Sendungsverfolgung Menü

Betrug mit Irrläufer-Paketen aus DHL-Packstationen aus der Region Berlin


Seit ungefähr 3 Jahren kursiert eine fiese Betrugsmasche bei eBay-Kleinanzeigen: Aus der Region Berlin werden DHL-Pakete via Packstation abgeschickt, die anschließend durch Deutschland irren.

Der Absender adressiert die Pakete absichtlich falsch, damit der Empfänger DHL für die Nichtlieferung verantwortlich macht. In Wahrheit ist jedoch der Absender verantwortlich, weil er die Paketlabel manipuliert.

Die ersten Fälle wurden im Paketda-Forum Anfang 2019 geschildert. Alle haben gemeinsam, dass ein teures Produkt (z.B. iPhone) bei eBay-Kleinanzeigen verkauft wird, der Verkäufer ein Paketlabel mit der DHL-Onlinefrankierung erstellt und das Paket via Packstation verschickt. Anschließend wird das Paket in die Region des Empfängers transportiert, kann dort nicht zugestellt werden und geht an den Absender zurück. Dessen Anschrift ist ebenfalls falsch, so dass das Paket schlussendlich in der DHL-Ermittlungsstelle Wuppertal landet.

Wahrscheinlich erstellt der Betrüger zwei Paketlabel: eines mit falschen Adressdaten und eines mit richtigen Adressdaten. Die beiden Label werden nachträglich so manipuliert, dass die falsche Leitcodierung und falsche Lieferanschrift in das Label mit den korrekten elektronischen Sendungsdaten eingesetzt wurden.

Der DHL-Kundenservice erkennt die Manipulation wahrscheinlich nicht, weil die digital gespeicherte Lieferanschrift korrekt ist. Aber das ausgedruckte Label auf dem Karton weist eine falsche Leitcodierung und eine falsche Lieferanschrift auf, so dass keine Zustellung möglich ist. Und selbst wenn das Betrugspaket irgendwo zugestellt werden würde, enthält es mit Sicherheit nicht die erwartete Ware sondern etwas Wertloses.

Als Betrugsopfer hat man quasi keine Chance, die Falle im Voraus zu erkennen. Ein Betroffener schilderte, der Verkäufer habe ihm sogar eine Ausweiskopie gesendet, um vor einem teuren Verkaufsgeschäft Vertrauen aufzubauen. Man kann davon ausgehen, dass der Betrüger dafür gestohlene Dokumente verwendete.

Der Betrüger hält den Anschein eines korrekt abgewickelten Verkaufs sogar nach dem Versand der Ware aufrecht und wiegt den Käufer mit dem Argument in Sicherheit, das Paket sei ja unterwegs und nur DHL mache ein paar Probleme. In Wahrheit hat der Verkäufer die DHL-Probleme durch eine Manipulation des Paketaufklebers absichtlich herbeigeführt.

Erst wenn ein Käufer misstrauisch wird und den Verkäufer direkt auf einen möglichen Betrug anspricht, taucht der Verkäufer ab und reagiert nicht mehr. Dann ist es natürlich zu spät und das Geld verloren.

Onlineforum, in dem sich Betroffene der Betrugsmasche austauschen können: forum.computerbetrug.de.





Empfehlung: Anzeige bei der Polizei erstatten

Die Betrugsmasche ist offenbar erfolgreich, sonst würde sie nicht seit 2 Jahren immer wieder durchgeführt werden. Weil die Betrugspakete fast immer im Raum Berlin-Rüdersdorf (seltener: Börnicke) und immer über eine DHL-Packstation verschickt werden, kann man einen Serienbetrüger oder mehrere einzelne Täter aus dieser Region vermuten.

Als bild.de im September 2019 über die "Abzock-Masche" berichtete (Bezahlartikel), teilte DHL der Zeitung mit, die interne Sicherheitsabteilung sei darüber informiert.

Paketda empfiehlt Betroffenen, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Dazu kann auch die Onlinewache der jeweiligen Polizeibehörde genutzt werden. Wenn die Polizei durch möglichst viele Anzeigen erkennt, dass ein Serienbetrüger am Werk ist, kommt vielleicht Bewegung in die Sache und der / die Täter werden geschnappt.



Anzeige


2021: DHL wird gegen Betrüger aktiv

Seit Januar 2021 gibt es auf DHL-Paketscheinen einen Sicherheitscode, der Fälschungen von Adressdaten und des Leitcodes verhindern soll. Dadurch besteht die Hoffnung, dass die eBay-Betrugsmasche eingedämmt wird. Details zum Sicherheitscode in diesem Artikel bei Paketda.





Bericht von RTL

Im Sommer 2020 berichtete RTL über die Betrugsmasche (gekürzter TV-Beitrag hier). Die Reporterin übergab ihre Recherche-Ergebnisse der Staatanwaltschaft Oldenburg, die daraufhin ein ruhendes Ermittlungsverfahren wieder aufnahm.

Falls Sie von der Betrugsmasche betroffen sind, hilft es vielleicht, wenn Sie eine Zusammenfassung Ihres Falls sowie das polizeiliche Aktenzeichen hierhin schicken: Staatanwaltschaft Oldenburg, Abteilung VIII, Rosenstraße 13 a/b, 26122 Oldenburg.





Musterfälle

Die folgenden Fotos zeigen ein Betrugspaket, das mit dem Absender "Rechtsanwalt Mayer, Charlottenstraße 1, 12247 Berlin" verschickt wurde. Der Absender ist erfunden. Als Empfänger war eine Schule angegeben, die sich in der Nähe des eigentlichen Empfängers befindet. Dort wurde das Paket zugestellt. Der Inhalt ist Müll.

Betrugspaket aus Berlin
Beim Blick auf das Paketlabel erkennt man zwei unterschiedliche Paketnummern. Die obere Sendungsnummer (358083255043) weicht von der Sendungsnummer unter dem Strichcode ab (358660204217).

Verfälschtes Paketlabel auf Betrugspaket
Ein anderes Betrugspaket hat die DHL-Paketnummer 358077693586 (Die Anfangszahlen 358... deuten auf ein Privatkundenpaket aus der DHL-Onlinefrankierung hin). Das Tracking ist nachfolgend abgebildet, damit künftige Betrugsopfer Parallelen im Transportverlauf erkennen können.

Typisch ist wie gesagt die Packstation-Einlieferung, dann eine Bearbeitung bei DHL in Rüdersdorf oder Börnicke und anschließend die Unzustellbarkeit in der Region des Empfängers. Danach misslingt die Rücksendung an den Absender und das Paket landet in der Ermittlungsstelle Wuppertal.

Update 2021: Aufgrund des neuen DHL-Sicherheitscodes werden Betrugspakete schneller erkannt und gestoppt, bevor sie auf Irrfahrt durch Deutschland gehen. Die Pakete werden quasi direkt zur Paketermittlung transportiert.


  Zuletzt aktualisiert am   |   Autor:
Anzeige

Paketda-News kostenlos abonnieren bei Whatsapp, Telegram oder Instagram.