Keine Panik vor steigendem Paketporto

Frank Appel
Die Berliner Morgenpost hat ein Interview mit Frank Appel geführt und mit der Überschrift "Post-Chef Appel: Die Paketpreise werden weiter steigen" veröffentlicht.

Andere Medien griffen das Thema auf und verbreiteten es weiter unter Überschriften wie "Post will auch Preise für DHL-Pakete erhöhen" (BR24) oder "Deutsche Post: Paketporto soll teurer werden" (T-Online) oder "Auch Pakete werden teurer" (MDR).

Tatsächlich lässt sich aus Appels Aussagen keine konkret bevorstehende Portoerhöhung bei Paketen herauslesen. Der Postchef macht sich nur allgemeine Gedanken und meint, das Paketporto werde "generell" ansteigen. Genauso schwammig könnte man sagen, dass eine Kugel Eis jedes Jahr teurer wird. Die Passage im Morgenpost-Interview lautet wörtlich:

Berliner Morgenpost: Planen Sie auch höhere Paketpreise?

Appel: Wir haben im vergangenen Jahr angefangen, die Preise für Pakete bei unseren Geschäftskunden und Anfang des Jahres auch bei einem Filialpaketprodukt zu erhöhen. Die Lohn- und Kostensteigerungen müssen wir an unsere Kunden weitergeben. Wir glauben aber, dass wir als Marktführer auch zukünftig die Preise weiter erhöhen müssen. Ich vermute auch, dass sich unsere Wettbewerber daran orientieren.

Trifft die Preiserhöhung nur Ihre Geschäftskunden oder auch Ihre Privatkunden?

Appel: Generell müssen sich die Kunden auf steigende Paketpreise einstellen. Eine Voraussetzung dafür ist jedoch eine stabile hohe Qualität. Das haben wir gerade erst im Weihnachts- und Ostergeschäft bewiesen - praktisch alle Pakete sind rechtzeitig angekommen. Und schließlich wollen wir auch unsere Mitarbeiter anständig bezahlen und keinen Niedriglohnwettbewerb. Gute Qualität und gute Löhne für unsere Zusteller gibt es aber nicht zum Nulltarif.

Bemerkenswert ist nicht die Ankündigung generell steigender Paketpreise, sondern dass Appel vermutet, Wettbewerber würden sich bei der Preisgestaltung an DHL orientieren. Zur Erinnerung: Anfang 2019 verteuerte DHL das 5kg-Paket um 50 Cent für Kunden, die einen handschriftlichen Paketaufkleber nutzen. Alle anderen DHL-Preise für Privatkunden blieben unverändert.

Bei Hermes, DPD und GLS fielen die Preiserhöhungen Anfang 2019 mit durchschnittlich 10 Prozent viel stärker aus (Paketda berichtete). Die Wettbewerber agierten also gegenläufig zu DHL und nahmen die Preiserhöhungen in die eigene Hand, ohne von DHL angeführt zu werden.

Insgesamt ist Appels Aussage zum Paketporto im Morgenpost-Interview ohne inhaltliches Gewicht. Im Gegensatz dazu wird Appel beim 2019er Briefporto konkreter. Die Preise werden schon in den nächsten Tagen festgelegt.

Der Postchef gibt den Preisspielraum wie folgt an: "Ob es 80, 85 oder 90 Cent für den Standardbrief werden, hängt auch von den künftigen Preisen für andere Produkte wie Kompakt-, Groß-, Maxibrief und Postkarte ab."

Appel dementiert auch nicht die Frage der Berliner Morgenpost, ob ein Standardbrief mittelfristig 1 Euro kosten wird. Der Postchef verweist darauf, dass ein Standardbrief im europäischen Durchschnitt bereits 94 Cent koste.

Beispielrechnung: Wird das Porto für einen Standardbrief 2019 auf 90 Cent festgelegt, gilt dies bis Ende 2021. Die anschließende Portoerhöhung dauert möglicherweise von 2022 bis Ende 2024. Im Morgenpost-Interview erklärt Frank Appel, dass die Deutsche Post pro Jahr 3,5 Prozent mehr Geld benötigt. Auf einen 3-Jahres-Zeitraum also 10,5 Prozent. Schlägt man diese 10,5 Prozent auf 90 Cent drauf, ergibt sich ein rechnerisches Briefporto von 1 Euro. Die 1-Euro-Schwelle für einen Standardbrief wäre ab 2022 erreicht!

Ob es wirklich so kommt, ist natürlich Spekulation. Verteuert sich ein Standardbrief in 2019 auf weniger als 90 Cent, rückt die 1-Euro-Schwelle wohl drei zusätzliche Jahre in die Ferne auf 2025.


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