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DPD / Geopost: Nach Horrorjahr 2023 nur mühsame Erholung


Der DPD-Mutterkonzern Geopost verzeichnete im Jahr 2024 ein leichtes Umsatzwachstum von +1 % und einen Anstieg der Paketmenge um 2,3 %. Insgesamt belief sich der Umsatz auf 15,838 Milliarden Euro, was angesichts der globalen wirtschaftlichen Unsicherheiten als Stabilisierung gewertet werden kann. Dies ist insbesondere bemerkenswert, da das Unternehmen im Vorjahr (2023) erhebliche Einbußen hinnehmen musste.


Vergleich mit 2023: Stabilisierung nach schwieriger Phase

Im Jahr 2023 verzeichnete Geopost einen drastischen Rückgang des Betriebsergebnisses (EBIT) um ca. 60 % auf 329,8 Millionen Euro, verglichen mit 818 Millionen Euro in 2022. Besonders hart traf es damals DPD Deutschland, das einen Umsatzrückgang von -5,7 % hinnehmen musste. Auch das Vereinigte Königreich verlor mit -3,1 %, während Länder wie Italien (+5,7 %) und Frankreich (+2,8 %) wachsen konnten.

Der leichte Umsatzzuwachs in 2024 um +1 % (gruppenweit) und das Wachstum von +1,5 % in Deutschland zeigen eine Stabilisierung, allerdings auf einem niedrigeren Niveau als vor den Einbrüchen von 2023. Deutschland erholt sich somit nur langsam von dem starken Rückgang des Vorjahres.



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Geschäftszahlen im Detail

Das Geopost-Kerngeschäft, der Paket- und Expressversand, wuchs um +1,7 % auf 13,277 Milliarden Euro. Dabei wurden 2,138 Milliarden Pakete abgewickelt, was einem Anstieg des Paketvolumens um +2,3 % entspricht. Täglich lieferte Geopost mehr als 8 Millionen Pakete aus.

Die Entwicklung in den wichtigsten Ländermärkten war unterschiedlich. Die vier größten Märkte (Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich und Italien) machten 68 % des Gesamtumsatzes aus.

Umsatzentwicklung in den wichtigsten Märkten

  • Frankreich: +4,0 % (nach +2,8 % in 2023, deutliche Verbesserung)
  • Deutschland: +1,5 % (nach -5,7 % in 2023, langsame Erholung)
  • Polen: +18,3 % (stärkstes Wachstum, nach +1,0 % in 2023)
  • Portugal: +12,0 %
  • Irland: +9,0 %
  • Benelux: -2,3 % (weiterhin rückläufig nach -1,0 % in 2023)
  • BRT Italien: -4,2 % (nach starkem Wachstum von +5,7 % in 2023, nun negative Entwicklung)


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Preisdruck und geopolitische Herausforderungen

Trotz der Erholung des Konsumverhaltens und einer leichten Entspannung der Inflation in der zweiten Jahreshälfte stand Geopost weiterhin unter starkem Preisdruck. Die Unsicherheiten im geopolitischen Umfeld sowie strukturelle Veränderungen im Paketmarkt erschwerten das Wachstum.

Deutschland konnte nur ein minimales Wachstum von +1,5 % erzielen, während Frankreich mit +4 % eine stärkere Dynamik aufwies. Besonders positiv entwickelte sich der Markt in Osteuropa, allen voran Polen mit einem zweistelligen Wachstum von +18,3 %.

Auf der anderen Seite verzeichnete der Benelux-Raum einen Umsatzrückgang von -2,3 %, während der italienische Markt mit BRT sogar um -4,2 % schrumpfte. Diese Rückgänge zeigen die regionalen Herausforderungen und die anhaltende Marktdynamik in der europäischen Logistikbranche.


Fazit: Ein durchwachsenes Jahr mit regionalen Unterschieden

Die Zahlen für 2024 zeigen ein insgesamt stabiles Bild für Geopost, auch wenn das Wachstum begrenzt bleibt. Wichtige Märkte wie Frankreich konnten sich positiv entwickeln, während Deutschland nach einem schwierigen 2023 nur langsam wieder wächst. Besonders stark präsentierte sich Polen, das sich als ein neuer Wachstumsmarkt etabliert hat. Die anhaltenden Probleme in Italien und Benelux zeigen jedoch, dass DPD / Geopost weiterhin Herausforderungen bewältigen muss, um langfristig wieder höhere Profitabilität zu erreichen.

Quelle: www.geopost.com



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Rico Back sieht DPD und Hermes in Schieflage

In einem Interview vom 22. Dezember 2023 mit der Verkehrsrundschau erklärt der langjährige GLS-Chef Rico Back, dass der Gewinn eines Paketdienstes um 50% zurückgeht, wenn die Paketmenge um 10% sinkt.

Diese Faustregel halte er nach wie vor für gültig. Paketdienste benötigen eine gewisse Grundlast, um überhaupt Gewinne zu erzielen. Außerdem meint Back, dass sich DPD "nachhaltig in einer Schieflage befindet". Ähnliches sehe er bei Hermes.

Bereits im Juli 2023 sagte Back zur DVZ, dass es in Deutschland aufgrund sinkender Paketmengen Preiskämpfe unter den Paketdiensten gebe, um mehr Kunden zu gewinnen.

