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Polnische Post entlässt 9.000 Mitarbeiter


Poczta Polska hat im Jahr 2023 einen Verlust in Höhe von 787 Mio. Zloty (ca. 180 Mio. Euro) erwirtschaftet. Der Vorstand hatte dem Unternehmen deshalb Anfang 2024 eine Ausgabensperre auferlegt (Quelle). Gehaltserhöhungen, Neueinstellungen und Investitionen wurden ausgesetzt.

Im August 2024 legte Poczta Polska einen Transformationsplan vor, der den Abbau von 9.000 Arbeitsplätzen bei Verwaltungsmitarbeitern vorsieht. Das entspricht 15% der Belegschaft, berichtet mycompanypolska.pl. Zusteller und Filialmitarbeiter sollen von Entlassungen kaum betroffen sein. Das Ziel sind langfristige Einsparungen bei den Personalkosten.

Für Abfindungszahlungen an freiwillig ausscheidende Mitarbeiter sind 600 Mio. Zloty eingeplant (ca. 140 Mio. Euro). Um die Finanzlage der polnischen Post zu stabilisieren, gewährt der Staat einen Zuschuss von 750 Mio. Zloty. Zur Qualitäts- und Effizienzsteigerung der Betriebsabläufe sollen 500 Mio. Zloty in die IT des Unternehmens investiert werden.

Anfang 2024 wurde auch über ein radikales Sanierungskonzept spekuliert, nämlich die Aufspaltung des Brief- und Paketgeschäfts von Poczta Polska. Die Paketsparte könne laut Zeitung Rzeczpospolita mit Orlen Paczka zusammengelegt werden. Orlen ist ein Energiekonzern (betreibt in Deutschland u.a. "star"-Tankstellen), der in Polen mit 14.000 Paketshops und Paketautomaten vertreten ist. Komplett vom Tisch ist die Aufspaltung von Poczta Polska Medienberichten zufolge noch nicht. Vermutlich wird zunächst abgewartet, ob die oben genannten Maßnahmen die Situation von Poczta Polska merklich verbessern oder nicht.

Im Oktober 2024 erklärte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Polnischen Post Slawomir Zurawski im Interview mit der DVZ, dass das Unternehmen "technologisch veraltet" sei und keine Infrastruktur habe, um effektiv zu wachsen. Laut Zurawski seien frühere Führungskräfte für diese Situation mitverantwortlich, weil sie Investitionen und Modernisierungen versäumt hätten. Zurawski betonte, dass die Polnische Post in Zukunft unabhängig vom Staatshaushalt als modernes, digitales Dienstleistungsunternehmen agieren müsse mit einem erweiterten Angebot jenseits klassischer Briefdienste.



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Ex-Chef rechnet vor: Polnische Post vielleicht bald insolvent

So berichtete Paketda im Dezember 2023


Der ehemalige Chef der polnischen Post, Przemyslaw Sypniewski, hat sich kritisch über seinen früheren Arbeitgeber geäußert. Angeblich drohe dem Unternehmen die Insolvenz. Das berichtet Rzeczpospolita, die laut Wikipedia "zweitgrößte seriöse überregionale Tageszeitung in Polen".

Eine Studie von Sypniewski und Recherchen der Zeitung sollen ergeben haben, dass die polnische Post in diesem Jahr wahrscheinlich einen Verlust zwischen 161 Mio. und 203 Mio. Euro erwirtschaftet (umgerechnet aus Zloty). Problematisch: Poczta Polska soll lediglich über 314 Mio. Euro Kapital verfügen, so dass das Geld knapp werden könnte.

Ursache seien laut Sypniewski strategische Fehler in der Vergangenheit. Während seiner Zeit als Postchef (2016-2020) wuchs beispielsweise Konkurrent InPost zu enormer Größe heran (Paketda berichtete). Sypniewski hält es für ein Wunder, dass Poczta Polska überhaupt solange überlebt hat. Es sei wahrscheinlich das letzte große Unternehmen aus der kommunistischen Zeit.

Nachtrag vom 09. Januar 2024: Mitarbeiter von Poczta Polska haben einen Brandbrief verfasst, weil sie befürchten, im Februar kein Gehalt mehr ausgezahlt zu bekommen. Außerdem gibt es Vorwürfe, dass Poczta Polska weniger als den Mindestlohn auszahlen will. Quelle: wiadomoscihandlowe.pl




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