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Brieflaufzeiten verlängern sich auf 3-4 Tage

Visualisierung Brieflaufzeiten
Voraussichtlich ab dem 1.1.2025 verlängern sich die Lieferzeiten für Briefe von bisher 1-2 Tagen auf 3-4 Tage. Die konkreten Fristen sind wie folgt:

  • 95% aller Briefe müssen nach 3 Werktagen ankommen.
  • 99% aller Briefe müssen nach 4 Werktagen ankommen.

Zum Vergleich: Das alte Postgesetz besagt, dass 80% der Briefe am nächsten Werktag zugestellt werden müssen und 95% am übernächsten.

Die neuen Laufzeit-Vorgaben gelten für langsame, günstige Eco-Briefe. Die Deutsche Post will zusätzlich einen schnellen, teuren Priobrief anbieten mit vermutlich 1-2 Tagen Lieferzeit.

Wie teuer das neue Porto für Eco- und Prio-Briefe sein wird, ist noch unklar. Von einem Insider hat das Handelsblatt erfahren, dass das Porto für einen Standardbrief (Economy) 1 Euro nicht überschreiten soll. Priobriefe sollen deutlich teurer sein, jedoch nicht doppelt so teuer wie ein Economy-Brief, sagte Post-Vorständin Nikola Hagleitner im Interview mit der Welt am Sonntag.





Gewerkschaften befürchten Arbeitsplatzabbau

Die Gewerkschaften Verdi und DPVKOM haben gegen längere Brieflaufzeiten gekämpft - jedoch erfolglos. Sie befürchten einen Abbau von Arbeitsplätzen bei der Deutschen Post. DPVKOM argumentiert so: Längere Lieferzeiten machen den Briefversand für Kunden unattraktiver, was zu einem Mengenrückgang führt und infolgedessen zu einem Arbeitsplatzabbau.

Die Gewerkschaft Verdi meint, durch längere Lieferzeiten könne die Deutsche Post Arbeitszeit bei der Zustellung einsparen, was letztendlich Arbeitsplätze kosten werde.



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Keine Luftpost mehr: Deutsche Post mit gewagter Alternative

In der Nacht vom 27. auf den 28. März 2024 hat die Deutsche Post letztmalig Briefe innerhalb Deutschlands per Flugzeug transportiert. Die Verbindungen Stuttgart-Berlin, Hannover-München und Hannover-Stuttgart sind nun eingestellt.

Die Deutsche Post will Luftpost durch Sprinter-Fahrzeuge ersetzen. Dadurch soll weiterhin eine schnelle Briefbeförderung zwischen Nord- und Süddeutschland sichergestellt werden (Quelle).


Die Postflüge starteten oft kurz nach Mitternacht, beispielsweise um 00:20 Uhr ab Berlin mit Landung eine Stunde später in Stuttgart. Beim Straßentransport verlängern sich die Transportzeiten. Eine nächtliche Fahrt zwischen Berlin-Stuttgart oder Hannover-München dauert ca. 6,5 Stunden und zwischen Hannover und Stuttgart ca. 5,5 Stunden. Plus 45 Minuten Ruhepause für den Fahrer (es sei denn, die Post setzt zwei Fahrer ein).

Sprinter müssten also um 21 Uhr abfahren, um 4 Uhr morgens das Briefzentrum der Zielregion zu erreichen. Das ist machbar, aber kommen Vorlauffahrten hinzu, z.B. von Hamburg nach Hannover, ist es unrealistisch. Die Sortierung in Hamburg müsste dann schon um 19 Uhr beendet sein.

2021 hielt Postchef Tobias Meyer Nachtflüge noch für unverzichtbar, "solange wir verpflichtet sind, mindestens 80 Prozent aller Briefe bereits am nächsten Werktag zuzustellen". Ob Sprinter jetzt tatsächlich ein praktikabler Ersatz sind, wird Paketda mit Testbriefen untersuchen.





Nachtluftpost: Ein Stück Geschichte der Briefbeförderung

Startschuss für das innerdeutsche Nachtluftpostnetz war der 1. September 1961. Erster Flugpartner war die Lufthansa, die damals alle Strecken bediente - mit Ausnahme des den Alliierten vorbehaltenen Luftkorridors nach Berlin, den die amerikanische Fluggesellschaft PanAm bis 1990 flog.

Bis zum Nachtflugverbot 2005 war Frankfurt am Main der zentrale Knotenpunkt des Nachtluftpost-Netzes. Von hier aus flogen die Flugzeuge der Lufthansa und später weiterer Airlines sternförmig die verschiedenen Destinationen an. 2008 stieg die Lufthansa aus dem Nachtluftpostnetz aus.

1996 wurden rund 430 Tonnen Briefe mit 26 Flugzeugen pro Nacht befördert. 2024 waren es zuletzt noch 53 Tonnen mit sechs Flugzeugen von Eurowings und Tui Fly. Umgerechnet 270.000 Sendungen pro Flugzeug.

YouTube: Deutsche Post streicht Nachtluftpost








So teuer sind Eco- und Prio-Briefe in anderen Ländern

So viel Porto verlangen andere europäische Postgesellschaften.

