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DPD Österreich verzichtet auf Solo-Selbstständige

Rainer Schwarz
In den kommenden 1 bis 2 Jahren will DPD in Österreich nicht mehr mit Subunternehmern zusammenarbeiten, die 1-Person-Unternehmen sind. Darauf hat sich DPD mit der Gewerkschaft vida geeinigt.

Eingesetzt werden sollen nur noch Subunternehmer, die mehrere Fahrzeuge und mehrere Angestellte haben. Dadurch sollen die Arbeitsbedingungen der Zusteller verbessert werden.

Laut kleinezeitung.at sagte Rainer Schwarz, Chef von DPD Austria, dass der sprunghafte Anstieg der Sendungsmengen während Corona ohne Solo-Selbstständige nicht zu bewältigen gewesen wäre.

DPD Österreich wird seit Ende 2022 regelmäßig von Medien aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen kritisiert (siehe unten).





Journalist lässt nicht locker: Wieder Vorwürfe gegen DPD Österreich

So berichtete Paketda im Januar 2024

DPD Austria gelingt es nicht, seit 2023 aufkommende, negative Medienberichte und Vorwürfe zu entkräften. Der österreichische Journalist Johannes Greß hat jetzt neue Rechercheergebnisse zu Insolvenzen von DPD-Subunternehmern veröffentlicht, um seine frühere Berichterstattung zu untermauern (siehe www.derstandard.de).

DPD Austria versuchte bislang, die Berichte von "Der Standard" als Einzelfälle darzustellen und sprach von "kampagnisierender Darstellung". Eine von DPD angekündigte "medienrechtliche Beurteilung" blieb offenbar folgenlos, denn Journalist Greß hat seine Vorwürfe verstärkt.

Laut "Der Standard" sollen in den letzten Jahren mehrere Dutzend Subunternehmer (Systempartner) von DPD Austria Insolvenz angemeldet haben. 9 dieser Fälle hat Greß ausgewertet und errechnete eine durchschnittliche "Schadensumme pro Fall" in Höhe von ca. 471.000 Euro. Diese Kosten würden u.a. der Allgemeinheit zur Last fallen, z.B. durch entgangene Sozialversicherungsabgaben.

Subunternehmer sollen gegenüber "Der Standard" gesagt haben, dass DPD ihnen Verträge mit "immer widrigeren Konditionen" anbot, obwohl Paketmenge und Aufwand gestiegen seien. Das verursachte schließlich Insolvenzen oder Privatinsolvenzen. DPD reagierte auf die Recherchen des Standards diesmal gar nicht - was auch vielsagend ist.

DPD Depot in Kalsdorf



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Vorwürfe gegen DPD Österreich ausgeweitet

So berichtete Paketda im Juni 2023

Neue Enthüllungen rund um die Arbeitsbedingungen bei DPD Austria in den Depots in Kalsdorf und Hall in Tirol. Im April 2023 wurde bekannt, dass Fahrer von Subunternehmen schlecht bezahlt werden (siehe unten). DPD bestritt dies, doch nun werden neue Vorwürfe erhoben.

Dem Journalisten Johannes Greß zufolge, der seine Recherchen bei www.derstandard.at veröffentlicht hat, haben DPD-Subunternehmer in Kalsdorf und Hall in Tirol mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Preise pro Paket wurden in den letzten Jahren angeblich kaum erhöht und in einigen Fällen sogar gesenkt.

Laut Zeitungsbericht setzen Depotbetreiber ihre Systempartner (anderes Wort für Subunternehmer) unter Druck, indem sie entweder die Preise pro Paketzustellung senken oder die Verträge kündigen. Einem Büromitarbeiter aus Hall zufolge werden die Kündigungen oft mit angeblicher "mangelnder Qualität" begründet. Allerdings sei die schlechte Qualität eine Folge der schlechten Bezahlung.

Eine Branchenexpertin sagte im Der-Standard-Interview, dass Subunternehmer systematisch "mit Vorspielen falscher Ertragszahlen geködert" werden. Anschließend geraten sie in einen finanziellen Strudel, verschulden sich hoch und müssen ggf. Insolvenz anmelden. Ein Ausstieg aus dem System sei für viele Subunternehmer keine Option, da sie wirtschaftlich von DPD abhängig seien.

Eine Presseerklärung von DPD finden Sie hier.


Freuen sich Paketdienste über Insolvenzen?

Schon im Oktober 2018 veröffentlichte die Arbeiterkammer Steiermark eine Studie über die Paketbranche (Paketda berichtete) und kam zu der Schlussfolgerung, dass Subunternehmer-Insolvenzen für Paketdienste vorteilhaft sind, weil dadurch "viele weitere Kosten, die an und für sich im Kontext der Paketzustellung entstanden sind, an die Öffentlichkeit und an andere Unternehmen" ausgelagert werden. Zitat aus der Studie:

"Die großen global agierenden Logistikkonzerne schaffen es, durch die Nutzung vorhandener massiver Macht-Asymmetrien ihre Wertschöpfungsketten 'außerbetrieblich' zu verlängern, indem sie wie hier ausführlich thematisiert, zentrale Kostenbestandteile und Risiken der Paketzustellung an 'ihre' Subunternehmen auslagern. Mit eventuellen Insolvenzen dieser Unternehmen schaffen sie sich so zumindest indirekt einen Zugang zu den kostenentlastenden Effekten des Insolvenzrechts, den sie selbst aufgrund ihrer satten Unternehmensgewinnlagen nie hätten."


