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Deutsche Post wünscht sich per Gesetz mehr Gewinn

Nikola Hagleitner
Die Deutsche Post AG verlangt eine neue "Entgeltregulierung, die uns eine Gewinnmarge ermöglicht, aus der wir jedes Jahr rund eine Milliarde Euro in die Zustellung investieren können. Diese Marge muss im oberen einstelligen Prozentbereich liegen."

Das erklärte Nikola Hagleitner im Interview mit der Welt am Sonntag. Sie ist bei der Deutschen Post AG zuständig für den Konzernbereich Post & Paket Deutschland.

Aktuell beträgt die Gewinnmarge, die der Deutschen Post im regulierten Briefbereich zugestanden wird, 6,56 Prozent. Doch Hagleitner will mehr. Sie sagt, dass Post & Paket Deutschland im Moment kein Geld zur Konzerndividende beitragen würde. Dabei unterschlägt sie geflissentlich 1,27 Milliarden Euro EBIT von Post & Paket Deutschland. Das sind 14 Prozent des Konzern-EBITs.

Hagleitner erklärt im Zeitungsinterview, dass die Briefmengen 2023 voraussichtlich um 6 Prozent sinken und die Post damit nicht gerechnet habe. Laut Bundesnetzagentur muss die Deutsche Post die Konsequenzen solcher Fehlprognosen selber tragen. Das gehöre zum unternehmerischen Risiko, welches nicht in Form eines höheren Portos auf uns Kunden abgewälzt werden darf (Paketda berichtete).

Es bleibt zu hoffen, dass Bundesregierung und Bundesnetzagentur ihrer harten Linie treu bleiben und der Deutschen Post keine Wunsch-Gewinnmarge zugestehen.





Deutsche Post DHL macht 27% weniger Gewinn in Deutschland

So berichtete Paketda im März 2023


Die Deutsche Post AG hat im Jahr 2022 weltweit 8,4 Milliarden Euro EBIT (operativer Gewinn) erwirtschaftet, das sind 6 Prozent mehr als 2021.

Nur 1,27 Milliarden Euro wurden im Bereich "Post & Paket Deutschland" erwirtschaftet. Der Rest des Gewinns, nämlich 85 Prozent, stammt aus den anderen Bereichen wie DHL Express, Freight, eCommerce und Supply Chain.

Für das aktuelle Jahr 2023 rechnet die Post nur noch mit rund 1 Milliarde Euro EBIT bei Post & Paket Deutschland. Tobias Meyer, designierter Nachfolger von Frank Appel, sprach diese Prognose aber unter Vorbehalt aus, weil die Postgesetz-Reform und die Tarifverhandlungen mit Verdi den Gewinn beeinflussen.

2021 betrug das EBIT bei "Post & Paket Deutschland" 1,75 Mrd. Euro. Der prozentuale Rückgang zum Jahr 2022 entspricht somit 27,2 Prozent. Auf die Prognose fürs Jahr 2023 gerechnet wären es sogar 43 Prozent Ergebnisrückgang!

Den massiven EBIT-Rückgang begründet die Post mit höhere Materialkosten infolge zunehmender Inflation. Außerdem sei mehr Geld ausgegeben worden "zur Sicherung einer hohen Qualität im Weihnachtsgeschäft". Negativ auf den Gewinn wirkten sich ein hoher Krankenstand sowie höhere Personalrekrutierungskosten aus.


Post-Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner erklärte in einer Pressekonferenz, dass "Maßnahmen zur Behebung unserer Qualitätsprobleme" ergriffen wurden. "Es ist uns gelungen, hier große Fortschritte zu machen. Die aktuelle Qualität [2023] liegt über dem letzten Jahr." Es wurde beispielsweise mehr Personal eingestellt und "Schulungen für prozesskonformes Arbeiten" durchgeführt.

Personalvorstand Thomas Ogilvie sagte, im Verwaltungsbereich habe die Deutsche Post AG einen "Hiring Freeze" ausgesprochen, so dass kein neues Personal eingestellt wird. Dies gilt nicht für Produktionsbereiche wie z.B. Sortierung, Beförderung und Zustellung von Sendungen.



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8,3 Prozent weniger Pakete, 0,7 Prozent weniger Briefe

Der Umsatz 2022 im Bereich Paket Deutschland wurde durch Preiserhöhungen abgemildert und sank um 5,6 Prozent, obwohl 8,3 Prozent weniger Pakete verschickt wurden.

Im Briefbereich sank der Umsatz um 1,3 Prozent bei einem Mengenrückgang um 0,7 Prozent. Interessant: Es wurde 0,3 Prozent mehr Werbepost verschickt als im Jahr 2021. Ohne diesen positiven Effekt wäre der Umsatz- und Mengenrückgang bei Briefen stärker ausgefallen.





Postkonzern finanziell stabil

Trotz der schlechten Zahlen des Deutschlandgeschäfts braucht man sich um die Deutsche Post AG insgesamt keine Sorgen machen.

Finanzvorständin Melanie Kreis erklärt, dass das Unternehmen in finanziell sehr guter Verfassung sei und eine Eigenkapitalquote von fast 35 Prozent habe. "Angesichts der unsicheren makroökonomischen Zeiten ist es ein beruhigendes Gefühl, diese starke Bilanz im Rücken zu haben.", so Kreis.

Auch der scheidende Postchef Frank Appel ist "sehr glücklich, das Unternehmen in so einem guten Zustand zu übergeben". Am 4. Mai 2023 (Hauptversammlung) übergibt er sein Amt an Nachfolger Tobias Meyer.



Appel blickt zurück

Am Ende der Bilanzpressekonferenz am 9.3.2023 zog Frank Appel ein kleines Fazit seiner 15-jährigen Amtszeit als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG. Er war 2008 gerade einmal drei Wochen im Job, da kam die Finanzmarktkrise auf. Infolgedessen verkaufte die Deutsche Post ihr Tochterunternehmen Postbank an die Deutsche Bank.

Außerdem erinnert sich Frank Appel an Aussagen ehemaliger Bedenkenträger: "Warum verkauft ihr nicht den ganzen DHL-Kram? Das macht ja sowieso keinen Gewinn", bekam Appel zu hören, weil das Deutschlandgeschäft mehr als die Hälfte zum damaligen Gewinn der Deutschen Post AG beitrug und DHL nur 19 Prozent. - Heutzutage ist es umgekehrt, und das Deutschlandgeschäft macht nur noch 14 Prozent des Gewinns aus.


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