Praxistest der Prio-Briefe der Deutschen Post

Prio-Briefe der Deutschen Post
Im Februar 2017 führte die Deutsche Post den Priobrief ein. Für 1 Euro Aufpreis wird Kunden eine "höhere Zustellwahrscheinlichkeit am nächsten Tag" versprochen. Eine 24h-Zustellgarantie wie bei DHL Express gibt es nicht. Es gibt auch keinen Zustellnachweis wie bei Einschreiben.

Im Gegenteil: Die Sendungsverfolgung zeigt Priobriefe um 18 Uhr des geplanten Zustelltages automatisch als "zugestellt" an, auch wenn es nicht zutrifft. Unerfahrene Postkunden befürchten dann einen Sendungsverlust. Und sind froh, wenn der Priobrief einen Tag später doch noch geliefert wird.

Paketda hat den Praxistest gemacht und am Samstag, 28.08.2021, insgesamt 28 Priobriefe abgeschickt. Alle Testbriefe wurden vor Versandschluss in einer Filiale abgegeben, so dass die Zustellung am Montag hätte erfolgen müssen.

Testergebnis

  • Testmenge: 20 Standardbriefe, 5 Großbriefe, 3 Maxibriefe
  • 21 Briefe wurden am Montag zugestellt, 7 am Dienstag (75% pünktlich)
  • Von den 7 verspäteten Briefen waren 6 Standardbriefe und 1 Maxibrief
  • Bei 3 Briefen zeigte das Tracking fälschlicherweise Montag statt Dienstag als Zustelltag an.
  • 2 Briefe waren ohne Tracking (1 Maxibrief, 1 Standardbrief)

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Fazit

75% der Priobriefe kamen pünktlich am nächsten Werktag bei den Empfängern an. Eine unterdurchschnittliche Leistung, wenn man sie am selbstgesteckten Ziel der Deutschen Post misst: Demnach sollen 90% aller Standardbriefe am nächsten Werktag zugestellt werden (Quelle).

Vergleicht man die 75% hingegen mit früheren Paketda-Versandtests, ist das Ergebnis recht gut. Im Sommer 2021 kamen nämlich nur 58% der samstags abgeschickten Nicht-Prio-Briefe am Montag an. Im Sommer 2020 betrug die Quote sogar nur 48%. Mehr Infos hier.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis von Priobriefen ist trotzdem als schlecht zu beurteilen. Seit Einführung der Matrixcode-Briefmarken gibt es die Sendungsverfolgung für Briefe kostenlos, so dass Priobriefe als Zusatznutzen nur die schnellere Beförderung haben. Und dieses Versprechen ist mehr als vage. Die Post zahlt keinen Schadenersatz für verspätete Priobriefe.

In Briefzentren werden Priobriefe wohl wirklich bevorzugt behandelt. In diesem Youtube-Video heißt es bei Minute 3:02, dass per Filiale eingelieferte Priobriefe in die "Expresskiste" gelegt werden.




Das können die Prio-Briefe der Deutschen Post

Die Merkmale von Priobriefen im Überblick:

  • Prio-Aufpreis: 1 Euro zum normalen Porto
  • Priobriefe werden bevorzugt transportiert, aber die Post garantiert keine bestimmte Lieferzeit
  • Bei Verspätung oder Verlust haftet die Post nicht
  • Sendungsverfolgung vorhanden, aber mehr schlecht als recht

Prio-Briefe ermöglichen eine Sendungsverfolgung bis zum Ziel-Briefzentrum, aber nicht bis zum Empfänger. Eine richtige Zustellbestätigung über die Ablieferung beim Empfänger gibt es nur beim Einschreiben.

Beschleunigte Briefzustellung mit dem Prio-Brief der Deutschen Post


Porto für Prio-Briefe bis 31.12.2021

Versandart Standardporto Porto mit Prio-Service
Postkarte 0,60 Euro 1,60 Euro
Brief bis 20g 0,80 Euro 1,80 Euro
Kompaktbrief bis 50g 0,95 Euro 1,95 Euro
Großbrief bis 500g 1,55 Euro 2,55 Euro
Maxibrief bis 1kg 2,70 Euro 3,70 Euro
Maxibrief bis 2kg 4,90 Euro 5,90 Euro


Matrixcode-Briefmarken: Die Alternative zum Prio-Brief

Seit Februar 2021 verkauft die Deutsche Post Briefmarken mit Matrixcode. Sie beinhalten eine Sendungsverfolgung ohne Aufpreis!

Nach Meinung der Paketda-Redaktion lohnen sich Prio-Briefmarken seitdem nicht mehr. Die Sendungsverfolgung als besonderes Merkmal der Prio-Briefmarken ist entfallen. Und die "höhere Zustellwahrscheinlichkeit" rechtfertigt keinen Aufpreis von 1 Euro. Die Paketda-Redaktion hat schon mehrfach erlebt, dass Prio-Briefe mit eintägiger Verspätung zugestellt wurden. Der Prio-Zuschlag hatte in diesem Fall keinen Effekt.

