Briefporto darf am 1.4.2019 erhöht werden. Aber schwächer als erwartet.

Neues Briefporto ab 1.4.201
Dienstag, 15.1.2019 - Die Deutsche Post hat in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass die Bundesnetzagentur eine Portoerhöhung zum 1. April 2019 genehmigen wird. Die endgültige Genehmigung wird für März erwartet.

Die Deutsche Post kalkulierte ursprünglich mit einer Portoerhöhung für einen Standardbrief von 70 Cent auf 80 Cent (14%). Die Bundesnetzagentur möchte hingegen nur eine Teuerung um 4,8% genehmigen. Das Porto für einen Standardbrief dürfte in diesem Fall bloß auf 73 Cent steigen - und nicht auf 80 Cent.

Im Rahmen der sogenannten Price-Cap-Regulierung fasst die Bundesnetzagentur verschiedene Versandarten bis 1000 Gramm zusammen. Für Postkarte, Standardbrief, Kompaktbrief, etc. wird ein Spielraum für Preiserhöhungen festgelegt. Dieser Spielraum soll im Durchschnitt 4,8 Prozent betragen.

► Um den Durchschnittswert einzuhalten, wäre es denkbar, dass die Deutsche Post beispielsweise das Postkarten-Porto unverändert belässt und das Porto für einen Standardbrief um mehr als 4,8 Prozent verteuert.

Bislang kalkulierte die Deutsche Post mit einer Portoerhöhung auf 80 Cent für einen Standardbrief. Das entspräche einer Verteuerung um 14 Prozent. Falls die Deutsche Post an den 80 Cent festhält, dürfte das Porto für andere Versandarten kaum steigen. Denn die erlaubte Gesamtteuerung von 4,8 Prozent muss eingehalten werden.

Das neue Porto soll bis zum 31.12.2021 festgeschrieben werden. In der Pressemitteilung des Konzerns heißt es im Hinblick auf die unerwartet niedrige Portoerhöhung: "Zur Erreichung der Ziele für den Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland wären auf dieser Basis zusätzliche Kostenreduktionsmaßnahmen erforderlich."

An der Börse wurde die Nachricht negativ aufgenommen. Der Aktienkurs der Post fiel um mehr als 2 Prozent. Allerdings arbeitet Post-Chef Frank Appel bereits auf neue, weichere Regulierungsvorschriften hin (Paketda berichtete). Falls das Bundeswirtschaftsministerium zustimmt, könnte die Deutsche Post schon vor dem 31.12.2021 eine nochmalige Erhöhung des Briefportos beantragen.

Neues Briefporto unter der Annahme einer Steigerung um 4,8 Prozent

Versandart Porto 2018 Mögliches Porto 1.4.2019
Postkarte 0,45 Euro 0,47 Euro
Standardbrief bis 20g 0,70 Euro 0,73 Euro
Kompaktbrief bis 50g 0,85 Euro 0,89 Euro
Großbrief bis 500g 1,45 Euro 1,52 Euro
Maxibrief bis 1000g 2,60 Euro 2,72 Euro


Was bisher geschah

Am 31. Oktober 2018 untersagte die Bundesnetzagentur eine ursprünglich geplante Erhöhung des Briefportos zum 1. Januar 2019. Deshalb gilt in 2019 vorerst das alte Briefporto aus 2018 weiter.

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur: "Wir müssen diesen Schritt gehen, weil die Deutsche Post AG den Nachweis ihrer veränderten Kosten und Einsparungen in Folge der Umbruchsituation nicht hinreichend erbracht hat."

Die Bundesnetzagentur rechnet damit, dass ein neues Briefporto im 1. Halbjahr 2019 genehmigt wird. Die Deutsche Post AG wurde aufgefordert "weitere Erläuterungen zu ihrer aktuellen Kostensituation" vorzulegen. Diese Unterlagen musste die Post bis zum 30. November 2018 einreichen. Anschließend begann die Bundesnetzagentur mit einer Prüfung der Unterlagen, die inzwischen wohl abgeschlossen ist.

