Keine Streiks mehr! Verdi einigt sich mit Deutsche Post und DHL

Bis Ende 2022 müssen Verbraucher keine Poststreiks mehr befürchten. Denn bis 31.12.2022 läuft der jetzt ausgehandelte Tarifvertrag zwischen der Gewerkschaft Verdi und Deutsche Post DHL (Quelle). Die Vereinbarung umfasst folgende Kernpunkte:

  • Lohnsteigerung um 3,0 Prozent ab 1. Januar 2021
  • Weitere Steigerung um 2,0 Prozent ab 1. Januar 2022
  • Azubivergütung steigt um monatlich 50 Euro zum 1.1.2021 und um 40 Euro zum 1.1.2022
  • Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 31.12.2023
  • Keine Fremdvergabe in der Brief- und Verbundzustellung bis 31.12.2023

Ursprünglich hatte Deutsche Post DHL nur eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent über 12 Monate angeboten. Verdi forderte eine Erhöhung um 5,5 Prozent. Die jetzt ausgehandelte 5-prozentige Lohnerhöhung in zwei Stufen kann als voller Erfolg für die Gewerkschaft gewertet werden.

Dass Deutsche Post DHL das ursprüngliche Angebot so schnell auf 5 Prozent erhöht hat, deutet darauf hin, dass die 1,5-prozentige Lohnerhöhung sowieso nicht ernst gemeint war. Hätte die Post von Anfang an 5 Prozent mehr Lohn angeboten, wäre es zu keinen Streiks gekommen, weil die Differenz zur Verdi-Forderung nur mickrige 0,5 Prozent beträgt.

Von den Tarifverhandlungen der Post mit der Gewerkschaft DPVKOM gibt es noch keine Neuigkeiten. DPVKOM vertritt hauptsächlich die Interessen von Briefzustellern (Quelle). Im Vergleich zu Verdi gilt die DPVKOM als kleine Gewerkschaft. Sie fordert für die von ihnen vertretenen Arbeitnehmer 6 Prozent mehr Lohn und eine "monatliche Mindesterhöhung von 140 Euro für untere Einkommensgrup­pen".


So berichtete Paketda im August 2020

Tarifverhandlungen zwischen Deutscher Post und Verdi beginnen Ende August 2020

Im April 2018 wurde der letzte Tarifvertrag zwischen Deutscher Post und der Gewerkschaft Verdi abgeschlossen. Damals wurden Lohnerhöhungen von 3,0 und 2,1 Prozent für eine Laufzeit bis zum 31. Mai 2020 vereinbart. Der Tarifvertrag kam ohne großflächige Streiks zustande, lediglich regionale Arbeitsniederlegungen wie z.B. in Berlin kamen damals vor.

Wegen Corona hat Verdi den Tarifvertrag mit der Deutschen Post nicht zum 31. Mai 2020 gekündigt sondern erst zum 31. August 2020. Theoretisch könnte Verdi seine Mitglieder ab 1. September 2020 zu Streiks aufrufen. Davon ist aber nicht auszugehen, weil noch gar keine Verhandlungen mit der Deutschen Post laufen. Die beginnen laut Verkehrsrundschau erst am 28. August.

Im Verdi-Mitgliedermagazin erklärte die stellvetretende Bundesvorsitzende Andrea Kocsis mit Blick auf die Coronakrise, dass Paketzusteller jetzt mehr Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren würden. "Aber es darf nicht bei der Dankbarkeit bleiben. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass sich diese Wertschätzung auch in guten Einkommens- und Arbeitsbedingungen widerspiegelt.", so Kocsis.

In der Verkehrsrundschau wird Kocsis mit den Worten zitiert, dass die Verdi-Mitglieder "eine deutliche und nachhaltige Tariferhöhung" erwarten, weil die Mitarbeiter wegen Corona deutlich mehr zu tun hätten und die Deutsche Post AG außerdem mehr Geld verdiene. Für den neuen Tarifvertrag wünscht sich Verdi nur eine Laufzeit von einem Jahr. Das ist ungewöhnlich kurz.

Im März 2019 schlossen Deutsche Post und Verdi übrigens einen sogenannten Zukunftsvertrag (Paketda berichtete). Dieser beinhaltet u.a. die Auflösung von DHL-Delivery-Tochterfirmen, einen Kündigungsschutz für alle Tarifangestellten bis zum 31.12.2022 sowie ein Verbot der Auftragsvergabe an Subunternehmer in der Brief- und Verbundzustellung bis Ende 2020.

Postmitarbeiter bei einer Verdi-Demonstration in Hamburg


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