
Eine vom NRW-Arbeitsministerium durchgeführte Kontrollaktion in der Paketbranche zeigt: Mehr als die Hälfte der geprüften Subunternehmen verstößt massiv gegen grundlegende Arbeitsschutzvorgaben. Zwischen Mai und August 2025 kontrollierte die Arbeitsschutzverwaltung 57 Betriebe in der KEP-Branche und befragte 225 Zustellerinnen und Zusteller.
Von den ausgewerteten 54 Subunternehmen hatten:
- 59 Prozent gravierende Mängel
- 35 Prozent mittelschwere Defizite
- 6 Prozent bestanden die Prüfung ohne relevante Beanstandungen
Besonders häufig fehlten gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilungen und Arbeitsschutzunterweisungen. Tätigkeiten wie Tanken, Be- und Entladen oder Fahrzeugpflege wurden bei vielen Firmen nicht als Arbeitszeit erfasst, obwohl sie zwingend mitzuzählen sind. Teilweise erfolgte überhaupt keine Arbeitszeiterfassung. Ebenfalls bemängelt: fehlende Sackkarren, nicht bereitgestellte oder nicht genutzte Schutzausrüstung (Handschuhe, Sicherheitsschuhe, Witterungsschutz). Sechs Zusteller hatten sich privat eine Sackkarre gekauft.
NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann nahm die Ergebnisse zum Anlass, seine langjährigen Kernforderungen zu erneuern: ein Verbot von Werkverträgen in der Branche sowie eine digitale, manipulationssichere Arbeitszeitaufzeichnung. Die Kontrollen hätten gezeigt, dass in vielen Subunternehmen zwar Handscanner vorhanden sind, diese aber fast nie zur Arbeitszeitaufzeichnung genutzt werden. Laumann wörtlich: "Unsere Kontrolle hat gezeigt, dass sowohl die Technik als auch der Bedarf für eine digitale manipulationssichere Arbeitszeitaufzeichnung da sind."
Laumann hatte sich bereits 2023 ähnlich geäußert. Damals sagte er gegenüber noz.de, ein Werkvertragsverbot sei unerlässlich, um für Zusteller bessere Bedingungen zu schaffen. Arbeits- und sozialrechtswidriges Verhalten dürfe man nicht dulden. 2024 und 2025 wiederholte Laumann seine Forderung. Fraglich ist jedoch, ob er damit Gehör finden wird.
Auffällig: Der Zoll kontrollierte dieses Jahr nicht
Bemerkenswert: Im Herbst 2025 blieben die sonst üblichen bundesweiten Zollkontrollen in der KEP-Branche aus. In den Vorjahren 2023 und 2024 hatte der Zoll jeweils im Oktober oder November groß angelegte Prüfaktionen durchgeführt, oft mit Hunderten Beamten und teils schweren Verdachtsfällen; 2023 sogar im Bereich organisierter Kriminalität.
Vielleicht folgt im Dezember 2025 noch eine Kontrollaktion. Falls nicht, wäre NRW in diesem Jahr das einzige Bundesland, das die Post- und Paketbranche in größerem Umfang kontrolliert hat.