Im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger erklärt der Chef der Deutsche-Post-Niederlassung Köln-West in Frechen, Boris Dobra, interessante Neuigkeiten zur Verbundzustellung. Die Deutsche Post will die Verbundzustellung von 70% im Jahr 2025 auf zukünftig 80 bis 90 Prozent ausweiten (Paketda berichtete).
Bisher wurden Briefe und Pakete in Städten meist getrennt durch zwei Zusteller ausgeliefert. Künftig soll eine Person beide Sendungsarten zustellen. Dieses Konzept ist auf dem Land seit jeher Standard und wurde in den letzten Jahren auf Stadt-Randbereiche ausgeweitet. Künftig soll es auch Innenstädte umfassen mit Ausnahme der Kernbereiche von Großstädten.
Neu: Haltepunkte für Zusteller
Weil Verbundzusteller immer mit einem Fahrzeug unterwegs sind, führt dies in Innenstädten zu Herausforderungen beim Fahren, Rangieren und Parken. Während reine Briefzusteller früher mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs waren und sich "durchschlängeln" konnten, ist das für Verbundzusteller mit einem großen Fahrzeug nicht mehr möglich.
Als Lösung nennt Boris Dobra die Einführung von Haltepunkten: Zusteller parken ihr Fahrzeug an vordefinierten Standorten und beliefern von dort aus mehrere Empfänger zu Fuß. Dieses Modell dürfte jedoch nur in dicht bebauten Stadtgebieten funktionieren. Je weiter die Häuser auseinander stehen, desto ineffizienter wird es (aber desto entspannter dürfte auch die Parksituation sein).
Separate Zustellung für Gewerbegebiete
Eine bemerkenswerte Aussage Dobras betrifft die Belieferung von Firmenkunden: "Auch für Gewerbegebiete wird es extra Zusteller geben. (...) Es gibt neue Anforderungen der Kunden und Betriebe." Was genau damit gemeint ist, bleibt unklar, doch eine mögliche Erklärung könnte in verbesserten Zustell- und Abholfahrten liegen.
Firmenkunden, die Pakete mit DHL versenden, bevorzugen eine Abholung am späten Nachmittag, um ihren eigenen Kunden spätere Bestellfristen anbieten zu können. Würde der Verbundzusteller vormittags das Gewerbegebiet beliefern und gleichzeitig Sendungen mitnehmen, wäre das für viele Geschäftskunden ungünstig. Eine spätere Abholung wirkt sich positiv auf die Verkäuferleistung bei eBay und Amazon aus.
Ein weiterer Vorteil separater Zusteller für Gewerbegebiete ist die bessere Kapazitätsplanung. Wird ein Fahrzeug ausschließlich für Firmenkunden eingesetzt, steht mehr Laderaum zur Verfügung. Andernfalls müsste der Zusteller noch Pakete an Privatkunden ausliefern und Retouren mitnehmen, wodurch weniger Kapazität für Firmenkunden zur Verfügung steht.
Reduziert die Verbundzustellung wirklich die Verkehrsbelastung?
Laut Postmanager Boris Dobra trägt die Verbundzustellung zur Verkehrsreduzierung bei: "Je weniger Verkehr durch die Zusteller, umso besser." Seine Argumentation: Statt zweier separater Zusteller ist künftig nur noch einer unterwegs. Allerdings waren reine Briefzusteller bisher häufig mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs und sowieso kaum Verursacher von Emissionen oder Staus.
Die Umstellung auf die Verbundzustellung könnte sogar zu einem Anstieg der Fahrzeuganzahl führen. Denn wenn Zusteller sowohl Briefe als auch Pakete ausliefern, steigt ihre Arbeitslast, was eine Verkleinerung der Zustellbezirke erforderlich machen könnte. Dadurch würden mehr Fahrzeuge im Einsatz sein, um das gesamte Stadtgebiet abzudecken. Ob sich die Verkehrsbelastung durch die Verbundzustellung tatsächlich verringert, bleibt daher fraglich.
Wichtigster Faktor: Die Mitarbeiter
Die erfolgreiche Umsetzung der Verbundzustellung steht und fällt auch mit den Mitarbeitern. Besonders anspruchsvoll ist die Umschulung bislang reiner Briefzusteller, die künftig auch Pakete ausliefern müssen. Das bedeutet nicht nur eine deutlich höhere körperliche Belastung, sondern auch weitreichende Veränderungen in den Arbeitsabläufen. Um den Übergang zu erleichtern, werden neue Verbundzusteller mehrere Wochen lang von erfahrenen Kollegen eingearbeitet.
Hinzu kommt, dass einige Briefzusteller keinen Führerschein besitzen, diesen jedoch für ihre neue Tätigkeit als Verbundzusteller benötigen. Ob und in welchem Umfang die Deutsche Post hierbei Unterstützung bietet, bleibt offen. Post-Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner betonte jedoch, dass alle Mitarbeiter bis zum Ende ihrer Berufslaufbahn eine Rolle im Unternehmen ausfüllen können sollen. Gleichzeitig denkt sie über die zukünftige Gestaltung der Zustellfahrzeuge nach: "Wenn wir in Zukunft 80 bis 90 Prozent im Verbund zustellen, wie müssen unsere Autos aussehen?" Diese Frage stellte sie kürzlich im DHL-Unternehmenspodcast - eine konkrete Antwort darauf blieb sie allerdings schuldig.