Bafin rügt Erfinder von moderner Versandbox

Grafiken von Livingpackets
Das Startup Livingpackets (www.livingpackets.com) will 2021 eine Mehrweg-Versandbox auf den Markt bringen, die mit viel Technik ausgestattet ist. Die Box beinhaltet u.a. ein E-Ink-Display zur Darstellung von Paketaufklebern, Erschütterungs- und Temperatursensoren, einen GPS-Sender und eine Überwachungskamera im Inneren.

In letzter Zeit bewarb das Unternehmen seine Erfindung stark in sozialen Medien, um Privatleuten ein Investment schmackhaft zu machen. Livingpackets will 100.000 Boxen oder mehr herstellen lassen und anschließend an Nutzungsgebühren verdienen, die bei jedem Versand berechnet werden.

Weil Privatleute die Boxen mitfinanzieren sollen, hat die Finanzaufsicht Bafin das Angebot untersucht. Ergebnis: negativ. In einer Pressemitteilung schreibt die Behörde, Livingpackets habe entgegen § 6 Vermögensanlagengesetz keinen Verkaufsprospekt veröffentlicht. Laut Financefwd.com hat Livingpackets daraufhin die Crowdfunding-Kampagne in Deutschland ausgesetzt und bewirbt sie nur noch in der Schweiz (dort hat das Startup seinen Firmensitz).

Außerdem stellt sich die Frage, warum Livingpackets laut Financefwd auf Anhieb "eine sechsstellige Zahl von Boxen" produzieren will, anstatt das System erstmal im kleinen Rahmen zu erproben. So macht es beispielsweise der Wettbewerber RePack aus Finnland (Paketda berichtete).

Und man stelle sich nur mal vor, eine Livingpacket-Box wird aufgrund einer Paketumleitung oder Adresskorrektur auf dem E-Ink-Display nachgelabelt. Dann muss der Empfänger das Display erstmal freikratzen, damit es für den erneuten Versand wieder funktioniert.

Wettbewerber RePack gibt an, dass 75% seiner Mehrwegverpackungen retourniert werden. Weil Livingpackets teure Technik in die Boxen einbaut, würde schon eine kleine Anzahl nicht retournierter Boxen finanziell stark zu buche schlagen. Laut Financefwd betragen die Herstellkosten nämlich 100 bis 150 Euro.

Eine clevere und preiswertere Alternative kommt vom britischen Unternehmen Hanhaa (hanhaa.com/parcelive/). Deren Parcellive-Tracker hat ähnlich viele Sensoren wie Livingpackets, ist aber nicht fest in eine Versandbox eingebaut.

Stattdessen wird der Parcellive-Tracker klassischen Kartonpaketen beigelegt. Nach Zustellung entnimmt der Empfänger den Tracker und retourniert ihn per Briefkasten-Einwurf. Weiterer Vorteil: Der Akku von Parcellive ist von vielen Fluggesellschaften zertifziert, so dass das Gerät auch internationalen Luftfracht-Paketen beigelegt werden darf.

Parcellive Tracker von Hanhaa


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