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Darf DPD streikende Beschäftigte abmahnen? Streit mit Verdi landet vor Gericht

DPD Paketzentrum in Hamm

Bei DPD ist ein Tarifkonflikt eskaliert: Beschäftigte wurden nach einem Streik abgemahnt. Während die Gewerkschaft Verdi darin einen Angriff auf das Streikrecht sieht, beruft sich das Unternehmen auf eine noch gültige Friedenspflicht im Tarifvertrag.

Nach Angaben von Verdi NRW sollen Beschäftigte abgemahnt worden sein, weil sie an einem von der Gewerkschaft organisierten Streik teilgenommen hatten. Die Gewerkschaft sieht darin einen unzulässigen Eingriff in das durch das Grundgesetz geschützte Streikrecht. "Wer Beschäftigte abmahnt, weil sie ihr Streikrecht wahrnehmen, greift ein zentrales Grundrecht an", so Thomas Großstück, Landesfachbereichsleiter bei Verdi.

DPD stellt den Vorgang anders dar. Das Unternehmen betont, grundsätzlich das Streikrecht zu respektieren, verweist jedoch auf die bestehende Tarifbindung.

DPD ist Mitglied im zuständigen Arbeitgeberverband in Nordrhein-Westfalen. Nach Unternehmensangaben gilt deshalb weiterhin der aktuelle Mantel- und Gehaltstarifvertrag, der noch bis Februar 2027 läuft. Zwar habe Verdi einen ergänzenden Haustarifvertrag zum 31. Dezember 2025 gekündigt, dennoch bestehe aus Sicht des Unternehmens weiterhin eine tarifliche Friedenspflicht.

Solange diese Friedenspflicht gilt, wären Arbeitsniederlegungen rechtlich unzulässig. In diesem Fall könnten Abmahnungen arbeitsrechtlich möglich sein.

Die beiden Seiten vertreten derzeit unterschiedliche Rechtsauffassungen. DPD zufolge läuft inzwischen eine gerichtliche Klärung, um die Frage der Streikzulässigkeit zu entscheiden.

"Wir haben Vorschläge gemacht, wie wir eine rechtliche Klärung möglichst schnell und im Interesse aller Beteiligten herbeiführen können", erklärte DPD gegenüber Paketda. Aufgrund des laufenden Verfahrens wolle sich das Unternehmen aktuell nicht weiter äußern.

Verdi fordert dagegen, die Abmahnungen zurückzunehmen und kündigt ebenfalls rechtliche Schritte an, um die Einträge aus den Personalakten entfernen zu lassen.



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Warnstreiks bei DPD in NRW

So berichtete Paketda am 12.03.2026

Bei DPD in Nordrhein-Westfalen fanden am 11. März 2026 erste Warnstreiks statt. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi beteiligten sich Beschäftigte unter anderem an den Standorten Hamm und Hagen. Die Arbeitsniederlegungen sind Teil der laufenden Tarifrunde 2026.

Verdi erklärte, die Beteiligung an den Streikaktionen spreche "eine klare Sprache". Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Andreas Scholz, forderte den Arbeitgeber zu schnellen Gesprächen auf. Andernfalls könnten die Arbeitskampfmaßnahmen ausgeweitet werden. "Jetzt verhandeln oder die Streikmaßnahmen werden ausgeweitet", so Scholz.

Auslöser des Tarifkonflikts ist die Kündigung des Haustarifvertrags für die DPD-Standorte in Nordrhein-Westfalen. Die Gewerkschaft Verdi hatte den Vertrag zum 31. Dezember 2025 gekündigt (Paketda berichtete). Seit dem 1. Januar 2026 gilt damit keine tarifliche Friedenspflicht mehr, sodass Arbeitskampfmaßnahmen möglich sind.

Der Haustarifvertrag war erst im April 2024 abgeschlossen worden. Er sah teilweise höhere Entgelte vor als der branchenweite Flächentarifvertrag für die Logistik- und KEP-Branche. Diese Vorteile sind jedoch zeitlich begrenzt: Ohne neue Vereinbarung würden die Entgelttabellen des Haustarifvertrags ab 1. Oktober 2026 von den Tabellen des Flächentarifvertrags überholt werden.

Nach Darstellung von Verdi soll durch neue Verhandlungen verhindert werden, dass der bisherige Tarifvorteil für die Beschäftigten verloren geht. Bereits Ende 2025 hatte die Gewerkschaft die Belegschaft in den NRW-Standorten zu ihren Forderungen und zur Bereitschaft für mögliche Arbeitskampfmaßnahmen befragt.

Auf dieser Grundlage beschloss die Tarifkommission anschließend eine neue Tarifforderung für DPD in Nordrhein-Westfalen. Die nun begonnenen Warnstreiks gelten als erster Druck auf den Arbeitgeber, um Bewegung in die Verhandlungen zu bringen.

Viele DPD-Kunden haben den Warnstreik vermutlich nicht bemerkt, weil die Auswirkungen eines eintägigen Warnstreiks gering sind. Sollte sich der Konflikt zuspitzen, könnten an DPD-Standorten in NRW jedoch umfangreichere Streiks mit größeren Auswirkungen drohen.


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