  • Polen: Eco 0,85 Euro (3,90 PLN) / Prio 1,05 Euro (4,80 PLN) - Quelle
  • Schweiz Eco 0,94 Euro (0,90 CHF) / Prio 1,15 Euro (1,10 CHF) - Quelle
  • Österreich: Eco 0,95 Euro / Prio 1,20 Euro - Quelle
  • Tschechien Eco 1,10 Euro (27 CZK) / Prio 1,39 Euro (34 CZK) - Quelle
  • Frankreich: Eco 1,16 Euro / Prio 2,95 Euro - Quelle
  • Litauen Eco 1,20 Euro / Prio 1,30 Euro - Quelle
  • Italien (bis 2kg) Eco 1,25 Euro / Prio 2,90 Euro - Quelle





Post-Managerin schlägt vor: Schnelle Briefe nur noch gegen Aufpreis

So berichtete Paketda im Dezember 2022

Müssen Postkunden in Zukunft aufpreispflichtige Prio-Briefmarken kaufen, damit ihre Sendungen am nächsten Tag ankommen? Diesen Vorschlag macht Post-Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner in der FAZ (gedruckte Ausgabe vom 7.12.2022):

"Wir sollten überlegen, ob wir den Kunden die Wahl der Laufzeiten überlassen. Sie könnten dann entscheiden, ob ihnen eine besonders schnelle Zustellung einen Aufpreis wert ist oder ob die Briefe auch etwas länger unterwegs sein dürfen. Das würde uns erlauben, viel flexibler zu arbeiten."

Im Klartext: Standardmäßig würden sich Briefe verlangsamen! Die gesetzliche Lieferzeitvorgabe beträgt zurzeit 80%. Hagleitner hält sie angesichts digitaler Kommunikation für nicht mehr zeitgemäß. Bei der bevorstehenden Postgesetz-Reform könnte die Vorgabe tatsächlich aufgeweicht werden. Dann wäre der Weg frei für langsame Standardbriefe zum Normalpreis und schnelle Priobriefe gegen Aufpreis.

DHL-Manager Thomas Ogilvie erklärte bei morgenpost.de: "Durch eine verlängerte Laufzeit können wir die Briefmenge besser über die Woche verteilen und Belastungsspitzen bei den Beschäftigten abbauen."




Postchefs profitieren vom Wegfall der Nachtflüge

So berichtete Paketda im Dezember 2021

Auf der Hauptversammlung 2021 der Deutschen Post AG wurde beschlossen, die erfolgsabhängige Vergütung von Vorstandsmitgliedern stärker an nichtfinanzielle ESG-Ziele zu koppeln. ESG steht für Environmental, Social und Governance.

Erreichen die Postvorstände bestimmte Zielvorgaben dieser drei Bereiche, winkt eine zusätzliche Vergütung. Bis 2021 war die erfolgsabhängige Vergütung nur zu 12,5% an ESG-Ziele gekoppelt. Ab 2022 beträgt der Anteil 30%. Je ökologischer, sozialer und verantwortungsvoller die Postchefs handeln, desto mehr Geld bekommen sie.

Zugespitzt bedeutet das: Von der Abschaffung der Flugzeuge für den Brieftransport profitieren die Postchefs indirekt selbst, weil weniger CO2 ausgestoßen wird und die Zielvorgaben im Bereich "Environmental" leichter erreicht werden können.

Auch die Aktionäre des Postkonzerns profitieren, weil geringere Kosten für CO2-Kompensation entstehen. Ab 2022 befördert die Deutsche Post alle Briefe von Privat- und Geschäftskunden ohne Aufpreis als GoGreen-Sendungen. Die CO2-Emissionen gleicht die Post also auf eigene Kosten aus. Falls die CO2-Emissionen aufgrund abgeschaffter Flugzeuge sinken, spart die Post solche Kompensationskosten.



Langsame Briefe schon länger geplant

Bereits 2017 schrieb Post-Manager Ole Nordhoff in einem Strategiepapier, dass zukünftig die Fähigkeit benötigt werde, "Sendungen auch bewusst zu verlangsamen bzw. zu beschleunigen."

Aus Nordhoffs Strategiepapier wurden bislang viele Ideen realisiert, zum Beispiel die Auslieferung kleiner Päckchen/Pakete in der Briefzustellung und die Nachverfolgbarkeit jeder einzelnen Sendung mit Matrixcode-Briefmarken.

Noch Zukunftsmusik ist eine Preisdifferenzierung zwischen Versender- und Empfängerbedürfnissen. Nordhoff skizzierte dazu 2017 folgendes Szenario:

"Während heute ausschließlich der Versender das Porto bezahlt, könnte zukünftig (zumindest für die Briefmenge von geschäftlichen Versendern) ein Teil über den Empfänger erhoben werden. Maßgeblich für den Erfolg einer solchen 'Anschlussgebühr' ist aber sicherlich, dass die Empfänger einen echten Mehrwert ggü. dem Status Quo empfinden.

Dies kann meines Erachtens nur dadurch erzielt werden, dass mögliche briefliche Mehrwertdienste (z.B. prioritäre Zustellung an allen Werktagen) mit Empfangsoptionen für Pakete verknüpft werden. Erste Ideen zu einem "Prime"-Account von Briefen und Paketen existieren bereits und werden getestet werden, um die Marktakzeptanz von solchen Modellen besser zu verstehen."


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