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Deutsche Post: Langsambriefe ab 1.1.2025


Die Deutsche Post hat erstmals ein Datum genannt, an dem die Lieferzeiten reduziert werden sollen: 1. Januar 2025. So steht es im Flugblatt "Postforum", das die Deutsche Post regelmäßig an Politiker verteilt.

Im Text klingt es so, als wäre der Stichtag 1.1.2025 "nach den Plänen der Bundesregierung" festgelegt worden. Wahrscheinlich ergibt sich das Datum eher aus praktischen Gründen, weil erst nach Inkrafttreten des neuen Postgesetzes das Verfahren zur Bestimmung des neuen Briefportos starten kann. Dieses Verfahren dauert schätzungsweise 3 bis 4 Monate.

Die Bundesnetzagentur hatte im Herbst 2023 den Wunsch der Deutschen Post abgelehnt, schon vor Inkrafttreten der Postgesetzreform Schritte zur Festlegung des neuen Portos einzuleiten. Laut Behörde hängt das sog. Maßgrößenverfahren von vielen exogenen Faktoren ab, wie z.B. der "pünktlichen und vollständigen Einreichung der erforderlichen Kosten-, Absatz- und Erlösdaten, dem Inkrafttreten der angekündigten Gesetzesnovelle und Verhalten dritter Verfahrensbeteiligter im Price-Cap-Entgeltgenehmigungsverfahren."





Briefe erst nach 3 bis 4 Tagen beim Empfänger

Visualisierung Brieflaufzeiten
Das Wirtschaftsministerium will der Deutschen Post längere Brieflaufzeiten erlauben. Im neuen Postgesetz sollen Medienberichten zufolge diese Vorgaben stehen:

  • 95% aller Briefe müssen nach 3 Werktagen ankommen.
  • 99% aller Briefe müssen nach 4 Werktagen ankommen.

Diese Vorgaben gelten für langsame, günstige Eco-Briefe. Die Deutsche Post will zusätzlich einen schnellen, teuren Priobrief anbieten. Ob dafür auch Lieferzeiten im Gesetz festgelegt werden, ist noch unbekannt.

Außerdem ist unklar, ob die neuen Lieferzeitvorgaben für das Jahresmittel gelten oder auf Monatsbasis. Bislang müssen im Jahresdurchschnitt 80% aller Briefe am nächsten Tag zugestellt werden. Kritiker sagen, dass diese Zielvorgaben regional und saisonal mitunter verfehlt werden. Weil sich im Jahresdurchschnitt aber alles ausgleicht, lässt sich die Post nicht zur Verantwortung ziehen.



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Gewerkschaften befürchten Arbeitsplatzabbau

Die Gewerkschaften Verdi und DPVKOM lehnen längere Brieflaufzeiten ab und sehen Arbeitsplätze bei der Deutschen Post bedroht. DPVKOM nennt folgende Argumentation: Längere Lieferzeiten machen den Briefversand für Kunden unattraktiver, was zu einem Mengenrückgang führt und infolgedessen zu einem Arbeitsplatzabbau.

Verdi fordert "Bundesregierung und Bundestag dringend auf, das Gesetz nachzubessern". Es seien massiv tarifierte Arbeitsplätze gefährdet, weil die Deutsche Post durch längere Lieferzeiten (Personal-) Kosten einsparen könne.





Wie teuer werden Eco- und Prio-Briefe?

Von einem Insider im Wirtschaftsministerium hat das Handelsblatt erfahren, dass das Porto für einen Standardbrief bei 1 Euro gedeckelt werden soll. Diese Obergrenze gilt jedoch nicht dauerhaft, sondern nur für die nächste Portofestlegung (spätestens 2025).

Die 1-Euro-Grenze gilt für langsame Eco-Briefe. Wie teuer Priobriefe werden, deutete Post-Vorständin Nikola Hagleitner nur vage an: "Wir reden nicht über eine Verdoppelung des Preises", sagte sie im Oktober zur Welt am Sonntag. Für Standardbriefe nannte sie einen Portovorschlag in Höhe von 95 Cent.





So teuer sind Eco- und Prio-Briefe in anderen Ländern

So viel Porto verlangen andere europäische Postgesellschaften.

  • Polen: Eco 0,85 Euro (3,90 PLN) / Prio 1,05 Euro (4,80 PLN) - Quelle
  • Schweiz Eco 0,94 Euro (0,90 CHF) / Prio 1,15 Euro (1,10 CHF) - Quelle
  • Österreich: Eco 0,95 Euro / Prio 1,20 Euro - Quelle
  • Tschechien Eco 1,10 Euro (27 CZK) / Prio 1,39 Euro (34 CZK) - Quelle
  • Frankreich: Eco 1,16 Euro / Prio 2,95 Euro - Quelle
  • Litauen Eco 1,20 Euro / Prio 1,30 Euro - Quelle
  • Italien (bis 2kg) Eco 1,25 Euro / Prio 2,90 Euro - Quelle




Wieder im Gerede: Schnelle Briefe nur noch gegen Aufpreis

So berichtete Paketda im Februar 2023

Medien schreiben zurzeit wieder über die Zwei-Klassen-Briefzustellung, obwohl die Absicht der Deutschen Post längst bekannt ist: Kunden sollen für langsame Briefe wenig Porto bezahlen und für schnelle Briefe viel Porto.

