In Friesenheim-Oberweier (Baden-Württemberg) sind schätzungsweise 30 Kilogramm Briefe und Postwurfsendungen in einem Wald entdeckt worden. Die Sendungen lagen in einem Müllsack am Waldparkplatz und wurden von Mitarbeitern des Forstbetriebs gefunden, berichtet die Lahrer Zeitung.
Die DHL-Pressestelle erklärte gegenüber der Zeitung, der zuständige Zustellstützpunkt arbeite grundsätzlich "betriebsstabil". Nach bisherigen Erkenntnissen handle es sich um "individuelles Fehlverhalten eines Mitarbeitenden".
Die Deutsche Post teilte mit, alle gefundenen Sendungen würden nun geprüft und anschließend den Empfängern mit einem Begleitschreiben zugestellt. Zugleich entschuldigte sich das Unternehmen bei den betroffenen Kunden. Sendungsverluste seien im Verhältnis zur Gesamtmenge der täglich transportierten Briefe sehr selten, könnten in einem Massengeschäft jedoch nie vollständig ausgeschlossen werden.
Vergleichbare Fälle in der Vergangenheit
Polizeimeldungen aus den vergangenen Jahren zeigen, dass absichtlich von Zustellern entsorgte Briefe immer wieder vorkommen.
- Oktober 2023, Bayreuth: Postbote entsorgt 400 Briefe in Mülleimer. Quelle: Polizei
- Dezember 2023, Oldenburg: 400 Briefe bei Citipost-Mitarbeiter gefunden. Quelle: Polizei
- Januar 2024, Heusenstamm: Mehr als 1000 Briefe wurden in ungenutzte Briefkästen eingeworfen. Quelle: op-online.de
- Januar 2024, Landkreis Sömmerda: Fast 100 Briefe in Mülltonne entsorgt, Quelle: Polizei
- Februar 2024, Landkreis Schwandorf: Diebischer Postbote von Kollegen in die Falle gelockt. Quelle: br.de
- Februar 2024, Schwerin: Mitarbeiterin eines privaten Zustelldienstes hortete 2 Jahre lang über 1.000 Briefe und Pakete. Quelle: Polizei
- Februar 2024, Zusteller hortete drei Jahre lang ca. 2.400 Sendungen. Quelle: Polizei
- April 2024, Landkreis Heilbronn: Zusteller entsorgt 1.800 Briefe in Altpapiercontainern. Quelle: Polizei
- August 2024, Greifswald: 1.000 Sendungen im Fahrradkeller gefunden. Quelle: Polizei
- September 2024, Nähe Neubrandenburg: 1.074 Postsendungen in Altpapiercontainern entsorgt. Quelle: Polizei
- Dezember 2024, Nordhausen: Zusteller öffnete mehrere Briefe und entsorgte sie in einem Altpapiercontainer. Quelle: Polizei
- Januar 2025, Nähe Stade: 24-jähriger Zusteller nahm mehrere Sendungen mit nach Hause. Quelle: Polizei
- Juni 2025, Eisingen (Baden): Eine Zustellerin von Deutsche Post DHL entsorgte mehrere Tausend Sendungen im Wald. Quelle: swr.de
- November 2025, Tettnang (BaWü): Mehrere hundert Briefe und Kataloge wurden in einer Papiertonne entsorgt. Quelle: Polizei
- Februar 2026, Tettnang (BaWü): Ein Zusteller mit gelbem Fahrrad warf ein Bündel Briefe in einen Altpapiercontainer. Quelle: www.zvw.de
- März 2026, Mönchengladbach: Zeugen fanden 81 Briefe mit Wahlunterlagen in privaten Papiertonnen. Quelle: www.wdr.de
Zusteller stellte 4 Jahre lang 30.000 Briefe nicht zu
So berichtete Paketda im Januar 2024
Seit Oktober 2023 gibt es monatlich Meldungen über Zusteller, die Briefe horten oder entsorgen, anstatt sie zuzustellen. Der neueste Fall stellt einen Tiefpunkt dar: Ein Zusteller der Deutschen Post aus Papenburg (Niedersachsen) hat 4 Jahre lang ungefähr 30.000 Briefe und Zeitschriften in seinem Haus gelagert. Die Sendungen stapelten sich angeblich meterhoch.
