DHL gesteht: USA-Premium-Pakete per Schiff statt Luftfracht exportiert


Die Dresdner Neuesten Nachrichten berichten über eine Familie aus Dresden, die regelmäßig Pakete an ihre Tochter in Amerika schickt (Bezahlartikel hier).

Der Artikel dreht sich u.a. um die langen Lieferzeiten bei USA-Paketen. Jedes Jahr ärgern sich DHL-Kunden, dass im Dezember abgeschickte Pakete mit Ziel USA nicht rechtzeitig vor Weihnachten bei den Beschenkten ankommen. Ursache sind die knappen Transportkapazitäten bei Luftfracht. Viele Pakete werden deshalb auf Schiffe verladen und erst nach mehrwöchiger Reise zugestellt; meistens im Januar des neuen Jahres.

Sogenannte Premium-Pakete sollen davon eigentlich nicht betroffen sein. Kunden können freiwillig einen Premium-Aufschlag an DHL bezahlen, damit ein Paket auf dem schnellsten Weg ins Zielland befördert wird - also per Luftfracht und nicht Seefracht. Doch vor Weihnachten kann DHL dieses Versprechen nicht einhalten.

Früher wurde in der DHL-Sendungsverfolgung der Export per Seefracht angezeigt. Die Abfertigung erfolgte dann nämlich in Hamburg. Diese Tracking-Einträge hat DHL aber abgeschaltet, so dass für Außenstehende nicht mehr erkennbar ist, ob ein Paket per Luftfracht oder Seefracht Deutschland verlässt. Nur die Lieferzeit ist ein untrüglicher Indikator: 6 Wochen oder länger sprechen für Seefracht.

In diesem Jahr war die Situation wegen Corona besonders schlimm. Aufgrund der wenigen Passagierflüge standen noch weniger Luftfracht-Kapazitäten zur Verfügung als sonst. Und so kam es, wie es kommen musste: Mitte November 2020 abgeschickte Pakete kamen teilweise erst Anfang Februar 2021 in den USA an.

Ärgerlich: Obwohl die Kapazitätsengpässe jedes Jahr vor Weihnachten absehbar sind, informiert DHL die Kunden nicht und verkauft ihnen wider besseres Wissen den Premium-Service mit einer unrealistischen Regellaufzeit von 6 bis 14 Tagen (siehe www.dhl.de).

Diese Erfahrung machte auch die Familie aus Dresden, die sich deshalb verzweifelt an die Lokalzeitung wandte. Im konkreten Fall geht es um ein am 9. November abgeschicktes DHL-Premium-Paket in die USA, das bislang nicht angekommen ist.

Durch das Nachhaken der Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN) teilte DHL mit: "Auf Grund der aktuellen Situation und dadurch resultierenden Kapazitätsengpässen wurde Ihre Sendung nicht per Flug, wie vorgesehen, sondern per Schiff am 21.11.2020 abgeleitet."

Bemerkenswert: Zwischen der Aufgabe des Pakets und der Exportabfertigung liegen nur 12 Tage. Das erweckt den Eindruck, als wäre das Paket direkt auf den Seeweg gebracht worden ohne den Versuch, auf freie Luftfracht-Kapazitäten zu warten.

Verwirrend ist eine gegenteilige Auskunft von DHL-Pressesprecher Mattias Persson: Er sagte zur DNN, das Paket sei zuletzt am 17.12. in Frankfurt bearbeitet worden. Außerdem zählt er mögliche Verspätungsursachen auf: unleserliche Lieferanschrift, schlechte Verpackung, überlasteter Zoll, ... Bloß im eigenen Hause sieht Persson die Ursachen nicht und rät zu einem Nachforschungsauftrag. Darauf der Dresdner Familienvater: "Wir fühlen uns als DHL-Kunden verhöhnt."

Paketda empfiehlt, Weihnachtspakete in die USA Mitte November abzuschicken, und zwar mit UPS oder Hermes-Borderguru. Dann ist eine Lieferung bis Weihnachten sichergestellt (siehe auch Borderguru-Versandtest von Paketda).



So berichtete Paketda im Dezember 2019

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DHL-Pakete in die USA schon wieder per Schiff

DHL wiederholt offenbar die Strategie aus den Vorjahren und exportiert einige Pakete in die USA per Containerschiff. Im Paketda-Forum wurde als Beispiel das Paket CY514078729DE genannt, das zuerst in Rodgau bearbeitet wurde und danach im Paketzentrum Hamburg (ISPS) anstatt im IPZ Frankfurt für Luftfracht.

Im letzten Jahr teilte der DHL-Kundenservice bei Twitter mit, dass nur Economy-Pakete per Schiff transportiert werden. Wer den Service "Premium" gebucht hat, kann auf einen etwas schnelleren Export per Luftfracht hoffen.

Anhand von Erfahrungswerten aus den Vorjahren lässt sich sagen, dass Seefracht-Pakete ungefähr Mitte bis Ende Januar an der Ostküste der USA ankommen werden. Dann ist Weihnachten natürlich gelaufen.

Auch bei Premium-Paketen per Luftfracht gibt es keine Garantie, dass sie pünktlich bis Heiligabend beim Empfänger in den USA ankommen. Aber die Lieferverzögerung wird kürzer als bei Seefracht ausfallen.

Im letzten Jahr berichtete Paketda bereits über eine Pressemitteilung von Lufthansa Cargo. Demnach gab es vom 19. November 2018 bis 3. Januar 2019 zusätzliche Sonderflüge von Lufthansa Cargo für DHL. Dorothea von Boxberg von Lufthansa Cargo sagte damals: "Durch die zusätzlichen Flüge ermöglichen Lufthansa Cargo und die Deutsche Post DHL, dass Geschenke rechtzeitig unter dem Baum landen."

Thomas Kling von der Deutschen Post wurde in der Pressemitteilung wie folgt zitiert: "Gerade in der Weihnachtszeit ist eine hohe Zuverlässigkeit im grenzüberschreitenden, weltweiten Transport für uns besonders wichtig, damit unsere Kunden ihre bestellten Waren oder die Geschenke von Familie und Freunden rechtzeitig zum Fest erhalten. Vor allem auf der wichtigen Verbindung in die USA liegen die täglichen Sendungsmengen aktuell ein Drittel über den Tagesmengen in anderen Monaten. Diese Entwicklung zeigt einmal mehr, welche Bedeutung Postsendungen bis heute haben, wenn es darum geht, Menschen und Unternehmen über Ländergrenzen hinweg zu verbinden."


Nachtrag vom 16.01.2020

Die Paketda-Redaktion erhält zurzeit Rückmeldungen von mehreren Kunden, dass ihre Anfang Dezember verschickten Pakete in den USA angekommen sind. Die Lieferzeit von DHL-Paketen per Schiff in die USA beträgt also ungefähr 6 Wochen.

Besonders ärgerlich ist, dass teilweise auch Pakete mit Premium-Service von DHL verschifft wurden. Eine Kundin teilte uns mit, dass ihr der DHL-Kundenservice eine Rückerstattung des Premium-Zuschlags angeboten habe. Das ist aus Verbrauchersicht jedoch unbefriedigend. DHL hat mit dem Premium-Service eine schnellere Beförderung versprochen und kostenpflichtig verkauft, aber diese Leistung ohne Rücksprache mit dem Kunden nicht erbracht.


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