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Gewerkschaft vida kritisiert Sonntagszustellung der Österreichischen Post

© Post.at, Christian Stemper
Zustellerin der Österreichischen Post

Nach dem angekündigten Ausbau der Sonntagszustellung durch die Österreichische Post in Wien, Graz und Linz regt sich zunehmend gewerkschaftlicher Widerstand. Die Gewerkschaft vida stellt nicht nur die grundsätzliche Notwendigkeit von Paketlieferungen an Sonn- und Feiertagen in Frage, sondern prangert insbesondere die Arbeitsbedingungen bei Subunternehmen der Post an.

Markus Petritsch, Vorsitzender des Fachbereichs Straße, fordert, dass die Österreichische Post AG Verantwortung für die Arbeitsbedingungen von Zustellern übernimmt. Unabhängig davon, ob die Zusteller bei Subunternehmen oder bei der Post angestellt sind.

Brisant ist zudem die Kritik von vida, dass ein staatlich kontrolliertes Unternehmen durch die Sonntagszustellung den stationären Handel unter Druck setze. Laut Gewerkschaft überschreitet die Post damit ihren gesetzlichen Auftrag. Unklar sei außerdem, ob die eingesetzten Kleintransporteure überhaupt rechtskonform am Sonntag beschäftigt werden, da der entsprechende Kollektivvertrag keine Sonntagsarbeit vorsehe. Die Debatte um die Sonntagszustellung in Österreich dürfte damit weiter an Schärfe gewinnen. Auch die Fraktion Christlicher Gewerkschafter:innen (FCG) hat sich bereits gegen das Projekt ausgesprochen (siehe unten).

Laut ORF-Bericht (YouTube) ist Amazon einer der ersten Versenderkunden für die Sonntagszustellung. Die Mehrkosten trägt Amazon selbst, ohne damit die Endkunden zu belasten.



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Pilotprojekt erfolgreich: Österreichische Post weitet Sonntagszustellung aus

So berichtete Paketda im April 2025

Die Österreichische Post AG weitet ihre im Oktober 2024 gestartete Sonntagszustellung in Wien deutlich aus. Ab Ende April 2025 werden neun zusätzliche Bezirke beliefert, darunter Ottakring, Hernals, Döbling und Donaustadt. Die restlichen Wiener Gemeindebezirke sollen im Laufe des Frühsommers folgen. Zustellt werden sonntags ausschließlich Pakete von Premium-Versendern, das sind Online-Shops, die für die Zusatzleistung bezahlen.

Die Post setzt für die Sonntagszustellung eigenes Personal ein und will sich bewusst gegen den Branchentrend zur Fremdvergabe positionieren. Alle Zusteller erhalten einen Sonntagszuschlag, wie in Österreich tariflich vorgesehen. Laut Österreichischer Post verlief die Pilotphase bislang erfolgreich; sowohl Versender als auch Empfänger hätten das neue Angebot positiv bewertet.

Während das Unternehmen die Sonntagszustellung als Service-Innovation und Jobmotor in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verkauft, regt sich Widerstand von gewerkschaftlicher Seite. Die Fraktion Christlicher Gewerkschafter:innen (FCG) in der GPA-Gewerkschaft warnt vor einer Aushöhlung des arbeitsfreien Sonntags. "Eine Ausdehnung der täglichen Arbeitszeit oder der Sonntagsarbeit wird es mit uns nicht geben", betont Markus Hiesberger, Bundesgeschäftsführer der FCG/GPA.

Die Gewerkschaft erachtet den freien Sonntag als wichtig für eine planbare Erholungszeit, "für die Gesundheit der Menschen, für die Familien und die Freizeitgestaltung".

Im Vergleich zu Österreich ist die Gesetzeslage in Deutschland deutlich restriktiver. Seit Jahren scheitern Paketdienste immer mal wieder mit Anträgen auf Ausnahmeregelungen für Sonntagsarbeit. 2020 urteilte das Verwaltungsgericht Berlin, dass das Beschäftigungsverbot an Sonn- und Feiertagen auch in der Pandemie nicht aufgeweicht werden dürfe. Die Antragsteller hätten nicht nachweisen können, dass ihnen sonst "unzumutbare Nachteile" entstehen.

Strikt gehandhabt werden auch Öffnungszeiten von Paketshops. Im Februar 2022 wurde ein Fall bekannt, bei dem eine Tankstelle in Hessen sonntags zwar öffnen durfte, jedoch ohne Paketservices von Hermes (Paketda berichtete).


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