Die Deutsche Post bietet die Versandart Priobrief ab 1. Januar 2025 nicht mehr an. Wer noch alte Prio-Marken hat, kann sie 2025 zwar noch verbrauchen, sie bieten dann jedoch keinen Geschwindigkeitsvorteil mehr.
Die Versandart Prio wurde 2017 eingeführt, kostet zurzeit 1,10 Euro Aufpreis zum Briefporto und soll die Zustellwahrscheinlichkeit am nächsten Werktag erhöhen. Insbesondere eBay-Verkäufer nutzen gern Priobriefe, weil eBay die "Zugestellt"-Meldung als glaubwürdig anerkennt, obwohl die Realität ganz anders aussieht.
Mehrere Onlinehändler, die Priomarken auf Vorrat gekauft haben, beklagen gegenüber Paketda eine fehlende Umtauschmöglichkeit bei der Deutschen Post. Es gibt jedoch Trick 17: Hat man sich auf einem Briefumschlag verschrieben, oder sind Marken durch einen Wasserschaden unbrauchbar geworden, ist ein Umtausch in neue Briefmarken möglich. Mehr dazu in diesem Ratgeber.
Automatische "Zugestellt"-Meldung ohne Beweiskraft
Die "Zugestellt"-Meldung bei einem Priobrief hat keine rechtliche Beweiskraft, da sie automatisch um 18 Uhr des geplanten Zustelltags ins System eingetragen wird - selbst dann, wenn der Brief gar nicht zugestellt wurde. Viele Empfänger wenden sich an Paketda, weil ihre angeblich zugestellten Priobriefe nicht auffindbar sind. Oft treffen sie ein bis drei Tage später ein, aber im schlimmsten Fall auch nicht.
Im August 2024 führte diese Problematik sogar zu einem Gerichtsverfahren: Ein Kunde klagte gegen einen gewerblichen eBay-Verkäufer, weil seine Bestellung nicht ankam - obwohl es laut Priobrief-Tracking behauptet wurde. Das Amtsgericht Elmshorn (59 C 87/24) entschied zugunsten des Kunden, da Priobriefe keinen Zugangsnachweis bieten. Der Verkäufer musste haften.
Keine Scans bei Zustellhindernissen
Zusteller der Deutschen Post sind eigentlich angewiesen, Priobriefe bei Zustellhindernissen entsprechend zu scannen, um eine fehlerhafte "Zugestellt"-Meldung im Tracking zu vermeiden. Doch in der Praxis unterbleiben diese Scans häufig, wie Paketda-Praxistests und das Kundenfeedback seit Jahren beweisen.
Seit der Abschaffung innerdeutscher Nachtluftpostflüge im März 2024 ist es für die Deutsche Post sogar unmöglich, auf weiten Transportstrecken (z.B. Hamburg - München) eine Laufzeit von einem Werktag einzuhalten. Trotzdem wird der Priobrief unbekümmert als "schneller Brief" vermarktet. Der letzte Praxistest vom April 2024 ergab, dass Priobriefe genauso schnell sind wie normale Briefe (Ergebnisse: siehe Youtube).
Ein Zusteller gestand gegenüber Paketda anonym: "Wenn ein Zustellbezirk z.B. wegen Krankheit liegen bleibt, macht sich keiner die Mühe und sucht die H-Briefe (Prio Briefe) raus, um sie auszuliefern."
Welche Alternative kommt 2025?
Ab 2025 erlaubt das neue Postgesetz der Deutschen Post, die Laufzeiten für Briefe auf 3-4 Tage zu verlängern. Gleichzeitig wird die Post eine neue, schnellere Versandart mit 1-2 Tagen Lieferzeit einführen; natürlich gegen Aufpreis.
Post-Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner erklärte, dass ein schneller Brief nicht mehr als das Doppelte eines normalen Briefs kosten soll. Genauere Informationen zu den neuen Versandoptionen sind jedoch noch nicht bekannt.
Ebay-Verkäufer, die weiterhin einen Zustellnachweis benötigen, könnten auf das (teurere) Einschreiben oder die Versandart DHL Kleinpaket ausweichen. Beide bieten Haftung im Verlustfall sowie eine zuverlässige Sendungsverfolgung. Zudem wird die Zustellung hierbei manuell und nicht automatisch erfasst.