Sendungsverfolgung Menü

Niederlande: Paketdienste könnten künftig Briefe zustellen

Die Niederlande denken über einen breiteren Zustellmarkt nach, in dem auch Paketdienste Teile der Briefzustellung übernehmen könnten.

Die Niederlande wollen ihren Briefmarkt umbauen. Langfristig könnte dabei die klassische Trennung zwischen Brief- und Paketdiensten verschwinden. Die Regierung spricht von einem breiten Zustellmarkt ("brede bezorgmarkt"), in dem neben klassischen Postunternehmen auch Logistik- und Paketdienste Teile der Briefzustellung übernehmen könnten.

Hintergrund sind die sinkenden Briefmengen. Allein mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Universaldienst machte PostNL 2025 nach eigenen Angaben 35 Millionen Euro Verlust. PostNL will den verlustreichen Universaldienst inzwischen am liebsten ganz abgeben (Paketda berichtete).

Um die Briefzustellung wirtschaftlicher zu machen, müssen normale Briefe seit Juli 2026 nicht mehr binnen eines Tages, sondern innerhalb von 2 Tagen ankommen. Ab Juli 2027 soll die Frist auf 3 Tage steigen.

Besonders interessant sind Überlegungen des Wirtschaftsministeriums, andere Unternehmen im Briefmarkt zuzulassen, die bereits über Zustellnetze verfügen, z.B. Paketdienste und Werbeverteiler. Diese könnten in einzelne Postsegmente einsteigen, beispielsweise bei Einschreiben oder Express-Produkten. Auch Kooperationen mit bestehenden regionalen Briefdiensten seien denkbar.

Die niederländische Wettbewerbsbehörde ACM sieht darin ebenfalls eine mögliche langfristige Entwicklung. Kurzfristig sei der Markt allerdings stark von PostNL abhängig. Daraus ergibt sich ein weiteres Problem. Regionale Briefdienste stellen einen Teil ihrer Sendungen selbst zu, benötigen für den Rest des Landes aber das PostNL-Netz.

2025 nutzten 27 Briefdienste besondere Einspeise-Tarife von PostNL, die teilweise günstiger sind als Geschäftskunden-Konditionen. Die Briefdienste haben bislang keinen gesetzlichen Anspruch darauf, das PostNL-Netz zu nutzen. Der Anspruch beruht nur auf Fusionsauflagen aus 2019, als PostNL den Wettbewerber Sandd übernommen hat. Die entsprechenden Verträge laufen 2027 aus.

Das niederländische Parlament fordert deshalb einen stärkeren Schutz der regionalen Briefdienste. Im Mai 2026 legte die Regierung einen neuen Ansatz vor: PostNL soll gesetzlich verpflichtet bleiben, anderen Postunternehmen Zugang zu seinem landesweiten Netz zu gewähren. Die Wettbewerbsbehörde ACM soll anschließend bestimmen, welche Zugangsformen angeboten werden müssen und zu welchen Preisen.

PostNL selbst macht ebenfalls Druck auf die Politik. Die Zwei-Tage-Zustellung sei nur ein Zwischenschritt. Neben der für 2027 geplanten Drei-Tage-Frist fordert das Unternehmen unter anderem weniger Briefkästen und ein Ende der gesetzlichen Samstagszustellung für normale Universaldienst-Briefe.

Damit geht die niederländische Debatte inzwischen weit über längere Brieflaufzeiten hinaus: Langfristig stellt sich die Frage, ob für Briefe überhaupt noch ein eigenständiges flächendeckendes Zustellnetz nötig ist, oder ob Brief-, Paket- und andere Logistiknetze zunehmend zusammenwachsen.

Quellen: postnl.nl | officielebekendmakingen.nl | officielebekendmakingen.nl | acm.nl | acm.nl | officielebekendmakingen.nl


  Zuletzt aktualisiert am   |   Autor:
Anzeige

Paketda folgen bei: