Sendungsverfolgung Menü

Inlandsgeschäft der Post unrentabel? Diese Rechnung beweist das Gegenteil


Die Frankfurter Allgemeine berichtete vor wenigen Tagen, dass Postchef Tobias Meyer eine Finanzierung des "Briefgeschäfts in Deutschland aus unseren Gewinnen aus dem Ausland" kategorisch ausschließt.

Meyers Vorstandskollegin Nikola Hagleitner stößt ins gleiche Horn und verlangt eine höhere Gewinnspanne, die der Deutschen Post regulatorisch zugebilligt werden soll (Paketda berichtete).

Doch läuft das Inlandsgeschäft wirklich so mies, wie es die Deutsche Post AG darstellt? Mitnichten, wenn man einer Kalkulation der u.a. auf Postrecht spezialisierten Anwaltskanzlei Raue aus Berlin folgt. 2021 veröffentlichte die Kanzlei einen Rechenweg, um die Eigenkapitalrendite des Inlandsgeschäfts (Post & Paket Deutschland) der Deutschen Post AG für das Jahr 2019 zu ermitteln. Quelle: PDF, S. 4.

Die Kanzlei Raue berechnete, dass im Geschäftsjahr 2019 über alle Konzernbereiche hinweg eine Eigenkapitalrendite von 24,6 Prozent erzielt wurde. Betrachtet man nur den Konzernbereich Post & Paket Deutschland, so betrug die Eigenkapitalrendite im Jahr 2019 satte 54,4 Prozent. Fazit der Anwälte:

"Die Verzinsung des bilanziellen Eigenkapitals der DPAG im Bereich 'Brief & Paket Deutschland' war im Jahr 2019 mit 54,4% pro Jahr mehr als doppelt so hoch wie im Gesamtkonzern. Die übrigen Geschäftsfelder bestehen vor allem aus dem Express- und dem internationalen Paketdienst. Die Leistungen in diesen Geschäftsfeldern haben einen vergleichbaren Betriebsablauf; sie werden aber unter Wettbewerbsbedingungen erbracht."


Wie sieht es 2022 aus?

Wendet man die Raue-Rechenformel auf das Geschäftsjahr 2022 an, ergibt sich eine Eigenkapitalrendite des Bereichs Post & Paket Deutschland in Höhe von 32,8 Prozent. Die konzernweite Eigenkapitalrendite der Deutschen Post AG betrug hingegen nur 23,1 Prozent (Quelle).

Das ist kein extremer Unterschied wie im Jahr 2019, zeigt aber, dass das Inlandsgeschäft für die Deutsche Post sehr wirtschaftlich ist. Der Unterschied beträgt fast 10 Prozent im Vergleich zum Konzerndurchschnitt.



Anzeige


Wird die Portoformel endlich überarbeitet?

In der öffentlichen Diskussion um die Reform des Postgesetzes wurde ein Aspekt bislang übersehen: Die unzulässige Berechnungsformel des deutschen Briefportos. Seit Jahren wird die Formel von Gerichten beanstandet.

Die Unzulässigkeit hängt damit zusammen, dass sich die Gewinne der Deutschen Post im regulierten Inlandsgeschäft auch an den Gewinnen ausländischer Postgesellschaften orientieren (Paketda berichtete). Kläger und Kritiker sagen, das deutsche Briefporto müsse sich an den Kosten der Briefbeförderung orientieren und nicht an Gewinnen ausländischer Postgesellschaften.

Die Kanzlei Raue nennt als Beispiel Österreich. Die dortige Post-Control-Kommission habe in den Jahren 2013 bis 2017 eine überdurchschnittlich hohe EBIT-Marge (17,98%) im Briefsegment der Österreichischen Post AG festgestellt. Trotzdem sei diese hohe Marge von der Bundesnetzagentur bei der Berechnung des deutschen Briefportos 2019 berücksichtigt worden.

Zweites Beispiel Belgien: Die Bundesnetzagentur hat laut Raue eine EBIT-Marge von 24,35% der belgischen Post bei der Berechnung des deutschen Briefportos berücksichtigt. Das sei unangebracht gewesen, weil viel zu hoch. Die belgische Post habe das Briefporto von 2004 bis 2016 um mehr als 60% erhöht. Das wurde 2017 von der belgischen Regulierungsbehörde unterbunden, so dass die EBIT-Marge infolgedessen bis 2019 auf 12,4% absank. Diese Halbierung der belgischen EBIT-Marge habe die deutsche Bundesnetzagentur ignoriert.

Ganz generell kritisieren die Anwälte der Kanzlei Raue, dass EBIT-Margen ehemaliger Monopolunternehmen als Vergleichswerte herangezogen werden. Solche Postunternehmen hätten eine "überragende Marktstellung" und deshalb besonders hohe Ertragsmöglichkeiten. Dies widerspreche dem Effizienzgebot des deutschen Postgesetzes und dem Effizienzziel der europäischen Postrichtlinie.

Es bleibt abzuwarten und zu hoffen, dass die Bundesregierung das jahrelang schwelende Thema angeht und die Porto-Berechnungsformel so gestaltet, dass sie nicht mehr vor Gericht angreifbar ist. Von den bisherigen Gerichtsverfahren haben Verbraucher nämlich nicht profitiert. Eine Rückerstattung zu viel gezahlten Portos an jeden Bürger ist nicht vorgesehen und praktisch auch nicht durchführbar.


  Zuletzt aktualisiert am   |   Autor:
Anzeige

Paketda-News kostenlos abonnieren bei Whatsapp, Telegram oder Instagram.