Von September 2014 bis Januar 2015 erprobte DHL die Paketlieferung per Drohne auf der Nordseeinsel Juist. Dort transportierte ein DHL Paketkopter im Linienbetrieb (= zu festgelegten Uhrzeiten) Medikamente und andere eilige Güter.
Laut DHL war es damit zum ersten Mal in Europa möglich, ein unbemanntes Luftfahrzeug ohne direkten Sichtkontakt eines Piloten in einem echten Anwendungsfall zu betreiben.
Voraussetzung für den Testbetrieb war ein aufwändiges Genehmigungsverfahren. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat in Abstimmung mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) für dieses Forschungsprojekt ein exklusives Flugbeschränkungsgebiet eingerichtet.
Der DHL Paketkopter war die erste autonome Lieferdrohne
Der Paketkopter wurde seit seinem Jungfernflug im Dezember 2013 für den Einsatz auf Juist in 2014 weiterentwickelt. Das Forschungsteam hat z.B. Flugdauer, Reichweite und Geschwindigkeit optimiert, damit die Drohne das Seewetter überstehen kann.
Vom Festland bis zur Insel legte der Paketkopter ca. 12 km zurück. Der Flug sollte vollständig autonom stattfinden. DHL teilte mit, dass das Eingreifen eines Piloten in keiner Flugphase erforderlich sein werde.
Der autonome Flugbetrieb nach Juist muss nachträglich angezweifelt werden, weil das Handelsblatt 2016 berichtete, dass diese Technologie erst bei einem späteren Testbetrieb in den Chiemgauer Alpen verwirklicht wurde. Quelle
Aus Sicherheitsgründen wurde der DHL Paketkopter während seines Flugs nach Juist von Mitarbeitern einer mobilen Bodenstation überwacht. Sie konnten bei Fehlfunktionen oder Notsituationen eingreifen. Zudem stand die Bodenstation im ständigen Kontakt zur Flugsicherung.
Für die automatischen Starts und Landungen wurde ein Autopilot entwickelt. Die Starts vom Festland erfolgten im Hafen von Norddeich. Auf Juist gab es einen speziellen Drohnen-Landeplatz. Von dort wurde die Ware durch DHL-Zusteller abgeholt und weiter zum Empfänger transportiert.
Arzneimittel per Drohne auf die Insel
Mit dem Drohnen-Forschungsprojekt wollte DHL die Möglichkeiten einer innovativen Zustellform erproben.
Die Arzneimittel für den Transport konnten in der Seehund-Apotheke auf der Insel Juist bestellt werden. Urlauber und Inselbewohner hatten die Möglichkeit, sich ab dem Start des Projektes auf www.dhl.de/paketkopter über die mit dem Forschungsprojekt verbundenen Bestellmöglichkeiten zu informieren.
Die Microdrones GmbH war der damalige Entwicklungspartner von DHL und produzierte den Paketkopter auf Basis eigener Flugplattformen.
Die Drohne im DHL-Pressevideo bei Youtube
18.11.2014: DHL mit Drohne im Testbetrieb zufrieden
Wie Focus.de im November 2014 berichtete, zeigte sich DHL mit dem Testbetrieb seiner Lieferdrohne namens "Paketkopter" zufrieden.
Bis dato wurden 20 Flüge mit der Drohne absolviert, die laut Andrej Busch (damals CEO DHL Parcel) störungsfrei verliefen. Es habe sich gezeigt, dass die Drohne auch bei Nacht, Nebel und Regen funktioniere. "Der Paketkopter wird bei Hindernissen wie Bergen und Wasser interessant, wenn dahinter Menschen versorgt werden müssen", zitiert der Focus Andrej Busch. Am 20. Januar 2015 stellte DHL die Drohnenflüge ein.
2016: Paketkopter flog in den Alpen
Von Januar bis März 2016 testete DHL Paket die dritte Generation des Paketkopters in der bayerischen Gemeinde Reit im Winkl. Auf der Flugstrecke vom Tal bis zu einer Alm auf 1.200m Höhe legte der Paketkopter eine Distanz von 8 Kilometern zurück.
Mittels einer speziell entwickelten Packstation, auf deren Dach sich ein Drohnenlandeplatz befand, konnten Privatkunden Pakete per Paketkopter versenden und empfangen. Insgesamt wurden 130 autonome Be- und Entladungen durchgeführt. Infovideo bei YouTube.
2021: DHL verabschiedet sich von Drohnen
Der Produktionschef von Deutsche Post DHL, Thomas Schneider, äußerte sich in einem Interview skeptisch zum Einsatz von Lieferdrohnen. Der Postkonzern erprobt ständig Innovationen in der Zustellung, doch Drohnen spielen dabei keine Rolle mehr. Quelle: www.svz.de.
Schon im Jahr 2016 äußerte sich Wettbewerber Otto (Mutterkonzern von Hermes) kritisch zum DHL-Projekt. Unter der Überschrift "Nicht jeden Unsinn mitmachen" schrieb Otto im Geschäftsbericht 2015/16 auf Seite 23: "Eine phantastische Vorstellung, von Konkurrenten gekonnt in Szene gesetzt, beflügelt Journalisten und Betrachter. Die Fachleute wundern sich. Und wir gestehen: Diese PR-Idee hätten wir auch gerne gehabt."
Am 08. August 2021 erschien bei welt.de ein Artikel, in dem DHL die Einstellung des Paketkopters offiziell bestätigte.