Nordrhein-Westfalens groß angelegte Arbeitsschutzkontrolle hat eine brisante Schwachstelle offengelegt: 39 Subunternehmer erhielten trotz vorhandener PQ-KEP-Zertifizierung nur eine gelbe oder sogar rote Bewertung.
Das bedeutet: Auf dem Papier anständige Betriebe zeigten in der Praxis verbesserungswürdige bis mangelhafte Kontrollergebnisse im Arbeitsschutz. Insgesamt kontrollierte das NRW-Arbeitsministerium 57 Subunternehmen, davon 53 zertifizierte. Die Ergebnisse nach dem Ampelsystem:
- 59% rot: gravierende Mängel
- 35% gelb: deutlicher Verbesserungsbedarf
- 6% grün: keine relevanten Mängel
Dass 39 der beanstandeten Unternehmen zuvor das PQ-KEP-Gütesiegel erhielten, ist sehr heikel, denn genau dieses Zertifikat sollte eigentlich belegen, dass Subunternehmer sauber arbeiten.
Als das Paketboten-Schutz-Gesetz im Jahr 2019 verabschiedet wurde, enthielt es eine zentrale Ausnahmeregelung: Paketdienste haften nicht für Rechtsverstöße ihrer Subunternehmer, wenn diese eine externe Präqualifizierung (PQ-KEP) bestanden haben.
Der Branchenverband BPEX lobte damals das Verfahren als ein Instrument, "das die hohen Qualitätsstandards der Paketbranche bestätigt und transparent macht". Zertifizierte Subunternehmer verpflichten sich u.a. zur Einhaltung des Mindestlohns, vollständigen Meldungen nach Arbeits- und Sozialrecht sowie zur "Einhaltung sämtlicher weiterer für [das] Unternehmen geltenden Rechtsvorschriften".
Doch die aktuelle NRW-Kontrolle zeigt, dass die Zertifizierung wenig darüber aussagt, ob die Vorgaben im Alltag tatsächlich umgesetzt werden. Viele Subunternehmer halten offenbar am Schreibtisch mehr Regeln ein als auf der letzten Meile.
Kontrollergebnisse im Detail
Ergebnis der Betriebsbesichtigung mit Systembewertung bei den kontrollierten Subunternehmen nach Vorliegen einer Präqualifizierung (n=53), LÜA KEP 2025, Datengrundlage 29.08.2025
| Ergebnis | ohne PQ-KEP | mit PQ-KEP | n |
|---|---|---|---|
| rot | 7 | 25 | 32 |
| gelb | 4 | 14 | 18 |
| grün | 0 | 3 | 3 |
| gesamt | 11 | 42 | 53 |