Nikola Hagleitner von Deutsche Post DHL machte diese Pläne bereits im Dezember 2022 öffentlich (siehe unten). Ihr Kollege Thomas Ogilvie rührte jetzt erneut die Werbetrommel für zwei Geschwindigkeitsstufen beim Briefversand. Gegenüber Funke Medien (z.B. morgenpost.de) erklärte er:

"Der Verbraucher kann sich entscheiden, mit welchem Tempo sein Brief transportiert wird. Im Sinne der Angebotspalette halte ich das für einen guten Schritt. Durch eine verlängerte Laufzeit können wir die Briefmenge besser über die Woche verteilen und Belastungsspitzen bei den Beschäftigten abbauen."

Laut Ogilvie könnten außerdem Nachtflüge entfallen, sofern längere Lieferzeiten erlaubt werden. Ob das wirklich stimmt, bleibt abzuwarten. Denn die Post will ja weiterhin eine schnelle Versandart anbieten und benötigt dementsprechend schnelle Transportmittel. Flugzeuge wären nur verzichtbar, wenn die schnellen Briefe mengenmäßig in einen Sprinter hineinpassen.





Was hält die Regierung von den Plänen?

Das Wirtschaftsministerium hat bislang nur grobe Eckpunkte für die Reform des Postgesetzes veröffentlicht (Paketda berichtete). Unterschiedliche Liefergeschwindigkeiten erwähnt das Ministerium nicht. Es heißt nur vage:

"Starre Universaldienstvorgaben [...] wollen wir durch flexiblere Vorgaben ersetzen, die einerseits den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer entsprechen und andererseits eine möglichst nachhaltige Erbringung des Universaldienstes fördern." [...]

"Stattdessen könnten Vorgaben mit längeren Laufzeiten und höherer Verbindlichkeit den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer in höherem Maße entsprechen und gleichzeitig eine nachhaltigere Erbringung des Universaldienstes ermöglichen."

Aus diesem Statement geht nicht hervor, ob die Vorgaben für Brieflaufzeiten allgemein abgesenkt werden sollen. Oder ob die Regierung offen für den Post-Vorschlag ist, zwei unterschiedliche Liefergeschwindigkeiten anzubieten.

Fakt ist nur, dass die bisherige Vorgabe, wonach im Jahresmittel 80% aller Briefe am Folgetag zugestellt werden müssen, abgeschafft wird.

FDP-Politiker Reinhard Houben, der am neuen Postgesetz mitarbeitet, befürwortet zwei Liefergeschwindigkeiten:





Post-Managerin schlägt vor: Schnelle Briefe nur noch gegen Aufpreis

So berichtete Paketda im Dezember 2022

Müssen Postkunden in Zukunft aufpreispflichtige Prio-Briefmarken kaufen, damit ihre Sendungen am nächsten Tag ankommen? Diesen Vorschlag macht Post-Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner in der FAZ (gedruckte Ausgabe vom 7.12.2022):

"Wir sollten überlegen, ob wir den Kunden die Wahl der Laufzeiten überlassen. Sie könnten dann entscheiden, ob ihnen eine besonders schnelle Zustellung einen Aufpreis wert ist oder ob die Briefe auch etwas länger unterwegs sein dürfen. Das würde uns erlauben, viel flexibler zu arbeiten."

Im Klartext: Standardmäßig würden sich Briefe verlangsamen! Im letzten Jahr kursierte der Vorschlag, dass nur noch 50% aller Briefe einen Tag nach dem Absenden zugestellt werden sollen (siehe unten).

Die gesetzliche Lieferzeitvorgabe beträgt zurzeit 80%. Hagleitner hält sie angesichts digitaler Kommunikation für nicht mehr zeitgemäß. Bei der bevorstehenden Postgesetz-Reform könnte die Vorgabe tatsächlich aufgeweicht werden. Dann wäre der Weg frei für langsame Standardbriefe zum Normalpreis und schnelle Priobriefe gegen Aufpreis.

Dieses Modell ist in vielen anderen Ländern schon etabliert, z.B. in Österreich mit Eco- und Prio-Sendungen oder 1st und 2nd Class Mail in Großbritannien. Der Preisunterschied beträgt in Österreich 20 Cent und in Großbritannien ca. 30 Cent.

Die Deutsche Post bietet seit 2017 Priobriefe an, die aktuell 1,10 Euro Aufpreis kosten und eine höhere Zustellwahrscheinlichkeit am nächsten Tag versprechen. Eine Leistungsgarantie gibt es jedoch nicht, so dass der Nutzen von Priobriefen zweifelhaft ist (Paketda-Praxistest).

