Seit dem 1. Januar 2025 gelten für innerdeutsche Briefe neue Lieferzeiten: Statt wie bisher innerhalb von 1 bis 2 Tagen müssen Briefe nun innerhalb von 3 bis 4 Tagen zugestellt werden. Das neue Postgesetz erlaubt diese Verlangsamung. Eine Ausnahme ist die Versandart Einschreiben, für die die Deutsche Post weiterhin eine Zustellung innerhalb von 1 bis 2 Werktagen verspricht.
Doch nun findet sich eine überraschende Aussage in einer Pressemitteilung der Deutschen Post:
"Auch wenn die Vorschrift des neuen Postgesetzes zur Beförderung von Briefen vorgibt, dass 95 Prozent der eingelieferten Briefsendungen am dritten Werktag nach der Einlieferung zuzustellen sind, stellt die Deutsche Post seit dem 1. Januar 2025 Briefe in der Regel bis zum zweiten Werktag nach der Einlieferung zu."
Die Deutsche Post liefert also freiwillig schneller, als sie muss. Angesichts dessen werden vermutlich nur wenige Kunden aus Geschwindigkeitsgründen die teure Versandart Einschreiben nutzen (kostet mind. 2,35 Euro Aufpreis).
Folgende Brieflaufzeiten schreibt das Postgesetz 2025 vor:
- 95% aller Briefe müssen nach 3 Werktagen ankommen.
- 99% aller Briefe müssen nach 4 Werktagen ankommen.
Zum Vergleich: Nach dem alten Postgesetz mussten 80% der Briefe am nächsten Werktag zugestellt werden und 95% am übernächsten.
Von den längeren Lieferzeiten bleiben Postfach-Inhaber verschont. Sendungen, die an Postfächer adressiert sind, werden in der Zustellung nicht verzögert.
Beeinflussen längere Lieferzeiten die Briefwahl?
Bundestagswahlen sind am Sonntag, 23. Februar 2025. Stimmzettel per Briefwahl müssen am Donnerstag, 20. Februar 2025 vor Leerung in einen Briefkasten der Deutschen Post eingeworfen oder in einer Postfiliale abgegeben werden.
Bis 20.02. abgeschickte Stimmzettel werden rechtzeitig die Wahlbüros erreichen, versicherte die Deutsche Post gegenüber BILD.de
Laut Postgesetz (§18 Abs. 4) gelten für amtliche Wahl- und Abstimmungsunterlagen schnellere Lieferzeiten. Die Deutsche Post muss solche Sendungen binnen 2 Werktagen zustellen. Dazu gehören auch zugesandte Briefwahlunterlagen und vom Wähler zurückgesandte Stimmzettel.
Gewerkschaften befürchten Arbeitsplatzabbau
Die Gewerkschaften Verdi und DPVKOM haben gegen längere Brieflaufzeiten gekämpft, weil sie einen Abbau von Arbeitsplätzen bei der Deutschen Post befürchten. DPVKOM argumentiert so: Längere Lieferzeiten machen den Briefversand für Kunden unattraktiver, was zu einem Mengenrückgang führt und infolgedessen zu einem Arbeitsplatzabbau.
Die Gewerkschaft Verdi meint, durch längere Lieferzeiten könne die Deutsche Post Arbeitszeit bei der Zustellung einsparen, was letztendlich Arbeitsplätze kosten werde.
Briefe langsamer, seitdem Luftpost eingestellt wurde
In der Nacht vom 27. auf den 28. März 2024 hat die Deutsche Post letztmalig Briefe innerhalb Deutschlands per Flugzeug transportiert. Die Verbindungen Stuttgart-Berlin, Hannover-München und Hannover-Stuttgart sind nun eingestellt.
Die Deutsche Post will Luftpost durch Sprinter-Fahrzeuge ersetzen. Dadurch soll weiterhin eine schnelle Briefbeförderung zwischen Nord- und Süddeutschland sichergestellt werden (Quelle).
Doch der Paketda-Praxistest zeigt: Auf den oben genannten Strecken sind Briefe nun zwei Tage lang unterwegs, statt wie bisher einen Tag. Der Straßentransport ist kein gleichwertiger Ersatz zum Flugzeug.
Besonders frech: Die Luftpost wurde 2024 eingestellt, als noch das alte Postgesetz galt mit schnellen Lieferzeitvorgaben. Eigentlich ist es der Deutschen Post erst ab 2025 gestattet, die Lieferzeiten zu verlängern.
Post-Managerin schlägt vor: Schnelle Briefe nur noch gegen Aufpreis
So berichtete Paketda im Dezember 2022
Müssen Postkunden in Zukunft aufpreispflichtige Prio-Briefmarken kaufen, damit ihre Sendungen am nächsten Tag ankommen? Diesen Vorschlag macht Post-Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner in der FAZ (gedruckte Ausgabe vom 7.12.2022):
"Wir sollten überlegen, ob wir den Kunden die Wahl der Laufzeiten überlassen. Sie könnten dann entscheiden, ob ihnen eine besonders schnelle Zustellung einen Aufpreis wert ist oder ob die Briefe auch etwas länger unterwegs sein dürfen. Das würde uns erlauben, viel flexibler zu arbeiten."
Im Klartext: Standardmäßig würden sich Briefe verlangsamen! Die gesetzliche Lieferzeitvorgabe beträgt zurzeit 80%. Hagleitner hält sie angesichts digitaler Kommunikation für nicht mehr zeitgemäß. Bei der bevorstehenden Postgesetz-Reform könnte die Vorgabe tatsächlich aufgeweicht werden. Dann wäre der Weg frei für langsame Standardbriefe zum Normalpreis und schnelle Priobriefe gegen Aufpreis.
DHL-Manager Thomas Ogilvie erklärte bei morgenpost.de: "Durch eine verlängerte Laufzeit können wir die Briefmenge besser über die Woche verteilen und Belastungsspitzen bei den Beschäftigten abbauen."