Die ursprünglich vorgelegten Kostendaten und Prognosen der Deutschen Post waren nach Ansicht der Bundesnetzagentur unzureichend. Sie berücksichtigten "nicht ausreichend präzise und nachvollziehbar die im Juni angekündigten Umstrukturierungen, technischen Innovationen und Personalmaßnahmen" bei der Deutschen Post AG. Die Bundesnetzagentur informierte die Deutsche Post vorab über den beabsichtigten Portostopp. Die Post äußerte dagegen keine Bedenken (Quelle: Seite 5 der Einstweiligen Anordnung).

Im Juni 2018 schockte die Deutsche Post ihre Aktionäre mit einer Gewinnwarnung und kündigte daraufhin Sparmaßnahmen an. Paketda berichtete. Damals sackte der Aktienkurs um 4 Prozent ab. Nach dem Verbot der Portoerhöhung gab es am 31.10.2018 ein weiteres Minus von 3,5 Prozent.

"Die bisherigen Erkenntnisse der Kammer (...) lassen erkennen, dass Entgeltabsenkungen eher unwahrscheinlich sind.", heißt es auf Seite 8 der Einstweiligen Anordnung der Bundesnetzagentur (Quelle: bundesnetzagentur.de):
Porto 2019 darf vorerst nicht erhöht werden

Zum Hintergrund der Portoerhöhung

Bereits am 27. Mai 2018 berichtete die BILD-Zeitung über die geplante Portoerhöhung für 2019. Ein Standardbrief solle sich laut BILD von 70 auf 80 Cent verteuern.

Der Zeitungsbericht ist glaubwürdig, weil die BILD-Zeitung bereits 2016 die damalige Portoerhöhung von 62 auf 70 Cent als erstes Medium korrekt vorhersagte.

Im August 2018 berichtete spiegel.de, dass die Bundesnetzagentur für einen großen Portosprung offen sei. Die 80 Cent für einen Standardbrief sollen für 2 bis 3 Jahre festgeschrieben werden.

Ab 1. Januar 2019 gilt das bekannte Porto aus 2018 weiter. Die Portotabelle für 2018 finden Sie hier.


Warum wird das Briefporto erhöht?

Bereits am 2. Oktober 2017 kündigte Postchef Frank Appel an, dass sein Unternehmen eine Portoänderung für 2019 beantragen wird. Er ließ offen, ob es eine Anpassung nach oben oder unten geben wird. Quelle: dpa / finanzen.net

Die Portoerhöhung wird nach Angaben der Post notwendig, weil immer weniger Briefe verschickt werden. Der Rückgang von 2010 auf 2017 betrug 14 Prozent (Quelle). Aufgrund dessen sind z.B. die Sortieranlagen weniger ausgelastet. Die Post experimentierte in der Vergangenheit bereits damit, Briefe nicht mehr an jedem Wochentag zuzustellen (Paketda berichtete). Das ist ein Indiz dafür, dass die Post ihre Briefträger nicht mehr voll auslasten kann, oder dass die Briefträger pro Tag weniger Briefe als früher zustellen. Weniger Briefe pro Briefträger bedeuten einen höheren Personalkostenanteil pro Brief. Und damit lässt sich bei der Bundesnetzagentur eine Portoerhöhung untermauern.

Die Deutsche Post untersucht regelmäßig, wie das hiesige Briefporto im Vergleich zu anderen EU-Ländern abschneidet (PDF mit Ergebnissen hier). Die aktuellste Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Deutschlands Briefporto "deutlich unter dem Durchschnitt" rangiert. Deshalb plädiert die Deutsche Post seit längerem dafür, für die Genehmigung des Briefportos nicht bloß die Kosten der Briefbeförderung zu berücksichtigen sondern auch die Gewinnmargen anderer europäischer Postgesellschaften (vgl. handelsblatt.com).

Merkwürdig: Bei dem Versuch der EU, das grenzüberschreitende Paketporto zu regulieren, argumentieren die Paketdienste genau andersherum (Paketda berichtete). Nämlich, dass jedes Land seine Eigenheiten habe (z.B. Bevölkerungsdichte, Verkehrswegenetz, geografisches Terrain, Dieselpreise) und deshalb nicht mit anderen Ländern verglichen werden könne (vgl. deliver4europe.eu/faqs/). Also widersprechen sich die Lobbyisten der Deutschen Post selbst.


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