Die Tricks der Paketbetrüger

Paketbetrüger haut mit Paket ab
Der Zahlungsdienst Ratepay.com wickelt für Onlineshops Ratenzahlungen und Bestellungen auf Rechnung ab. Ratepay zahlt Onlineshops sofort nach einer Bestellung den Kaufpreis aus (abzüglich einer Provision) und trägt anschließend das Risiko, dass der Endkunde die Raten bzw. die Rechnung vollständig bezahlt.

Aus diesem Grund hat Ratepay ein natürliches Interesse an einer Minimierung von Zahlungsausfällen und betrügerischen Bestellungen. Eine aus 40 Mitarbeitern bestehende Abteilung ist bei dem Unternehmen allein mit dieser Thematik beschäftigt. Das Magazin digitalkompakt.de hat ein Podcast-Interview mit Miriam Wohlfarth geführt, der Geschäftsführerin der RatePAY GmbH. Sie gewährt seltene Einblicke in die Betrugsmaschen von Paketbetrügern. Den kompletten Podcast gibt es unter www.digitalkompakt.de/podcast/betrug-fraud-finanzen-fintech-podcast/.

Laut Wohlfarth steigen die Taten des sogenannten Identitätsbetrugs seit Jahren an. Zahlungsanbieter und Onlineshops dürfen deshalb nicht mehr allein auf eine Bonitätsprüfung ihrer Kunden setzen. Diese sei praktisch unwirksam, sofern ein Kunde eine falsche Identität vorspiegelt (bei Minute 3:50 und 32:10 im Podcast).

▶ Eine Betrugsmasche von Einsteigern sei beispielsweise, Bestellungen mit falschem Vornamen und korrektem Nachnamen aufzugeben. Paketdienste würden solche Pakete häufig zustellen, der Kunde im Nachhinein jedoch behaupten, keine Lieferung erhalten zu haben. Oder der Kunde streitet die Zahlungsforderung ab mit der Behauptung "Das bin ich ja gar nicht!". Laut Miriam Wohlfarth kommen Kunden in den allerwenigsten Fällen mit dieser Masche durch. Ratepay hat alle kooperierenden Onlineshops dazu verpflichtet, im Zweifelsfall Zustellnachweise des jeweiligen Paketdienstes vorlegen zu können (Minute 4:20).

Onlineshops ärgern sich auch über Retourenbetrüger, die getragene oder beschädigte Produkte zurückschicken. Manchmal lassen Onlineshops sowas aus Kulanz durchgehen. Doch spätestens beim zweiten Mal würden solche Kunden auf eine "schwarze Liste" gesetzt und geblockt. Ein besonders krasser Fall war die Retoure eines drei Jahre lang getragenen Mantels. Und bei Zalando sei es früher mal vorgekommen, dass Kunden sich Markenschuhe bestellt und anschließend eine Retoure ausgelöst hätten. Im Retourenkarton befanden sich allerdings Fälschungen der Markenschuhe. Inzwischen sind Zalando-Mitarbeiter darin geschult, gefälschte Retouren zu erkennen (Minute 6:10).

Ratepay-Geschäftsführerin Wohlfarth geht ab Minute 11:00 im Podcast auf Identitätsdiebstahl ein. Wenn Betrüger den Namen, die Anschrift und das Geburtsdatum einer fremden Person kennen, können sie auf dessen Rechnung Waren bestellen. Befindet sich die fremde Person zum Lieferzeitpunkt nicht zu Hause, fangen Betrüger die Lieferung an der Haustür ab und verschwinden mit dem Paket (Paketda berichtete).

Laut Wohlfarth passiere Identitätsbetrug häufig unter Freunden, Bekannten oder Nachbarn. Also unter Leuten, deren persönliche Daten der Betrüger kennt. Es gibt aber auch kriminelle Profis, die sich Personendaten im Darknet kaufen und Bestellungen bevorzugt an Paketshops liefern lassen oder Pakete nachträglich umleiten. Im Darknet kostet ein geprüfter Paypal-Privataccount etwa 65 Dollar und eine Kreditkarte mit CVV-Code 15 Dollar (Minute 14:50).

▶ Was unternimmt Ratepay gegen Betrüger? Die Prüfsysteme von Ratepay untersuchen eingehende Bestellungen auf typische Betrugsmuster. Großteils geschieht das automatisch innerhalb von Sekunden. Nur in Zweifelsfällen kommen menschliche Prüfer zum Einsatz (ab Minute 28:00).

Betrugsmuster sind zum Beispiel Bestellungen zu nächtlicher Stunde, die Verwendung von Wegwerf-E-Mailadressen sowie Bestellungen mit einem ungewöhnlich hohen Warenwert. Einem hohen Betrugsrisiko unterliegen außerdem Waren bestimmter Marken, wie z.B. Apple-Produkte und Socken der Firma Falke.



▶ Was kann ich als Kunde gegen Paketbetrüger tun? Falls Sie ein Mehrfamilienhaus bewohnen, achten Sie auf überklebte Klingelschilder und Namen an Briefkästen. Betrüger kapern fremde Adressen und täuschen dort fremde Identitäten vor, um Paketlieferungen zu erhalten. Erkundigen Sie sich im Verdachtsfall beim Vermieter, ob es sich bei unbekannten Namensschildern tatsächlich um einen neuen Bewohner handelt. Im Hausflur oder an der Eingangstür herumlungernde Personen könnten ebenfalls Betrugsabsichten hegen und Paketboten abfangen.

Nehmen Sie Pakete für Nachbarn nur an, wenn Ihnen der Name des Nachbarn bekannt ist. Falls Sie in der Eile ein Paket ohne Namenskontrolle angenommen haben, und die abholende Person erscheint Ihnen unbekannt, verlangen Sie einen Ausweis. Behalten Sie die Abholkarte und notieren sich im Anschluss des Namen des Abholers, sofern er nicht auf der Karte steht.

Flugblatt der Polizei warnt vor Paketbetrügern

Die Polizei Berlin hat ein Merkblatt veröffentlicht, das Hausbewohner für Anzeichen von Paketbetrug sensibilisiert. Es kann hier unter berlin.de heruntergeladen werden.

Flugblatt gegen Paketbetrug


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