Wohl keine Poststreiks in den nächsten 2 Wochen

Die Gewerkschaft Ver.di hat angekündigt, ihre Mitglieder bis zur nächsten Verhandlungsrunde "voraussichtlich" nicht zum Streik aufzurufen (Quelle). Die Verhandlungen finden am 8. und 9. Februar in Düsseldorf statt.

Allerdings gibt es auch abweichende Meldungen. So schreibt Ver.di Hamburg, dass "weitere Aktivitäten (...) im Vorfeld der dritten Verhandlungsrunde" folgen.

Wie dem auch sei: In der zweiten Februarwoche ist wieder mit Poststreiks zu rechnen. Entweder vor oder nach den Tarifverhandlungen. Eine Einigung zwischen Deutscher Post AG und Ver.di ist bislang nicht absehbar. Die von Ver.di geforderte Lohnsteigerung in Höhe von 15 Prozent ist laut Aussage der Deutschen Post nicht finanzierbar.

Anfang 2022 stieg das Briefporto in Deutschland um 4,6 Prozent. Die nächste Portoerhöhung folgt erst am 1.1.2025. Bis dahin muss die Deutsche Post im Briefbereich mit 4,6 Prozent mehr Geld auskommen. Davon müssen neben höheren Löhnen auch teurere Spritpreise bezahlt werden.

Je höher der Tarifabschluss, desto deutlicher wird das Porto für einen Standardbrief ab 2025 die 1-Euro-Grenze überschreiten. Paketda hat es schon ausgerechnet.



Postmitarbeiter bei einer Verdi-Demonstration in Hamburg

Verdi fordert 15% mehr Lohn. Deutsche Post DHL lehnt ab.

Die Gewerkschaft Ver.di fordert 15% Lohnerhöhung sowie 200 Euro mehr für Azubis und Dual Studierende.

Die Deutsche Post AG hofft "auf eine Einigung, die auf das erklärte Ziel einzahlt, bester Arbeitgeber der Branche zu sein, dabei aber Freiraum für Investitionen zulässt und angemessene strukturelle Maßnahmen erlaubt, um flexibel zum Beispiel auf Schwankungen der Sendungsmengen reagieren zu können."

Die Deutsche Post teilte schon Ende 2021 mit, dass ihre Mitarbeiter mit keinem starken Lohnzuwachs rechnen können, weil das Briefporto in Deutschland zu niedrig sei (Quelle).

Verdi argumentiert, dass die Deutsche Post AG "auf das erfolgreichste Jahr in der Konzerngeschichte mit einem operativen Ergebnis von 8,4 Milliarden Euro zusteuert". Dieses Geld wird aber nicht allein von Mitarbeitern in Deutschland erwirtschaftet (um die es beim aktuellen Tarifvertrag geht).

Im Jahr 2021 wurde der Gesamtgewinn der Post "nur" zu 22% im Geschäftsbereich "Post & Paket Deutschland" erwirtschaftet. Der Rest kam hauptsächlich aus dem internationalen Geschäft von DHL Express und DHL Freight.

Die alternative Gewerkschaft DPVKOM fordert in den Tarifverhandlungen 12% mehr Lohn. Zusätzlich soll jede/r Mitarbeiter/in von der Post 3.000 Euro steuerfreie Inflationsausgleichsprämie erhalten.

Übrigens: Der einmonatige Poststreik 2015 verursachte bei der Deutschen Post Kosten bzw. Mindereinnahmen in Höhe von 100 Millionen Euro (Quelle: Tagesspiegel).



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September 2020: Verdi einigt sich mit Deutsche Post DHL

So berichtete Paketda im September 2020

Bis 31.12.2022 müssen Verbraucher keine Poststreiks mehr befürchten. Denn bis dahin läuft der jetzt ausgehandelte Tarifvertrag zwischen der Gewerkschaft Verdi und Deutsche Post DHL (Quelle). Die Vereinbarung umfasst folgende Kernpunkte:

  • Lohnsteigerung um 3,0 Prozent ab 1. Januar 2021
  • Weitere Steigerung um 2,0 Prozent ab 1. Januar 2022
  • Azubivergütung steigt um monatlich 50 Euro zum 1.1.2021 und um 40 Euro zum 1.1.2022
  • Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 31.12.2023
  • Keine Fremdvergabe in der Brief- und Verbundzustellung bis 31.12.2023

Ursprünglich hatte Deutsche Post DHL nur eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent über 12 Monate angeboten. Verdi forderte eine Erhöhung um 5,5 Prozent. Die jetzt ausgehandelte 5-prozentige Lohnerhöhung in zwei Stufen kann als voller Erfolg für die Gewerkschaft gewertet werden.

Dass Deutsche Post DHL das ursprüngliche Angebot so schnell auf 5 Prozent erhöht hat, deutet darauf hin, dass die 1,5-prozentige Lohnerhöhung sowieso nicht ernst gemeint war. Hätte die Post von Anfang an 5 Prozent mehr Lohn angeboten, wäre es zu keinen Streiks gekommen, weil die Differenz zur Verdi-Forderung nur mickrige 0,5 Prozent beträgt.


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