Die litauische Post senkt zum 13. Juli 2026 viele Tarife deutlich. Nach Angaben von Lietuvos Paštas werden manche Preise um bis zu 86 Prozent günstiger. Ein Standardbrief oder eine Postkarte bis 50 Gramm innerhalb Litauens kostet künftig 1,65 Euro und damit rund 18 Prozent weniger. Auch Pakete werden billiger: Bei Sendungen bis 10 Kilogramm sinkt der rechnerische Kilopreis von 2,05 Euro auf 1,20 Euro.
Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich. Denn erst Anfang Juni hatte die litauische Regulierungsbehörde RRT mitgeteilt, dass Lietuvos Paštas im Jahr 2024 durch den Universaldienst einen Verlust von knapp 3,5 Millionen Euro erlitten hat. Die Post selbst hatte sogar eine höhere Kompensation von rund 5,2 Millionen Euro beantragt. Über die endgültige Ausgleichszahlung wird das Verkehrsministerium entscheiden.
Universaldienst wurde zu teuer und unattraktiv
Der Universaldienst (litauisch: UPP) ist die gesetzlich vorgeschriebene Grundversorgung. Sie muss landesweit verfügbar sein und umfasst unter anderem Briefe, Einschreiben und Pakete bis zu bestimmten Gewichtsgrenzen.
In Litauen ist dieses Modell wirtschaftlich stark unter Druck geraten. Die RRT kritisiert, dass der Universaldienst in der Praxis oft langsamer und teurer war als private Wettbewerber; vor allem im Paketbereich. Je nach Gewicht lagen die Preise 1,5- bis 7-mal höher als Angebote kommerzieller Anbieter.
Dadurch entstand ein Teufelskreis: Hohe Preise machten den Universaldienst unattraktiv, so dass Kunden zu privaten Anbietern oder Paketautomaten abwanderten. Dadurch sanken die Sendungsmengen der litauischen Post weiter, während die gesetzlich vorgeschriebene Infrastruktur weiterhin bezahlt werden musste.
Im Jahr 2020 wurden in Litauen beispielsweise 15,84 Millionen UPP-Sendungen befördert. 2025 waren es nur noch 4,39 Millionen. Auch die Einnahmen aus dem Universaldienst sanken stark: von 30,30 Millionen Euro im Jahr 2020 auf 11,54 Millionen Euro im Jahr 2025. Der Marktanteil von UPP-Sendungen lag 2025 nur noch bei 4,3 Prozent.
Die neuen, günstigeren Tarife sind eine Art Reparaturversuch. Der Universaldienst soll wieder bezahlbarer werden, um mehr Kunden zu gewinnen.
Eine Besonderheit ist die neue Regulierungslogik. Litauen verwendet eine Methodik, mit der nicht nur einzelne Preise betrachtet werden. Stattdessen wird für den Universaldienst eine Einnahmenobergrenze berechnet. Vereinfacht gesagt: Die Post darf mit der UPP nur so viel erlösen, wie aus anerkannten Kosten und einem angemessenen Gewinn ableitbar ist. Außerdem enthält die Methodik Effizienzvorgaben. Die Post darf steigende Kosten nicht beliebig auf die Kundenpreise abwälzen.
Reformdruck bleibt hoch
Trotz der Preissenkungen bleibt das Grundproblem bestehen. Die litauische Regulierungsbehörde hält das bisherige Universaldienstmodell nicht mehr für zeitgemäß. Einige gesetzliche Anforderungen seien überflüssig und wirtschaftlich kaum noch begründbar. Die RRT fordert deshalb, das Modell stärker an heutige Kundenbedürfnisse anzupassen und mehr digitale sowie innovative Lösungen zuzulassen.
Lietuvos Paštas ist noch bis Ende 2026 verpflichtet, den Universaldienst in ganz Litauen zu erbringen. Danach wird die Grundversorgung neu geregelt. Möglicherweise gewinnt sogar die estnische Post die Ausschreibung. Paketda berichtete.
Quellen: lietuvospastas.lt | rrt.lt | rrt.lt | e-tar.lt