Lieferdrohnen versorgen ländliches Südhessen ab 2023

 Wingcopter 198
Nach der Einstellung des DHL-Paketkopters ist es in Deutschland ruhig geworden um Lieferdrohnen. Im Frühjahr 2023 wird sich das ändern. Die Frankfurt UAS (Fachhochschule Frankfurt am Main) und Drohnenhersteller Wingcopter aus Weiterstadt erproben Drohnenlieferungen im ländlichen Raum.

Konkret geht es um die Lieferung von Gütern des täglichen Bedarfs an Kunden im Süden von Hessen. Die Drohne wird in einer mittelgroßen Stadt beladen und fliegt von dort Dörfer an. Am Zielort wird die Drohne von einem Lastenrad-Kurier entladen, der die Ware schließlich zum Endkunden bringt.

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr fördert das Projekt mit 500.000 Euro. Der offizielle Projektname lautet "DroLEx: Drohnen-Lastenrad-Express-Belieferung".

Ziel ist es, die wirtschaftlichen und ökologischen Aspekte der Drohnenlieferung zu untersuchen. Verläuft der Probebetrieb erfolgreich, soll daraus ein "nachhaltiges und beliebig skalierbares Geschäftsmodell entwickelt werden".

Ein Problem dürfte allerdings die geringe Nutzlast des Wingcopters sein. Laut Website kann die Drohne vom Typ Wingcopter 198 maximal 6 kg Fracht transportieren. Eindeutig zu wenig für einen Wocheneinkauf im Supermarkt.

Für andere Anwendungsfälle wie z.B. Medikamente, Bekleidung, Blumen oder Baumarktprodukte sind 6kg Zuladung wahrscheinlich ausreichend. Es werden keine Pakete von Onlinehändlern transportiert, sondern Waren lokaler Einzelhändler.

Der Wingcopter 198 kann bis zu 3 Pakete separat aufnehmen und absetzen. Somit könnten auf einer Flugroute 3 Dörfer beliefert werden. Vorausgesetzt, die 3 Kunden haben insgesamt nicht mehr als 6kg bestellt.

Interessant wird sein, ob in den Dörfern immer ein Fahrradkurier auf Standby auf ankommende Drohnen wartet, oder ob nur in festen Zeitfenstern ausgeliefert wird, z.B. jeden Abend 18 bis 19 Uhr. Das Projekt wird von Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke (Frankfurt UAS) begleitet. Er kommentiert:

"In vielen ländlichen Gegenden sind die Versorgungsmöglichkeiten heute durch die Schließung kleinerer, lokaler Läden stark eingeschränkt. Wir erwarten, dass sich durch den Einsatz von Lieferdrohnen die Anbindung des ländlichen Raums wieder verbessern lässt.

Aus sozialökonomischer Sicht kommt diese Art der Belieferung vor allem mobilitätseingeschränkten Bürgern wie z. B. älteren Menschen oder Menschen ohne eigenes Auto entgegen. Zudem können sich durch die alternative Transportmöglichkeit wirtschaftliche und ökologische Vorteile für die beteiligten Partner ergeben."

Mehr Infos: www.frankfurt-university.de


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