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Vertrauenskrise bei Verdi? Mehrheit der Mitglieder lehnt Tarifvertrag ab

Facebook / Verdi PSL NRW
Facebook-Kommentare zum Tarifabschluss

Eine Mehrheit der Verdi-Mitglieder hat den neuen Tarifvertrag mit der Deutschen Post abgelehnt: 54 Prozent stimmten gegen das Verhandlungsergebnis, nur 46 Prozent dafür. Dennoch hat die Verdi-Tarifkommission beschlossen, den Abschluss anzunehmen.

Als Begründung nennt Verdi die fehlende Streikbasis. Für einen unbefristeten Streik hätte laut Satzung eine Urabstimmung mit mindestens 75 Prozent Ablehnung des Angebots erfolgen müssen - dieses Quorum wurde verfehlt.

Bereits beim letzten Tarifabschluss im Jahr 2023 war die Zustimmung mit 61,7 Prozent nicht besonders stark. Viele Verdi-Mitglieder akzeptierten den Vertrag nur widerwillig. Damals war in sozialen Netzwerken von einem "Kasperleverein" die Rede, der sich von der Arbeitgeberseite "über den Tisch ziehen" lasse. Zwei Jahre später sind Tonlage und Stimmung ähnlich, doch das Votum fällt nun sogar mehrheitlich negativ aus. Die Kritik richtet sich zunehmend gegen die Verdi-Verhandlungsführung selbst.

Verdi war mit der Forderung nach 7 Prozent mehr Gehalt, drei zusätzlichen Urlaubstagen sowie einem Extra-Urlaubstag für Verdi-Mitglieder in die Verhandlungen gestartet bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Die tatsächliche Einigung sieht deutlich bescheidener aus:

  • +2 % Lohnerhöhung ab April 2025 und +3 % ab April 2026
  • Zwei zusätzliche Urlaubstage (für alle Beschäftigten)
  • Ein weiterer Urlaubstag ab 16 Jahren Betriebszugehörigkeit
  • Laufzeit: 24 Monate

Gerade die Kombination aus langer Laufzeit und vergleichsweise geringen Lohnsteigerungen sorgt für Unmut. Angesichts anhaltender Inflation und steigender Arbeitsbelastung hatten viele Beschäftigte mehr erwartet. In sozialen Netzwerken mehren sich Stimmen, die Verdi vorwerfen, zu schnell nachgegeben zu haben.

© ver.di / Kay Herschelmann
Verdi-Vizechefin Andrea Kocsis

Verdi-Vizechefin Andrea Kocsis verteidigte das Verhandlungsergebnis:

"Der Tarifabschluss stellt sicher, dass die Einkommen der Arbeitnehmer*innen mit den stark gestiegenen Lebenshaltungskosten Schritt halten. Mit den zusätzlichen Urlaubstagen musste auf die hohen Belastungen und den überproportional hohen Krankenstand reagiert werden."

Doch solche Argumente scheinen die Kritiker an der Basis nicht zu beschwichtigen. Der Gewerkschaft wird vorgeworfen, zu kompromissbereit aufzutreten und das Streikpotenzial der Belegschaft nicht konsequent genutzt zu haben. Sollte sich der Eindruck verfestigen, dass Verdi nicht mehr entschlossen genug für die Interessen der Beschäftigten kämpft, droht der Gewerkschaft eine schleichende Entfremdung von ihrer eigenen Mitgliedschaft.

Davon profitieren möchte die kleinere Konkurrenzgewerkschaft DPVKOM. Sie erklärte öffentlich: "Das ist nicht unser Tarifergebnis" und wirbt offensiv um neue Mitglieder. Verdi ignoriere die Interessen der Beschäftigten, so die Kritik. Allerdings räumt DPVKOM auch selbst ein, dass ihre aktuelle Größe und die geringe Streikbereitschaft vieler Mitglieder noch zu wenig Einfluss erzeugen. Immerhin: Den ursprünglich geplanten Extra-Urlaubstag nur für Verdi-Mitglieder habe DPVKOM eigenen Angaben zufolge verhindern können.


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