Bei den Paketdiensten seien Investitionen in die Automatisierung notwendig, um personalintensive Prozesse kostengünstiger zu gestalten. Zudem beobachtet Back einen Trend hin zu "kleineren Zustellzentren innerhalb der Stadt". Durch die Nähe zu den Empfängern können Fahrtstrecken optimiert (verkürzt) werden und Kosten gespart werden. Dies gehe aber nur mit Digitalisierung.



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Experte: DPD nicht mehr Digitalvorreiter

Im Dezember 2023 gab DPD den Abbau von 1.400 Arbeitsplätzen bekannt, um sich rückläufigen Paketmengen und einer schwächeren Wirtschaftslage anzupassen. Der Branchenexperte Walter Trezek hat daraufhin bei Linkedin eine Analyse veröffentlicht und sieht auch Hermes in einer schwierigen Situation. Ob das wirklich zutrifft, lässt sich von außen nicht überprüfen. Trezek gilt aber als Insider mit fundierten Kenntnissen.

Nach seiner Beobachtung fährt DPD gerade die Digitalisierung zurück und setzt teilweise wieder auf analoge Prozesse bei der Paketbearbeitung ("ähnlich wie bei Hermes", so Trezek). Galt DPD vor 10 Jahren noch als digitaler Vorreiter durch Livetracking, Lieferzeitprognose und Paketumleitung, so ging diese Technologieführerschaft mittlerweile verloren.

Konkurrierende Paketdienste in Deutschland, Österreich und der Schweiz setzen weiter auf Digitalisierung, indem z.B. der Sendungsdatenaustausch und die Kommunikation mit Paketempfängern verbessert werden. Das führe zu Kosteneinsparungen.

Warum ausgerechnet DPD die Digitalisierung zurückfährt, obwohl DPD ja auch Kosten reduzieren will, erläutert Trezek nicht. Er spricht von einem Downgrading auf halbdigitalisierte Workflows und einer eher analog gesteuerten Produktion.

Bei Hermes ist die Sache hingegen eindeutig: Es gibt weder Livetracking noch exakte Lieferzeitfenster. Paketumleitungen funktionieren unzuverlässiger als bei Wettbewerbern. Weil sich an diesem Zustand seit Jahren nichts ändert, hat Hermes wohl bewusst die Rolle des Digitalbremsers gewählt.



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Wegen schwacher Konjunktur: DPD entlässt 1.400 Mitarbeiter

So berichtete Paketda am 07.12.2023

DPD Deutschland will "seine langfristige Leistungsfähigkeit zurückgewinnen" und Betriebsstrukturen verschlanken. In allen Bereichen und auf allen Ebenen sollen 1.400 von 9.600 Stellen abgebaut werden; das sind knapp 15 Prozent. Die Entlassungen erfolgen zeitlich gestreckt bis Ende 2025.

Weil bei DPD (fast) keine Zusteller angestellt sind, beziehen sich die veröffentlichen Zahlen auf Arbeitsplätze in der Verwaltung, also auf direkt bei DPD angestellte Mitarbeiter. Zum Beispiel Personalabteilung, Vertrieb, Kundenservice, Disponenten, etc.

DPD hat mit dem Gesamtbetriebsrat einen Sozialplan ausgehandelt. Hintergrund sind offenbar rückläufige Umsätze des Unternehmens. DPD verweist auf eine schwache Gesamtkonjunktur, sinkende eCommerce-Umsätze in Deutschland, Kostensteigerungen und ein verändertes Kundenverhalten.

Laut Gewerkschaft Verdi plant DPD zudem, Depots zu verkleinern oder komplett zu schließen (Quelle). Betroffene Mitarbeiter sollen entweder gekündigt oder an andere Standorte versetzt werden. DPD sagte dazu nur allgemein, dass das Netzwerk "optimiert" werden soll, z.B. durch Bündelung von Ressourcen.

Im Zuge der Restrukturierung will sich DPD stärker aufs Kerngeschäft fokussieren, dazu gehören "ein gestärktes Firmenkundenangebot" und ein "profitables Wachstum im Endkundengeschäft". Im Februar 2023 hatte DPD das Porto für Shop2Shop-Pakete massiv gesenkt (Paketda berichtete). Möglicherweise sind solche Schnäppchenpreise bald vorbei.

Interessant ist auch, ob DPD seine in 2021 gegründete Fulfillment-Sparte fortführt, denn zum Kerngeschäft eines Paketdienstes zählt Fulfillment nicht. 2022 hatte DPD ambitionierte Pläne mit neuen Fulfillment-Centern und zusätzlichem Personal bekanntgegeben (siehe logistra.de).



Eingeschränkter Kundenservice

Nachtrag vom März 2024

Ab sofort bietet DPD Deutschland bei Twitter und Instagram keinen Kundenservice mehr an. Es werden nur noch Werbebotschaften ausgespielt, aber keine Kundenfragen beantwortet. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit den ca. 100 beabsichtigten Entlassungen am DPD-Standort in Nürnberg. Dort befindet sich das DPD-Servicecenter zur Bearbeitung von Kundenanfragen.


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