Pressemitteilung von DPD

Sehr geehrte Kunden und Partner,

leider ist DPD offensichtlich erneut Ziel einer öffentlichen Kampagnisierung der gesamten Branche durch eine negative, mediale Berichterstattung des Standard geworden.

Anhand von Einzelfällen wurde versucht, eine Story zu inszenieren, die überwiegend auf einer Quelle beruht, die als zweifelhaft anzusehen ist: ein ehemaliger Systempartner, mit dem wir in gerichtlicher Auseinandersetzung standen. Sein entsprechendes Klagsbegehren wurde Ende letzten Jahres bereits vollinhaltlich abgewiesen.

Als DPD sind wir mittlerweile seit mehr als 35 Jahren in führender Marktposition tätig und Ihr starker Partner. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, verpflichten uns zu fairem Wettbewerb und tragen soziale Verantwortung gegenüber Menschen und der Umwelt.

Diese hohe Anforderung stellen wir auch an unsere Systempartner:innen, die ihren Betrieb als selbstständige Unternehmer:innen unter Beachtung der Sorgfalt ordentlicher Kaufleute, unter Einhaltung aller gesetzlichen Bestimmungen sowie aller branchentypischen Gesetze und Vorschriften zu führen haben.

Die Grundlagen unserer Kooperationen sind vertraglich festgelegt, klar formuliert und transparent. Wir respektieren und unterstützen die unternehmerische Selbstständigkeit unserer Systempartner, kommen aber gleichzeitig unserer Verantwortung als Auftraggeber nach, indem wir die Einhaltung klarer Standards einfordern und diese regelmäßigen Kontrollen unterziehen. Diesbezüglich stehen wir laufend in sehr gutem Austausch mit den Behörden und unterstützen diese vollumfänglich. Mit der jüngsten Etablierung eines eigenen DPD-Ombudsmannes sind wir Vorreiter der Branche und bieten eine neutrale Auskunfts- und Beratungsstelle für alle Partner:innen in Sachen Arbeits- und Sozialrecht oder beispielsweise in wirtschaftlichen Fragen.

Als DPD sind wir stolz, unternehmerische Tätigkeit in einer wachsenden Branche zu fördern, Kooperationen über mehrere Jahrzehnte zu pflegen und damit Ihr verlässlicher Paketlogistik-Partner sein zu dürfen.

Die faire und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit allen unseren Partnern ist uns wichtig und hat bei DPD oberste Priorität. Die medialen Vorwürfe und kampagnisierende Darstellung des Standard weisen wir strikt zurück und werden eine medienrechtliche Beurteilung einleiten.

Vielen Dank für Ihr Vertrauen.
Ihr DPD-Team



Ähnliche Vorwürfe gegen Hermes

Die jetzt gegen DPD Österreich erhobenen Vorwürfe gab es in ähnlicher Form auch mal in Deutschland. Vor ungefähr 10 Jahren geriet insbesondere Hermes in den Fokus der Öffentlichkeit. Seitdem sich Hermes von einigen Subunternehmen getrennt hat und alle Partner von unabhängiger Stelle prüfen lässt, gab es jedoch keine großen Skandale mehr.

Eine gute Zusammenfassung liefert der Artikel "Ausgeliefert" bei welt.de vom Juni 2018. Die dortigen Zustandsbeschreibungen ähneln der Lage bei DPD in Österreich, sofern die im Bericht von "Der Standard" erhobenen Vorwürfe zutreffen. WELT schrieb 2018:

"Bei Hermes allerdings steigen die Zahlungen an die Subunternehmer nicht unbedingt regelmäßig - sondern teilweise wurden sie sogar gekappt. In einigen Fällen, zu denen WELT Unterlagen vorliegen, so stark, dass dies die Betreiber der Verteilzentren in die Insolvenz trieb."





So berichtete Paketda im April 2023

Das DPD-Paketzentrum in Kalsdorf, Österreich, gerät erneut in die Kritik wegen fragwürdiger Arbeitsbedingungen.

Der Zeitung Der Standard wurden eigenen Angaben zufolge Hunderte von Dokumenten zugespielt, darunter Stundenlisten, Fahrtenlisten, Arbeitsverträge und Lohnzettel. Diese Dokumente sollen beweisen, dass Zusteller bei Subunternehmern, die für das DPD-Depot Kalsdorf tätig sind, übermäßig lange Arbeitszeiten haben, unbezahlte Überstunden leisten und angeblich Lohndumping und Sozialbetrug stattfinden. Der Standard vermutet, dass DPD von diesen Verstößen seiner Subunternehmer wissen müsste, da die DPD-Zentrale alle Tourendaten der Subunternehmer kennt und auswerten kann.

