So funktionieren die Prio-Briefe der Deutschen Post

Beschleunigte Briefzustellung mit dem Prio-Brief der Deutschen Post
Eine "höhere Zustellwahrscheinlichkeit am nächsten Tag" verspricht die Deutsche Post für den Prio-Brief. Die Merkmale im Überblick:

  • Prio-Aufpreis: 1 Euro zum normalen Porto
  • Priobriefe werden bevorzugt transportiert, aber die Post garantiert keine bestimmte Lieferzeit
  • Bei Verspätung oder Verlust haftet die Post nicht
  • Sendungsverfolgung vorhanden, aber mehr schlecht als recht: www.deutschepost.de/briefstatus

Prio-Briefe ermöglichen eine Sendungsverfolgung bis zum Ziel-Briefzentrum, aber nicht bis zum Empfänger. Eine richtige Zustellbestätigung über die Ablieferung beim Empfänger gibt es nur beim Einschreiben.


Porto für Prio-Briefe bis 31.12.2021

Versandart Standardporto Porto mit Prio-Service
Postkarte 0,60 Euro 1,60 Euro
Brief bis 20g 0,80 Euro 1,80 Euro
Kompaktbrief bis 50g 0,95 Euro 1,95 Euro
Großbrief bis 500g 1,55 Euro 2,55 Euro
Maxibrief bis 1kg 2,70 Euro 3,70 Euro

Bessere Alternative zum Prio-Brief

Seit Februar 2021 verkauft die Deutsche Post Briefmarken mit Matrixcode. Sie beinhalten eine Sendungsverfolgung ohne Aufpreis!

Nach Meinung der Paketda-Redaktion lohnen sich Prio-Briefmarken seitdem nicht mehr. Die Sendungsverfolgung als besonderes Merkmal der Prio-Briefmarken ist entfallen. Und die "höhere Zustellwahrscheinlichkeit" rechtfertigt keinen Aufpreis von 1 Euro. Die Paketda-Redaktion hat schon mehrfach erlebt, dass Prio-Briefe mit eintägiger Verspätung zugestellt wurden. Der Prio-Zuschlag hatte in diesem Fall keinen Effekt.

Prio-Briefe können sogar das Gegenteil bewirken und den Empfänger verwirren. Am voraussichtlichen Liefertag um Punkt 18 Uhr bucht die Deutsche Post nämlich automatisch den Sendungsstatus "erfolgreich zugestellt" ein - auch wenn es nicht stimmt. Der Empfänger wundert und ärgert sich dann, weil der Priobrief seiner Meinung nach verloren gegangen ist. Der verloren geglaubte Brief wird zwar meistens 1 oder 2 Tage später noch zugestellt, aber das weiß Otto Normalverbraucher nicht.

Ein Postbote berichtete Paketda anonym: "Nur Prio-Pakete von Amazon müssen am gleichen Tag ausgeliefert werden. Wenn ein Zustellbezirk z.B. wegen Krankheit liegen bleibt, macht sich keiner die Mühe und sucht die H-Briefe (Prio Briefe) raus, um sie auszuliefern."


Praxiserfahrungen zum Prio-Brief

Die Paketda-Redaktion hat festgestellt, dass das Tracking nur bei automatisch sortierbaren Sendungen einwandfrei funktioniert.

Prio-Sendungen, die bei der Post von Hand sortiert werden, erhalten häufig keinen Sendungsstatus. Automatisch sortierbar sind Sendungsformate bis zum Großbrief. Je größer bzw. unförmiger eine Sendung ist, desto wahrscheinlicher gibt es keinen Sendungsstatus.

Ein weiterer Nachteil ist, dass das Tracking im Briefzentrum der Empfängerregion endet. In der Sendungsverfolgung erscheint um 18 Uhr des gleichen Tages automatisch die Meldung, dass der Brief zugestellt wurde. Dieser Status wird automatisch eingebucht, ohne dass der Empfänger oder Postbote die Zustellung bestätigen muss (keine Empfängerunterschrift). Deshalb ist der "zugestellt"-Status nahezu ohne Aussagekraft.

Ausnahme: Der Briefzusteller kann einen Status einbuchen, dass ein Prio-Brief aufgrund eines Zustellhindernisses den Empfänger am geplanten Tag nicht erreicht hat. Beispielsweise, weil die Adresse falsch ist oder der Briefkasten des Empfängers für den Postbote nicht zugänglich war. In diesem Fall erscheint um 18 Uhr keine "zugestellt"-Meldung.

