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Zeitungsbericht: DHL-Aushilfen mit falschen Versprechen gelockt


Die taz.de kritisiert den Umgang mit und die Unterbringung von Aushilfskräften bei Deutsche Post DHL. Laut dem Artikel werde Bewerbern Hoffnung gemacht, langfristig im Unternehmen bleiben zu können. Doch das treffe nur auf wenige zu, da viele nach dem Weihnachtsgeschäft wieder entlassen werden.

Laut TAZ wirbt die Firma Excellence Solutions Germany ESG GmbH im Ausland Arbeitskräfte für die Deutsche Post an. Eine brasilianische Mitarbeiterin, die in Portugal lebt, begann ihren Job als Paketzustellerin im Juli. "Man habe ihr in Aussicht gestellt, dass sie langfristig dort arbeiten könne, wenn sie gute Arbeit leisten würde", heißt es im Zeitungsartikel. Doch laut DHL war ihre Arbeit unzureichend, sodass ihr mit einer Zweiwochenfrist zum 13. Januar 2025 gekündigt wurde.

Gegenüber der TAZ stellt ein DHL-Pressesprecher die Situation als Einzelfall dar. Normalerweise werden "Kolleginnen und Kollegen, die für das Weihnachtsgeschäft eingestellt werden, darüber hinaus weiterbeschäftigt". Diese Aussage ist jedoch fragwürdig, weil Deutsche Post und DHL jedes Jahr etwa 10.000 Aushilfskräfte für die Weihnachtszeit einstellen, ohne den Mitarbeiterstamm im Geschäftsbereich Post & Paket Deutschland langfristig zu erhöhen. Nach der Hochsaison müssen die Aushilfskräfte also wieder entlassen werden.

Zusätzlich wird die Unterbringung der Mitarbeiter im Hostel "Letzter Heller" in Hamburg-Billstedt kritisiert. Das Hostel hat auf Plattformen wie Google und Tripadvisor durchweg schlechte Bewertungen erhalten. Ein Nutzer kommentierte kürzlich: "Selbst für Geld würde ich hier nicht mehr übernachten." Der Betriebsratsvorsitzende der Deutschen Post Niederlassung Betrieb Hamburg bestätigt, dass es mehrere Beschwerden von Mitarbeitern über das Hostel gebe.

Laut TAZ trägt DHL die Hälfte der Unterbringungskosten. Die Brasilianerin muss seit ihrer Kündigung die vollen Kosten allein aufbringen: 705 Euro pro Monat für ein Bett im Dreibettzimmer.



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Wie bei Erntehelfern: Deutsche Post DHL braucht mehr ausländische Saisonkräfte

So berichtete Paketda zuvor

In einer Zeitschrift, die die Deutsche Post im November 2022 an politische Entscheider verteilte, forderte Post-Lobbyist Volker Ratzmann "die Absenkung bürokratischer Hürden", um leichter Personal zu gewinnen.

"Ohne die Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland würden die für den Starkverkehr erforderlichen Zahlen schon lange nicht erreicht.", schreibt die Post in ihrer hauseigenen Lobbyzeitschrift.

Nicht nur in der Vorweihnachtszeit setzt die Post Aushilfen ein, sondern auch während der Urlaubssaison im Sommer. In den PLZ-Gebieten 64 und 65 unterstützen dann z.B. Studenten aus Polen (siehe unten).

Nach Meinung der Deutschen Post wird die Ferienbeschäftigung ausländischer Schüler und Studierender "in Teilen sehr restriktiv gehandhabt." Der Konzern wünscht sich geänderte Verordnungen, ohne jedoch Details zu nennen.

Nikola Hagleitner, im Post-Vorstand zuständig für Post & Paket Deutschland, plädiert für eine Anerkennung als Saisongeschäft. Denn Deutsche Post DHL habe "absolute Hochphasen vor allem an Weihnachten, aber auch an Ostern". Hagleitner weiter: "Es wäre sehr hilfreich, wenn wir das Recht eingeräumt bekämen, Saisonkräfte einstellen zu können, so wie es etwa in der Landwirtschaft oder Sägewerken üblich ist."

Saisonkräfte dürfen auch aus Nicht-EU-Ländern angeworben werden, und für die Lohnsteuer gilt i.d.R. ein günstiger Pauschsteuersatz von 5 Prozent.

Nikola Hagleitner dringt außerdem auf "eine verlässliche Visavergabe im Rahmen der Westbalkanregelung". Hierbei prüft die Arbeitsagentur im Einzelfall die Erteilung einer Arbeitserlaubnis für Bürger aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Republik Nordmazedonien, Montenegro und Serbien. Voraussetzung ist u.a., dass der Antragsteller eine verbindliche Arbeitsplatzzusage aus Deutschland hat, also z.B. von der Deutschen Post.

Update vom Juli 2024: Die Westbalkanregelung wurde entfristet und das Kontingent auf 50.000 Arbeitskräfte pro Jahr erhöht (Quelle).

Aktuell gelinge es der Deutschen Post DHL noch, "aufgrund ihrer guten Positionierung als bester Arbeitgeber der Branche und intensiver Rekrutierungsbemühungen", die meisten Stellen zu besetzen, heißt es in der Lobbyzeitschrift. Aufgrund der demografischen Entwicklung werde das Recruiting von Aushilfskräften aber zunehmend schwieriger.

Die Deutsche Post sieht deshalb Handlungsbedarf auf Seiten der Politik, um die regulativen Rahmenbedingungen zu verbessern. Das gelte nicht nur für die Post, sondern auch für viele andere Branchen, die unter Personalmangel leiden, wie z.B. Gastronomie und Handwerk.

Nikola Hagleitner



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Österreichische Post benötigt ebenfalls mehr Arbeitskräfte

Nachtrag vom Januar 2023: Der Chef der Österreichischen Post AG, Georg Pölzl, befürwortet eine "geordnete Zuwanderung" sowie einen späteren Renteneintritt. Das Regel-Pensionsalter in Österreich beträgt für Männer 65 Jahre und für Frauen 60 Jahre. Angesichts des allgemeinen Arbeitskräftemangels braucht die Österreichische Post mehr Mitarbeiter.

Quelle: kleinezeitung.at



Deutsche Post wirbt Aushilfen in Polen an

So berichtete Paketda im August 2022

Auf dem Nachrichtenportal frankfurt-live.com berichtet ein stellvertretender Standortleiter von Deutsche Post DHL, wie er jährlich mithilft, für den Sommer genügend Aushilfskräfte für die Postleitzahlregionen 64 und 65 zu finden.

Dafür werden Studenten polnischer Universitäten rekrutiert, die Deutschkenntnisse und einen Führerschein besitzen müssen. Vor Corona fanden die Bewerbungsgespräche direkt in Polen statt. 2016 wurden ca. 150 Aushilfen eingestellt. Während der Pandemie wurden die Vor-Ort-Gespräche abgesagt und die Bewerbungen online bearbeitet. In 2022 wurden 40 polnische Studierende für Wiesbaden und Frankfurt eingestellt. Vielen von ihnen macht die Arbeit Spaß, so dass sie in den Folgejahren im Sommer wieder zur Deutschen Post kommen.


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