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USA als Vorreiter: UPS setzt auf RFID statt Barcode-Scan

© UPS Pressefoto
Klassischer Scanner in einem UPS-Sortierzentrum

UPS treibt die Digitalisierung seines Netzwerks voran: Der Paketdienst führt weltweit RFID-Technologie zur automatischen Paketerkennung ein. Das Unternehmen verspricht mehr Transparenz für Kunden und weniger Fehler im Logistikprozess.

Laut einer aktuellen Pressemitteilung sind RFID-Sensoren bereits in allen Zustellfahrzeugen, Zustellstützpunkten und an mehr als 5.500 UPS-Store-Filialen in den USA installiert. Die Technologie erkennt Pakete automatisch, ohne dass sie manuell gescannt werden müssen.

UPS-Manager Matt Guffey bezeichnet den Schritt als "größte Verbesserung der Transparenz im letzten Jahrzehnt". Kunden sollen genauer erkennen, wo sich ihre Sendungen befinden und wie sie sich durch das Netzwerk bewegen.



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Vom Scannen zum automatischen Erkennen

Seit den 1990er-Jahren ist das manuelle Barcode-Scannen der Standard in der Paketlogistik. Bei jedem Bearbeitungsschritt eines Pakets wird der Barcode gescannt. RFID funktioniert anders: Die Pakete tragen einen Funkchip, der automatisch von Antennen erkannt wird, sobald das Paket in Reichweite kommt.

UPS spricht deshalb davon, vom "Scannen zum Erfassen" zu wechseln. RFID-Aufkleber in Kombination mit Antennen in Fahrzeugen, Sortieranlagen und Ladebuchten sollen automatisch registrieren, wo sich ein Paket befindet.

Für Kunden soll das mehrere Vorteile bringen:

  • automatische Bestätigung übernommener Pakete (bei Großkunden)
  • mehr Zwischenstatusmeldungen im Tracking
  • schnellere Reaktion auf Störungen im Transportnetz
  • weniger Fehlverladungen

Wie zentral die Technologie für UPS ist, zeigt ein Interview mit Digitalchef Bala Subramanian aus dem Jahr 2024. Darin beschreibt er die Vision eines Logistiknetzwerks, das ähnlich flexibel funktioniert wie das Internet:

"Wie schaffe ich es, dass ein Logistiknetzwerk so atmet wie das Internet? Jedes Paket könnte auf einem optimalen Weg geroutet werden, und das Netzwerk selbst könnte optimal sein. Genau das versuchen wir mit dem 'Netzwerk der Zukunft' umzusetzen: Wir bringen Anpassungsfähigkeit in das Netzwerk. Denn wir können das Netzwerk zwar vergrößern, aber man muss oft auch an das Schrumpfen denken. Man will die Kirche schließlich nicht (nur) für Ostern bauen."

Subramanian vergleicht das Routing im Internet mit dem physischen Transport von Paketen. In Datennetzen entscheidet jeder Router in Millisekunden, welchen Weg ein Datenpaket nehmen soll. Ist eine Leitung überlastet, wird automatisch eine andere Route gewählt. Ähnlich flexibel soll künftig auch das UPS-Netzwerk auf Störungen, Wetter oder Nachfragespitzen reagieren können.

Die Dimension des Projekts ist enorm. UPS bewegt weltweit rund 20 Millionen Pakete pro Tag. RFID könnte einen großen Teil dieser Sendungen automatisch erfassen. Intern bezeichnet der Konzern diese Strategie als "Network of the Future".

Ein zentrales Projekt darin heißt Smart Package Smart Facility. Dabei sollen Pakete zu sogenannten "intelligenten Paketen" werden, die ihre Position automatisch melden. Das System erfasst jedes Paket automatisch, sobald es sich durch eine Anlage bewegt oder in ein Zustellfahrzeug geladen wird.

Ein Nebeneffekt: Laut UPS konnten Fehlverladungen (also Pakete im falschen Zustellfahrzeug) um 67 Prozent reduziert werden (Quelle).

Die Größenordnung der Automatisierung ist beeindruckend. In einem typischen UPS-Sortierzentrum verlaufen Förderbänder mit einer Gesamtlänge von über 150 Meilen (240 Kilometer). Durch RFID entfällt ein Teil der manuellen Scans. Branchenberichten zufolge konnte UPS bereits bis zu 20 Millionen Barcode-Scans pro Tag einsparen.

Langfristig denkt UPS sogar noch weiter. RFID-Labels könnten künftig mehr Informationen enthalten als nur eine Paketnummer. Subramanian erklärte im Interview, dass UPS darüber nachdenkt, auch Informationen über den Paketinhalt im RFID-Chip zu speichern:

"Wenn etwas zerbrechlich ist, könnte das Paket vielleicht schonender behandelt werden als etwas, das unzerbrechlich ist. Das wäre ein Gamechanger für unsere Kunden."



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Erstes RFID-Label in Deutschland gesichtet

Dass UPS bereits RFID-fähige Versandetiketten nutzt, zeigt auch ein Foto, das ein Paketda-Leser Ende 2025 zur Verfügung stellte. Auf dem Label ist im Gegenlicht eine Antennenstruktur zu erkennen; ein typisches Merkmal von RFID-Etiketten. Die Antennen sind in das Etikett integriert und ermöglichen es, den Funkchip kontaktlos auszulesen. Das Label stammt von einem deutschen Paket.

© Paketda-Leser Max
RFID-Label von UPS Deutschland

Auch die Deutsche Post hatte zwischen 2015 und 2020 RFID-Label im Angebot (Paketda berichtete). Unter dem Produktnamen "Ländernachweis" versprach der Konzern automatische Tracking-Ereignisse, sobald Sendungen die Verladetore internationaler Logistikzentren passieren.

In der Praxis funktionierte das System jedoch nicht zuverlässig. Ein Deutsche-Post-Manager räumte 2019 ein, dass Probleme auftreten können, wenn "RFID-Tags [mehrerer Sendungen] nahe beieinander liegen und sich gegenseitig stören. Dies wirkt sich auf die Lesegeschwindigkeit aus und ist ein schwer zu lösendes Problem."

Bei UPS dürfte dieses Problem deutlich geringer ausfallen. Pakete werden - anders als Briefe - i.d.R. nicht in Sammelsäcken transportiert, sondern meist einzeln über Förderbänder transportiert. Dadurch lassen sich RFID-Tags einfacher und zuverlässiger auslesen.

UPS scheint derzeit der einzige große Paketdienst zu sein, der RFID in dieser Größenordnung einführt. Sollten sich die erwarteten Effizienzgewinne bestätigen, könnte sich daraus ein erheblicher Kosten- und Effizienzvorteil gegenüber Wettbewerbern ergeben.

RFID-Lesegeräte in einem internationalen Postzentrum


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