Im Paketda-Kundenforum gab es die Meldung eines Kunden, dessen Prio-Brief angeblich am 03. März zugestellt wurde, der Empfänger hat jedoch keinen Brief erhalten und auf Rückfrage bestätige sogar die Briefträgerin, dass sie keine Post für den Empfänger hatte. Trotzdem wechselte die Sendungsverfolgung auf "zugestellt", und der Priobrief blieb verschollen. Die Deutsche Post haftet in solchen Fällen nicht.

Prio-Brief und Priority-Aufkleber
Der Prio-Brief der Deutschen Post trägt einen "H"-Aufkleber als Erkennungszeichen. Verwechseln Sie den Prio-Aufkleber nicht mit den blauen Priority-Aufklebern im internationalen Briefverkehr. Wenn Sie einen blauen Priority-Aufkleber auf einen Brief kleben, wird er innerhalb Deutschlands nicht beschleunigt. Der Priority-Aufkleber hat nur in einigen internationalen Ländern Bedeutung, sofern es dort 2 Schnelligkeitsstufen für Briefe gibt.

Bücher- und Warensendungen können mit dem Prio-Zuschlag übrigens nicht beschleunigt werden.


Lohnt sich ein Prio-Brief überhaupt?

Wer einen Zustellnachweis (Empfängerunterschrift) benötigt, wählt lieber ein Einschreiben anstelle eines Priobriefs. Und wer eine garantierte Lieferung am Folgetag benötigt, muss auf das teurere Angebot von DHL Express zurückgreifen.

Prio-Briefe erhalten einen speziellen Aufkleber mit der Kennzeichnung "H". Die Frankierung ist entweder in Postfilialen möglich oder per Internetmarke. Die Briefe können in Postfilialen abgegeben werden oder in Briefkästen eingeworfen werden. Aber nur bei der Abgabe in Postfilialen gibt es einen Einlieferungsbeleg und die bevorzugte Beförderung wird gewährleistet.

Hinweis: Nicht alle Postfilialen nehmen Prio-Briefe an. Welche Filialen in Ihrer Nähe verfügbar sind, können Sie unter standorte.deutschepost.de ermitteln. Wählen Sie dort im Suchfilter "Leistungen" den Eintrag "PRIO-Sendung abgeben". Um ganz sicherzugehen, sollten Sie Prio-Briefe bis zum frühen Nachmittag abschicken, so dass ein taggleicher Weitertransport stattfindet.

93% aller normalen Briefsendungen erreichen laut Deutscher Post unter Berufung auf eine TÜV-Messung am nächsten Tag (Mo.-Sa.) den Empfänger (Quelle). In aller Regel muss ein Brief also nicht zusätzlich beschleunigt werden.

In einigen Regionen Deutschlands beklagen Postkunden jedoch Zustellverzögerungen, z.B. wegen Personalmangel. Für solche Kunden könnte sich ein Priobrief zur Steigerung der Zustellqualität lohnen



Wie unterscheiden sich Prio-Brief und Einschreiben?

Prio und Einschreiben sind nicht vergleichbar. Es gibt folgende Unterschiede:

  • Prio-Briefe bieten keinen Zustellnachweis (Empfängerunterschrift). Einschreiben schon.
  • Prio-Briefe sind gegen Verlust nicht versichert. Einschreiben schon.
  • Die Sendungsverfolgung von Prio-Briefen funktioniert weniger zuverlässig als beim Einscheiben.

Einschreiben sind übrigens so schnell wie normale Briefe. Sie werden nicht bevorzugt transportiert.

Für Einschreiben und Prio-Briefe gilt gleichermaßen: Bitte in einer Postfiliale abschicken und nicht per Briefkasten-Einwurf verschicken. Letzteres ist zwar möglich, aber es gibt keinen Einlieferungsbeleg. Dieser ist für die Haftung (Einschreiben) bzw. für die bevorzugte Beförderung (Prio-Brief) wichtig.


  Veröffentlicht am   |   Autor:

✉ Verpassen Sie nichts mit dem Paketda-Newsletter: Kostenlos abonnieren per E-Mail oder bei Telegram



Mehr Paketdienst-News