DPD hat gegenüber Der Standard geantwortet, dass sie keine detaillierten Einblicke in die Arbeitsabläufe ihrer Subunternehmer haben. Auch die Vermutung der Zeitung, dass anhand von "DPD Predict"-Daten die Überlastung von Zustellern erkennbar sein müsste, weist DPD zurück.

Der Standard bezweifelt jedoch diese Aussage und berichtet von einem Insider, der behauptet, dass DPD sehr wohl bescheid wisse. Zitat: "DPD weiß um die Bedingungen. Sie kennen die Länge der Touren, die Anzahl der Pakete und die Zeit, die die Lieferanten dafür brauchen."

Erst im Februar bestätigte DPD-Austria-Geschäftsführer Rainer Schwarz in der Österreichischen Verkehrszeitung die digitale Tourenplanung: "Bei den Paketdienstfahrern bewirke die Digitalisierung die optimale Berechnung der Touren und damit verbunden kürzere Einschulungszeiten."


Das DPD-Depot Kalsdorf geriet bereits im Dezember 2022 in die Kritik, als eine DPD-Zustellerin mit 115 km/h geblitzt wurde, obwohl nur 50 km/h erlaubt waren. Die Zustellerin gab an, wegen enormen beruflichen Zeitdrucks so schnell gefahren zu sein (Quelle). Kleinezeitung.at hatte daraufhin über das Depot Kalsdorf recherchiert und herausgefunden, dass Zusteller Touren mit 255 bzw. 300 Pakete fahren mussten - was innerhalb der normalen Arbeitszeit nicht zu schaffen sei (Quelle).

DPD sagte damals, dass sie sich an alle geltenden gesetzlichen Vorschriften halten und auch bei Subunternehmern auf die Einhaltung achteten. Der Betreiber des Depots Kalsdorf, die Gebrüder Weiss GmbH, antwortete Paketda im Dezember 2022, dass Kleinezeitung.at die kritisierten Tourenlisten nicht ausgehändigt habe und eine Überprüfung der Vorwürfe deshalb nicht möglich sei.





DPD kritisiert Rufschädigung durch Medien

In einer aktuellen Stellungnahme, bezogen auf die Vorwürfe im April 2023, teilt DPD bzw. Gebrüder Weiss mit:

"Aus unserer Sicht wird hier offensichtlich versucht, bewusst ein negatives Bild von DPD zu zeichnen. Das zeigt schon allein die Anschuldigung, dass mittels Track & Trace Zugriff auf die Arbeitszeiten der Zusteller besteht. (...) [Die Sendungsverfolgung] bietet keinen Zugriff auf die Arbeitszeiten der Mitarbeiter unserer Systempartner.

Pauschalisierende Kritik auf Basis der Aussagen einzelner Personen sowie die unterstellte Mitverantwortung weisen wir hiermit strikt zurück. Die Vorwürfe stützen sich auf Aussagen einzelner Mitarbeiter eines Transportpartners, die uns auch nicht zur Prüfung vorgelegt wurden.

Die Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben hat für uns oberste Priorität und wir legen Wert auf höchste Standards - ähnliches erwarten wir auch bezüglich medialer Berichterstattung über unser Unternehmen."

Mit so einer Argumentation macht es sich DPD (zu) einfach. Offenbar wurde der erste kritische Zeitungsartikel vom Dezember 2022 nicht ernst genommen und die erhobenen Vorwürfe ignoriert. Deshalb darf sich das Unternehmen nicht wundern, wenn die Missstände in Kalsdorf fortbestehen und für schlechte Presse sorgen.

Angeblich kontrolliere DPD die Subunternehmer "laufend" mit internen Audits, ob Vorschriften eingehalten werden. Doch diese Audits scheinen wirkungslos zu sein. Im Januar 2023 äußerte sich sogar das österreichische Finanzministerium negativ "beeindruckt" von der Vielfalt der Gesetzesverstöße, die bei einer unangekündigten Kontrolle bei DPD im Raum Salzburg aufgedeckt wurden (Paketda berichtete).

Der Chef von DPD Austria, Rainer Schwarz, freute sich noch im Februar über die Auszeichnung Great Place To Work (Quelle). Angeblich würden DPD-Mitarbeiter die "Unternehmenskultur sehr schätzen". Rainer Schwarz: "Der derzeitige Arbeitskräftemangel trifft die Logistik im Besonderen und ist für uns eine der größten Herausforderungen für 2023. Insofern kommt die Auszeichnung genau zur richtigen Zeit." ... Die Presseberichte über Kalsdorf dürften ihm hingegen sehr ungelegen kommen.



Komplette Stellungnahme von Gebrüder Weiss


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