Ärger über DHL: Kunden müssen Zoll für Geschenkpakete bezahlen


Im Paketda-Forum gibt es seit einigen Monaten mehr Beschwerden von Kunden, die für Geschenkpakete irrtümlich Einfuhrabgaben (ugs. Zoll) plus 6 Euro DHL-Auslagepauschale bezahlen mussten. Diese Beschwerden sind kein Massenphänomen, aber sie kommen häufiger als früher vor.

Private Geschenkpakete sind bis zum Warenwert von 45 Euro frei von Einfuhrabgaben. Und wenn keine Einfuhrabgaben fällig werden, berechnet DHL auch keine Auslagepauschale.

Problem: Bei der Zollabfertigung wird das Ankreuzfeld Gift auf der Zollinhaltserklärung manchmal missachtet. Folglich werden Geschenkpakete wie Onlinebestellungen behandelt mit 19% Einfuhrumsatzsteuer plus 6 Euro DHL-Gebühren.

Irrtümlich erhobene Einfuhrumsatzsteuer kann man sich vom Zoll erstatten lassen (Anleitung hier). Mit dem korrigierten Abgabenbescheid kann man sich anschließend an DHL wenden und um Erstattung der Auslagepauschale bitten.

► Über einen solchen Fall berichtet nun die Magdeburger Volksstimme. Ein Ehepaar aus Sachsen-Anhalt erhielt ein Geschenkpaket aus Taiwan und bezahlte dafür 7,44 Euro. Als das Ehepaar beim Zoll reklamierte, wurde ihnen dort gesagt, es handele sich um eine "DHL-Masche", für die der Zoll nicht verantwortlich sei.

Der Volksstimme-Redakteur fragte daraufhin beim Hauptzollamt Magdeburg an, bekam aber nur die Auskunft, dass die DHL-Auslagepauschale mit dem Zoll nichts zu tun habe. Und DHL antwortete auf eine Volksstimme-Anfrage, dass jahrelang überhaupt keine Gebühren für die Zollabfertigung verlangt wurden.

Diese Antworten gehen am Problem total vorbei. Hätten DHL und/oder Zoll sorgfältiger gearbeitet und das "Gift"-Feld berücksichtigt, hätte der Empfänger nämlich nichts bezahlen müssen. Und ihm wäre der Aufwand erspart geblieben, die Einfuhrabgaben nachträglich zu reklamieren.

► Apropos Reklamation: Der Kunde sollte ein Formular auf der DHL-Website ausfüllen. Anschließend wurde ihm mitgeteilt, zuerst müsse der Zoll die Einfuhrabgaben erstatten, und danach könnte DHL die Auslagepauschale zurückzahlen. Der Kunde befürchtete, dass durch dieses Hin und Her die Einspruchsfrist beim Zoll (4 Wochen) verstreicht.

Darauf angesprochen erklärte DHL-Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt der Magdeburger Volksstimme, dass es normalerweise keine "wesentlichen Laufzeitverzögerungen" aufgrund der Zollbearbeitung gebe. Das geht wieder am Thema vorbei. Der Kunde beschwerte sich schließlich nicht über die Lieferzeit, sondern die zähe Reklamationsbearbeitung.

Unklar ist, ob die 7,44 Euro letztendlich erstattet wurden oder nicht. Der Sachsen-Anhaltiner fühlt sich jedenfalls in alte Zeiten zurückversetzt. Früher hätten sich die DDR-Behörden auch nicht um den Vermerk "Geschenksendung" auf Westpaketen geschert.


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