Hoher Aufwand für DHL-Pakete per Straßenbahn in Schwerin

Pilotversuch: DHL lieferte Pakete mit der Straßenbahn
Die Schweriner Volkszeitung hat die Belieferung von DHL-Packstationen per Straßenbahn begleitet. In der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns wird dieses Modellprojekt seit einigen Monaten erprobt. Es läuft bis Ende 2022.

Ein DHL-Lieferwagen bringt jeden Morgen Pakete zum Straßenbahndepot. Dort werden sie in Container verstaut, die in einen Sonderzug der Straßenbahn hineingeschoben werden. Die Bahn hält unterwegs drei Mal an Haltestellen, an denen sich DHL-Packstationen befinden.

Laut DHL-Pressemeldung startet der Sonderzug um 11:17 Uhr am Betriebshof Haselholz und stoppt an den Haltestellen Kieler Straße, Platz der Freiheit und Hegelstraße.

Eine Begleitperson rollt an jeder Haltestelle einen Paketcontainer aus der Bahn und stellt ihn in einen abschließbaren Schuppen. Aus dem Schuppen wird außerdem ein leerer Container zurückgenommen.

Im Zeitungsbericht wird beschrieben, dass es zusätzliche Mitarbeiter gibt, die Pakete aus den Containern in die Packstationen einräumen. Diese Aufgabe kann nicht von der Begleitperson erledigt werden, die in der Straßenbahn mitfährt, weil die Haltedauer nur 4 Minuten beträgt.

Der Personal- und Zeitaufwand für den Straßenbahntransport scheint sehr hoch zu sein. Würde DHL von der Zustellbasis direkt zu den drei Packstationen fahren, könnte man sich das Umladen im Straßenbahndepot sparen. Außerdem wären die speziellen Rollcontainer verzichtbar sowie die Schuppen neben den Packstationen und die extra Mitarbeiter, die zu den Packstationen fahren, um sie zu befüllen.

Auch das Argument der Umweltfreundlichkeit ist hinfällig, wenn DHL die Packstationen mit Elektrofahrzeugen beliefern würde. Allenfalls zur Verkehrsreduzierung taugt die Straßenbahn (vielleicht). Denn eine Straßenbahn beansprucht ja auch Platz auf den Straßen wie klassische Lieferwagen.

Die Kosten beziffert der Betriebsleiter des Schweriner Nahverkehrs auf 10 Euro pro Kilometer (28 km Gesamtfahrstrecke für 3 Packstationen). 280 Euro Fahrtkosten geteilt durch 450 Pakete pro Tour (laut DHL) ergibt Stückkosten von 62 Cent pro Paket.

Eine Mitnahme der Paketcontainer in Personenzügen ist nicht möglich, weil den Fahrgästen keine mehrminütige Haltezeit zum Be- und Entladen zumutbar ist. Laut NDR-Bericht ist es gesetzlich außerdem nicht erlaubt, Personen und Güter gemeinsam zu befördern. Ausschlaggebend seien Brandschutzgründe. Denn es ist unklar, ob der Inhalt einiger Pakete (brand-) gefährlich ist. Die Initiatoren des Modellprojekts in Schwerin hoffen, dass die entsprechenden Gesetze künftig geändert werden.

DHL-Pakete per Straßenbahn in Schwerin



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Pakete per Straßenbahn in Schwerin

So berichtete Paketda im Februar 2022

Mit 150.000 Euro Förderung des Bundesumweltministeriums macht sich die Stadt Schwerin zurzeit praktische Gedanken über den Lieferverkehr der Zukunft. So wird beispielsweise eine Straßenbahn umgebaut, um darin Paketcontainer durch die Stadt zu befördern. Ein vergleichbares Projekt war die Logistiktram in Frankfurt.

Außerdem wurden an fünf Straßenbahn-Haltestellen DHL-Packstationen aufgestellt. Ob die wohl stärker genutzt werden als die Parcellock-Stationen von DPD, Hermes und GLS? Parcellock-Stationen befanden sich auch an stark frequentierten Bahnhöfen - wurden aber kaum genutzt.

In einer Befragung (Abbildung unten) sprachen sich erstaunlich viele Schweriner für Paketstationen aus. Es ist die zweitbeliebteste Lieferoption direkt nach der Haustür-Lieferung. Die Befragung ist aber nicht repräsentativ.

Bei Retouren liegt der Paketshop vorn. 80% der Befragten möchten Rücksendungen am liebsten in einem Shop abgeben, und nur 10% würden eine Paketstation nutzen.

Weitere Infos: www.schwerin.de | TV-Bericht bei Youtube | Umfrage-Ergebnisse (PDF)


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