Deutsche Post wird bestimmte Sendungen absichtlich verzögern

Fiktives Beispiel zur aktiven Sendungsmengensteuerung
Die Deutsche Post hat mit der Einführung der "aktiven Sendungsmengensteuerung" begonnen. Bis 2025 sollen alle Zustellbezirke in Deutschland in einen A- und B-Teil gesplittet werden.

Im täglichen Wechsel werden entweder in Zone A oder B mehr Sendungen zugestellt. Die geschieht durch eine bewusste Verzögerung von Dialogpost sowie teilweise Pressesendungen.

Beispiel: In Zone A werden an Tag 1 alle Sendungsarten zugestellt. In Zone B werden an Tag 1 nur Haushalte beliefert, die keine Dialogpost und keine Pressesendungen erhalten. An Tag 2 ist es umgekehrt.

Normale Briefe und Pakete sind von der Sendungsmengensteuerung nicht betroffen. Sie werden täglich in Teil A und B zugestellt.

Die Deutsche Post hat das Projekt in 2020 begonnen und gegenüber der Bundesnetzagentur Kosteneinsparungen nachgewiesen. Das Sparpotenzial ist möglicherweise erheblich, weil die Deutsche Post "ein rasches roll-out der A-/B-Zustellung" beabsichtigt.

Im aktuellen Amtsblatt der Bundesnetzagentur (PDF) werden die Spareffekte wie folgt beschrieben:

"Steuerbare Sendungen werden somit nicht mehr an jedem Werktag, sondern nur noch jeden zweiten Tag zugestellt. Dadurch werden täglich abwechselnd in einem Teil des Zustellbezirks mehr Sendungen und im anderen Teil weniger Sendungen zugestellt. Infolgedessen steigt im jeweils aufkommensstarken A-Teil der Berührgrad der Haushalte an, während dieser im sendungsschwächeren B-Teil absinkt, weil nicht mehr alle Haushalte angelaufen werden müssen. Da im A-Teil zudem die Anzahl der Sendungen pro berührtem Hauseingang ansteigt, ermitteln sich nach Angaben der Betroffenen [Deutsche Post AG] Einspareffekte bei den Wegen im Bezirk, der Zustellung der Sendungen und teilweise in der Vorbereitung."


Die Bundesnetzagentur hat gegen die Implementierung der aktiven Sendungsmengensteuerung "keinen Bedenken [...] hinsichtlich des postgesetzlichen Effizienzmaßstabs". Die gegenüber Absendern versprochenen Lieferzeiten sollen trotz der Verzögerung eingehalten werden (bei Dialogpost z.B. 4 Werktage).



Eine Googlesuche nach aktiver Sendungsmengensteuerung ergibt, dass bereits in 2011 ein gleichnamiges Vorläuferprojekt umgesetzt wurde. Damals ging es um die Reduzierung von Dialogpost-Sendungen montags. Das 2020er Folgeprojekt umfasst explizit die Zustellung von Dienstag bis Samstag, "weil Dialogpostsendungen und ein Teil der Pressesendungen bereits jetzt schon an Montagen in der Regel nicht zugestellt werden und sich daher hieraus kein zusätzlicher Einspareffekt erzielen lässt", heißt es in den Unterlagen der Bundesnetzagentur.

Post-Manager Ole Nordhoff schrieb 2017 in einem internen Strategiepapier, das Paketda bei eBay fand, dass einige Unternehmen die bewusste Verlangsamung bzw. Beschleunigung von Dialogpost sogar gut finden könnten. Je präziser der Zustelltag vorhersagbar ist, desto besser können Unternehmen ihre Werbemaßnahmen planen und "beispielsweise auch Call-Center-Kapazitäten darauf ausrichten" (Paketda berichtete).


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