke Marken zu fokussieren.
Quellen: bundeskartellamt.de | handelsregister.de | northdata.de | citipost.de
Schadenersatz-Klage von DVS gegen Deutsche Post läuft weiter
Eine milliardenschwere Schadenersatz-Forderung von DVS gegen die Deutsche Post ist von der Übernahme nicht betroffen. In dem Forderungsverfahren geht es um Geschäftskundenpost, die die Deutsche Post nach Auffassung von DVS zu Unrecht als günstige Dialogpost befördert hatte.
DVS argumentiert, dass dem Vorgängerunternehmen Postcon National dadurch über Jahre zahlreiche Aufträge entgangen seien. Nachdem die Bedingungen für Dialogpost verschärft worden waren, gewann DVS nach eigenen Angaben zusätzliche Kunden hinzu. Daraus leitet das Unternehmen einen Schaden von rund einer Milliarde Euro ab.
Die Klage wurde bereits Ende 2021 eingereicht und nach Angaben der WirtschaftsWoche inzwischen in einer eigenständigen DVS Holding organisiert. Deshalb ist sie nicht Teil der jetzigen Übernahme von DVS und Xendis.
Quellen: wiwo.de | paketda.de
Mitarbeit: Finn Weiß