Europäische Postgesellschaften benennen IOSS-Probleme

Die Vereinigung europäischer Postbetreiber, PostEurop, hat ein Positionspapier zum IOSS-Verfahren veröffentlicht. Mit IOSS können Kunden Einfuhrsteuern (ugs. Zoll) vorab an Onlineshops außerhalb der EU bezahlen, so dass bei Lieferung der Ware keine Zahlung mehr an Deutsche Post DHL notwendig ist.

PostEurop hat folgende Probleme bei IOSS identifiziert:

  • Angabe einer ungültigen IOSS-Identifikationsnummer durch den Absender
  • IOSS-Nummer steht im falschen Feld in den Sendungsdaten oder nur auf der Papier-Zollinhaltserklärung
  • Komplett fehlende digitale Zolldaten
  • Unzureichende Angaben der Empfängeradresse

Diese Probleme können zu einer Doppelbesteuerung führen. Empfänger müssen bei Lieferung der Ware erneut Einfuhrabgaben an die Post bezahlen, obwohl das Geld schon an den Onlineshop gezahlt wurde. Ein zusätzliches Problem entsteht, wenn Onlineshops mehrere kleinere Bestellungen eines Kunden zusammenfassen und dadurch die Grenze von 150 Euro überschritten wird. In diesem Fall ist das IOSS-Verfahren nicht möglich.

PostEurop befürwortet eine Einführung von IOSS für Pakete bis zum Wert von 1000 Euro. Außerdem sollen sämtliche Onlineshops, die von außerhalb der EU hierhin versenden, zum IOSS-Verfahren verpflichtet werden. Bislang ist die Teilnahme freiwillig.

Noch keine Lösung hat PostEurop für Pakete mit mangelhaften oder fehlenden digitalen Zolldaten. Solche Sendungen stellen europäische Postgesellschaften vor "erhebliche Probleme". Am liebsten wäre ihnen eine Rücksendung in die Herkunftsländer. Aktuell sei dieses Vorgehen aufgrund internationaler Vereinbarungen und ungeklärter Vergütungsfragen hinsichtlich der Transportkosten nicht möglich.



Deutscher Zoll sieht keine Probleme

In der Zeitschrift Zoll aktuell (1/2022, Seite 11) ist von "keinen grundsätzlichen Schwierigkeiten" beim deutschen Zoll die Rede. Weiter heißt es:

"Die Kolleginnen und Kollegen erhielten zwar in einem erhöhten Umfang Nachfragen und Beschwerden, die jedoch im Rahmen des üblichen Dienstbetriebes bearbeitet werden konnten. Natürlich gab es immer wieder Fragestellungen zu beantworten, die erst bei der praktischen Anwendung auftreten. Doch auch für diese ?Knobelfälle? entwickelten die Fachverantwortlichen schnell pragmatische Lösungen."

Außerdem kommt Reinhard Fischer von Deutsche Post DHL zu Wort. Er ist Konzernverantwortlicher Zoll und spricht von einer angenehmen Zusammenarbeit zwischen Zoll und Deutscher Post. "Die Umsetzung der neuen Regelungen ist in Deutschland gut gelöst.", so Fischer.

Paketda stimmt mit diesen Aussagen nicht überein. Insbesondere die Besteuerung von Geschenkpaketen ist ein großes Ärgernis für Privatkunden. Es gibt regelmäßig Fälle, bei denen die Zollfreigrenze von 45 Euro nicht berücksichtigt wird (Wir berichteten).


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