Keine Stammbezirke mehr? DPVKOM verärgert über Deutsche Post

Die Gewerkschaft DPVKOM hat ein Flugblatt herausgegeben (siehe unten), um Stimmung gegen ein neues Arbeitsmodell bei der Deutschen Post AG zu machen. Offenbar beabsichtigt die Post, Zustellbezirke je nach Sendungsaufkommen flexibel zu vergrößern oder zu verkleinern.

Zusteller sollen ihre gewohnten Dienstzeiten behalten, aber täglich eine anders zugeschnittene Tour bekommen. Der Zuschnitt basiert laut Gewerkschaft auf Mengenprognosen, die einen Rückgang der Sendungsmengen unterstellen. DPVKOM kritisiert, dass sinkende Mengen angenommen werden, obwohl "im Zeitalter der modernen realen Verkehrsmengenermittlung" auch verlässlichere, aktuelle Daten zur Verfügung stünden.

DPVKOM schießt außerdem gegen einen "gewerkschaftlichen Mitbewerber", womit wahrscheinlich Verdi gemeint ist. Angeblich könnten "dessen Betriebsräte mit diesem neuen Konzept auch ganz gut leben. So wurden hierzu bereits Vereinbarungen auf betrieblicher Ebene getroffen, die dieses Zustellkonzept beinhalten und in die betriebliche Praxis einführen."

Das neue Konzept basiert auf einem neuen Planungssystem namens Flexi-Tool 33. DPVKOM befürchtet durch das neue Zustellkonzept die Abschaffung des Stammzustellerprinzips und den Wegfall von Zeitzuschlägen. Außerdem seien Stammzusteller bei Kunden beliebt und würden neue Mitarbeiter in den Bezirk einweisen. All das dürfe "nicht der Flexibilisierung zum Opfer fallen".

Als "Respektlosigkeit sondergleichen" beurteilt DPVKOM "eine Grafik eines Zustellers mit Scheuklappen", die in einer Arbeitgeberunterlage abgebildet sei. "Ein komplett flexibler Zusteller im Sinne des Towers ist eine utopische Vorstellung", so DPVKOM. Mit Tower ist die Konzernleitung in Bonn gemeint.




Nachtrag vom 09.02.2022

Aytac Isik, Verbundzusteller in Hagen, äußert sich auf der Website von Deutsche Post DHL lobend über die Arbeit als Stammzusteller:

"Das Allerschönste ist, dass ich als Stammzusteller von meinen Kunden immer freudig erwartet werde. Bin ich mal im Urlaub oder krank, werde ich gleich vermisst und bei meiner Wiederkehr herzlich und sogar freundschaftlich empfangen. Das gibt mir Motivation für den ganzen Tag, auch bei schlechtem Wetter.

Viele Kunden kenne ich seit Jahren. Wir schreiben uns sogar Postkarten! Das Highlight des Tages sind vor allem die Kinder auf meiner Tour, weil ich weiß, dass sie auf mich warten und es manchmal vor Aufregung kaum aushalten."


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