Laut Bild-Zeitung hat der Zusteller psychische Probleme und betrachtete den Auslieferungsvorgang gedanklich als abgeschlossen. Er soll erleichtert gewesen sein, als die Sache nun durch einen anonymen Hinweis aufflog. Laut noz.de wurde der Zusteller im Rahmen eines Aufhebungsvertrags entlassen.
In einem ersten Statement formulierte eine Pressesprecherin der Deutschen Post etwas unglücklich, dass man sich für die "Verzögerung" entschuldige und den Vorfall bedauere. Sie erklärte nicht, warum die Massen-Unterschlagung der Deutschen Post nicht früher und nicht intern aufgefallen ist.
Während der 4 Jahre werden sich bestimmt mehrere Kunden aus Papenburg über vermisste Sendungen bei der Deutschen Post beschwert haben. Diesen Beschwerden wurde offenbar nicht konsequent nachgegangen. Einen ähnlichen Fall gab es 2018 / 2019 in Berlin. Ein Kunde warnte die Post frühzeitig vor Briefverlusten, doch die Täterbande wurde erst ein Jahr später hochgenommen (Paketda berichtete).
Bei LinkedIn schreibt Karsten Klebe, Dialogmarketing-Spezialist bei der Deutschen Post, zum Thema Kundenbeschwerden, dass "jeder verschwundene Brief oder jedes nicht zugestellte Paket einer/eines zu viel" sei und das "eigentlich nicht passieren" sollte. Gleichzeitig mahnt er, das Verhältnis zu wahren. Die Kundenbeschwerden würden sich im Verhältnis zur gesamten Briefmenge im "Mikro-Promille-Anteil" bewegen. - Das führt aber hoffentlich nicht dazu, dass mit Beschwerden lax umgegangen wird.
Quellen: bild.de | noz.de
Südwestpfalz: Postbote hat 10.000 Briefe nicht zugestellt
So berichtete Paketda am 27.12.2023
Ein 29-jähriger Postzusteller aus Dahn, Landkreis Südwestpfalz, soll laut Bild.de ungefähr 10.000 Sendungen nicht zugestellt, sondern bei sich zu Hause gehortet haben. In einer Pressemitteilung sagte die Polizei nicht, welcher Zustelldienst betroffen ist, aber auf dem Foto sind gelbe Kisten der Deutschen Post erkennbar.
Aufgeflogen ist der Skandal eher zufällig. Der Zusteller geriet ins Visier der Polizei, weil er Mitte Dezember ohne Führerschein mit dem Auto unterwegs war. Bei der Fahrzeugkontrolle stand der Mann unter Drogen. Die Polizisten fanden bei ihm eine geringe Menge Amphetamin.
Im Anschluss beantragte die Staatsanwaltschaft Zweibrücken einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des Mannes. Dort wurden weitere Drogen (Marihuana, Haschisch) gefunden und etliche Postkisten. Die Polizei schätzte die Kisten auf eine hohe, zweistellige Zahl. Die überwiegend ungeöffneten Postsendungen wurden sichergestellt. Eine Zustellung an die Empfänger erfolgt laut Bild.de erst nach Freigabe durch die Staatsanwaltschaft und polizeilicher Registrierung aller Briefe.
Der Arbeitgeber des Zustellers muss sich die Frage gefallen lassen, weshalb 10.000 fehlende Sendungen und dadurch verursachte Kundenbeschwerden nicht früher zur Enttarnung des Zustellers führten.
Nachtrag vom 1. Januar 2024: Gegenüber rheinpfalz.de hat Deutsche Post DHL zugegeben, dass es sich um ihre Sendungen bzw. ihren Zusteller handelt. Der Pressesprecher lieferte keine plausible Erklärung für eine Unterschlagung von Postsendungen in derart hohem Ausmaß.