Polnischer Abholstation-Betreiber InPost plant Börsengang

Paketautomat von InPost in Polen
InPost SA, Betreiber von mehr als 10.000 Paketautomaten in Polen (plus 300 in Italien und 800 in UK), strebt in Kürze einen Börsengang an. Das Unternehmen wird mit 7 bis 8 Milliarden Euro bewertet (Quelle: reuters.com).

In Deutschland hat Deutsche Post DHL ca. 6.500 Packstationen aufgestellt, aber der Börsenwert hat sich dadurch nicht um mehrere Milliarden erhöht. Was steckt also hinter dem Geschäftsmodell von InPost?

Es handelt sich um ein geschlossenes System, das von keinem klassischen Paketdienst beliefert werden kann. InPost hat ein eigenes Logistiknetzwerk mit eigenen Zustellern aufgebaut. Neben Lieferungen an Paketautomaten werden auch klassische Nach-Hause-Lieferungen angeboten. Unternehmen können außerdem Fulfillment-Services bei InPost buchen, und Behörden stehen die Automaten zum Dokumentenaustausch mit Bürgern zur Verfügung. Details auf inpost.pl.

Der polnische Branchenkenner Marek Rózycki (lastmileexperts.com) sagte in einem bei Youtube veröffentlichten Gespräch, dass das geschlossene InPost-Netzwerk die Wettbewerber zu Kooperationen zwinge.

Weil sie InPost-Stationen nicht beliefern können, haben sich die polnische Post, DPD und DHL dem SwipBox-Netzwerk angeschlossen. SwipBox betreibt 250 Paketautomaten in Polen. Experte Rózycki sagt, es sei ineffizient, wenn die Automaten von mehreren Paketdiensten angefahren werden. Es wäre besser, täglich nur einen Kurier zur Station zu schicken, der dort gebündelt die Pakete aller beteiligten Paketdienste einlegt.

Die polnische Post hat ca. 13.000 Paketshops. Das sind sogar mehr Standorte als es InPost-Automaten gibt, aber Rózycki zufolge erfüllen die klassischen Paketshops das Kundenbedürfnis nicht so gut wie Automaten, die rund um die Uhr verfügbar sind.

Zum Ende des Videos zitiert Marek Rózycki etwas geheimnisvoll aus einer Analyse, die er kürzlich erstellt hat. Demnach soll InPost mittlerweile 50% größer sein als DPD in Polen. Zitat: "DPD lost a lot because of lack of out-of-home-competence. Last Mile Experts have recently finalized some very interesting data. And it turns out that the tables have completely turned with InPost now (...) probably being even 50 % larger than DPD - which is incredible."

Laut Financial Times gehören dem US-Finanzinvestor Advent ca. 80 Prozent an InPost. Durch den Börsengang nimmt InPost kein Geld ein, weil keine neue Aktien ausgegeben werden. Es werden lediglich Bestandsaktien verkauft, so dass die Erlöse komplett an den Finanzinvestor fließen.

Advent ist auch in Deutschland bekannt, weil der Investor im August 2020 25% der Anteile von Hermes Deutschland kaufte und 75% der Anteile von Hermes UK (Paketda berichtete).

In den kommenden Jahren will InPost nach Frankreich und Spanien expandieren, wie Reuters berichtet. Deutschland steht nicht auf dem Plan.


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