Ein Postbote berichtete Paketda anonym: "Nur Prio-Pakete von Amazon müssen am gleichen Tag ausgeliefert werden. Wenn ein Zustellbezirk z.B. wegen Krankheit liegen bleibt, macht sich keiner die Mühe und sucht die H-Briefe (Prio Briefe) raus, um sie auszuliefern."


Praxiserfahrungen zum Prio-Brief

Die Paketda-Redaktion hat festgestellt, dass das Tracking nur bei automatisch sortierbaren Sendungen einwandfrei funktioniert.

Prio-Sendungen, die bei der Post von Hand sortiert werden, erhalten häufig keinen Sendungsstatus. Automatisch sortierbar sind Sendungsformate bis zum Großbrief. Je größer bzw. unförmiger eine Sendung ist, desto wahrscheinlicher gibt es keinen Sendungsstatus.

Ein weiterer Nachteil ist, dass das Tracking im Briefzentrum der Empfängerregion endet. In der Sendungsverfolgung erscheint um 18 Uhr des gleichen Tages automatisch die Meldung, dass der Brief zugestellt wurde. Dieser Status wird automatisch eingebucht, ohne dass der Empfänger oder Postbote die Zustellung bestätigen muss (keine Empfängerunterschrift). Deshalb ist der "zugestellt"-Status nahezu ohne Aussagekraft.

Ausnahme: Der Briefzusteller kann einen Status einbuchen, dass ein Prio-Brief aufgrund eines Zustellhindernisses den Empfänger am geplanten Tag nicht erreicht hat. Beispielsweise, weil die Adresse falsch ist oder der Briefkasten des Empfängers für den Postbote nicht zugänglich war. In diesem Fall erscheint um 18 Uhr keine "zugestellt"-Meldung.

Im Paketda-Kundenforum gab es die Meldung eines Kunden, dessen Prio-Brief angeblich am 03. März zugestellt wurde, der Empfänger hat jedoch keinen Brief erhalten und auf Rückfrage bestätige sogar die Briefträgerin, dass sie keine Post für den Empfänger hatte. Trotzdem wechselte die Sendungsverfolgung auf "zugestellt", und der Priobrief blieb verschollen. Die Deutsche Post haftet in solchen Fällen nicht.

Prio-Brief und Priority-Aufkleber
Der Prio-Brief der Deutschen Post trägt einen "H"-Aufkleber als Erkennungszeichen. Verwechseln Sie den Prio-Aufkleber nicht mit den blauen Priority-Aufklebern im internationalen Briefverkehr. Wenn Sie einen blauen Priority-Aufkleber auf einen Brief kleben, wird er innerhalb Deutschlands nicht beschleunigt. Der Priority-Aufkleber hat nur in einigen internationalen Ländern Bedeutung, sofern es dort 2 Schnelligkeitsstufen für Briefe gibt.

Bücher- und Warensendungen können mit dem Prio-Zuschlag übrigens nicht beschleunigt werden.


Lohnt sich ein Prio-Brief überhaupt?

Wer einen Zustellnachweis (Empfängerunterschrift) benötigt, wählt lieber ein Einschreiben anstelle eines Priobriefs. Und wer eine garantierte Lieferung am Folgetag benötigt, muss auf das teurere Angebot von DHL Express zurückgreifen.

Prio-Briefe erhalten einen speziellen Aufkleber mit der Kennzeichnung "H". Die Frankierung ist entweder in Postfilialen möglich oder per Internetmarke. Die Briefe können in Postfilialen abgegeben werden oder in Briefkästen eingeworfen werden. Aber nur bei der Abgabe in Postfilialen gibt es einen Einlieferungsbeleg und die bevorzugte Beförderung wird gewährleistet.

Hinweis: Nicht alle Postfilialen nehmen Prio-Briefe an. Welche Filialen in Ihrer Nähe verfügbar sind, können Sie unter standorte.deutschepost.de ermitteln. Wählen Sie dort im Suchfilter "Leistungen" den Eintrag "PRIO-Sendung abgeben". Um ganz sicherzugehen, sollten Sie Prio-Briefe bis zum frühen Nachmittag abschicken, so dass ein taggleicher Weitertransport stattfindet.



Wie unterscheiden sich Prio-Brief und Einschreiben?

Prio und Einschreiben sind nicht vergleichbar. Es gibt folgende Unterschiede:

  • Prio-Briefe bieten keinen Zustellnachweis (Empfängerunterschrift). Einschreiben schon.
  • Prio-Briefe sind gegen Verlust nicht versichert. Einschreiben schon.
  • Die Sendungsverfolgung von Prio-Briefen funktioniert weniger zuverlässig als beim Einscheiben.

Einschreiben sind übrigens so schnell wie normale Briefe. Sie werden nicht bevorzugt transportiert.

Für Einschreiben und Prio-Briefe gilt gleichermaßen: Bitte in einer Postfiliale abschicken und nicht per Briefkasten-Einwurf verschicken. Letzteres ist zwar möglich, aber es gibt keinen Einlieferungsbeleg. Dieser ist für die Haftung (Einschreiben) bzw. für die bevorzugte Beförderung (Prio-Brief) wichtig.


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