Sollte die Deutsche Post künftig zwei Liefergeschwindigkeiten anbieten, sind 1,10 Euro Prio-Mehrkosten unrealistisch. Das Standardporto würde sich dadurch mehr als verdoppeln, was unverhältnismäßig teuer ist. Außerdem müsste die Post wohl ihr Nachtflugnetz weiter betreiben.

In der Vergangenheit äußerte die Post den Wunsch, Briefe langsamer per LKW zu transportieren und nicht mehr in Flugzeugen. LKW-Transporte bedeuten, dass Briefe von Süd- nach Norddeutschland (und umgekehrt) nicht am nächsten Tag zugestellt werden können.

Themenverwandter Bericht: Geschäftskunden können ab 2023 Langsam-Briefe verschicken für 3% Preisnachlass





Deutsche Post würde Nachtflüge gern abschaffen

So berichtete Paketda im Dezember 2021

Postchef Frank Appel und sein designierter Nachfolger Tobias Meyer sorgten kürzlich für Aufsehen, weil sie einen langsameren Brieftransport befürworten. Aus Umweltschutzgründen regen die Manager an, dass nur noch 50 Prozent der Briefe am nächsten Tag zugestellt werden müssen, anstatt wie aktuell 80 Prozent.

Die Deutsche Post würde gern drei Flugzeuge abschaffen, die bislang jede Nacht Briefe durch Deutschland fliegen. Tobias Meyer erklärte gegenüber tagesschau.de, dass der Transport per LKW statt Flugzeug emissionsärmer aber auch langsamer sei.

Unerwähnt lässt die Deutsche Post, dass ihr Konzernbereich DHL Express ständig neue Boeing-Frachtflugzeuge in Betrieb nimmt. 2018 wurden 14 neue Maschinen geordert, von denen bis Anfang 2021 zehn ausgeliefert waren. Unterdessen hat DHL Express schon wieder eine neue Bestellung über 8 Boeings aufgegeben (Auslieferung ab 2022) und verfügt über eine Kaufoption für 4 weitere Flugzeuge (Quelle: dpdhl.com).

Interessant: Auf der letzten Hauptversammlung der Deutschen Post AG wurde beschlossen, die erfolgsabhängige Vergütung von Vorstandsmitgliedern wie Frank Appel und Tobias Meyer stärker an nichtfinanzielle ESG-Ziele zu koppeln. ESG steht für Environmental, Social und Governance.

Erreichen die Postvorstände bestimmte Zielvorgaben dieser drei Bereiche, winkt eine zusätzliche Vergütung. Bis 2021 war die erfolgsabhängige Vergütung nur zu 12,5% an ESG-Ziele gekoppelt. Ab 2022 beträgt der Anteil 30%. Je ökologischer, sozialer und verantwortungsvoller die Postchefs handeln, desto mehr Geld bekommen sie.

Zugespitzt bedeutet das: Von der Abschaffung der Flugzeuge für den Brieftransport profitieren die Postchefs indirekt selbst, weil weniger CO2 ausgestoßen wird und die Zielvorgaben im Bereich "Environmental" leichter erreicht werden können.

Auch die Aktionäre des Postkonzerns profitieren, weil geringere Kosten für CO2-Kompensation entstehen. Ab 2022 befördert die Deutsche Post alle Briefe von Privat- und Geschäftskunden ohne Aufpreis als GoGreen-Sendungen. Die CO2-Emissionen gleicht die Post also auf eigene Kosten aus. Falls die CO2-Emissionen aufgrund abgeschaffter Flugzeuge sinken, spart die Post solche Kompensationskosten.



Langsame Briefe schon länger geplant

Bereits 2017 schrieb Post-Manager Ole Nordhoff in einem Strategiepapier, dass zukünftig die Fähigkeit benötigt werde, "Sendungen auch bewusst zu verlangsamen bzw. zu beschleunigen."

Aus Nordhoffs Strategiepapier wurden bislang viele Ideen realisiert, zum Beispiel die Auslieferung kleiner Päckchen/Pakete in der Briefzustellung und die Nachverfolgbarkeit jeder einzelnen Sendung mit Matrixcode-Briefmarken.

Noch Zukunftsmusik ist eine Preisdifferenzierung zwischen Versender- und Empfängerbedürfnissen. Nordhoff skizzierte dazu 2017 folgendes Szenario:

"Während heute ausschließlich der Versender das Porto bezahlt, könnte zukünftig (zumindest für die Briefmenge von geschäftlichen Versendern) ein Teil über den Empfänger erhoben werden. Maßgeblich für den Erfolg einer solchen 'Anschlussgebühr' ist aber sicherlich, dass die Empfänger einen echten Mehrwert ggü. dem Status Quo empfinden.

Dies kann meines Erachtens nur dadurch erzielt werden, dass mögliche briefliche Mehrwertdienste (z.B. prioritäre Zustellung an allen Werktagen) mit Empfangsoptionen für Pakete verknüpft werden. Erste Ideen zu einem "Prime"-Account von Briefen und Paketen existieren bereits und werden getestet werden, um die Marktakzeptanz von solchen Modellen besser zu verstehen."


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