Neue Haftungsfalle bei DPD / Sitzblockierer sollen Millionen an DHL zahlen / Seilbahn am Posttower geplant

DPD ändert AGB zum Nachteil von Kunden

In diesem Monat hat DPD neue AGB veröffentlicht (www.dpd.com). In die AGB DPD CLASSIC, die auch für Privatkunden gelten, wurde der neue Punkt 12.1.3 eingefügt. Darin heißt es:

"DPD haftet der Höhe nach begrenzt auf den nachzuweisenden Einkaufswert bzw. Zeitwert des versendeten Gutes, je nachdem, welcher Betrag der niedrigere ist."

Diese Klausel kann für Kunden nachteilig sein, die mit DPD Waren verschicken, die einer Wertsteigerung unterliegen. Zum Beispiel limitierte Kleidungsstücke, Grafikkarten oder Sammelkarten.

Fiktives Beispiel: Jemand kauft eine Tüte Pokémon-Sammelkarten für 3 Euro (Einkaufswert) und verkauft daraus eine seltene Karte bei eBay für 50 Euro (Zeitwert), dann würde DPD im Verlustfall keine 50 Euro Schadenersatz bezahlen. Stattdessen gilt der niedrigere Einkaufswert von 3 Euro. Oder vielleicht sogar 3 Euro geteilt durch 10 Karten pro Tüte = 30 Cent pro Karte.

Auf der Website des DPD-Kooperationspartners Mailboxes Etc. gibt es noch die alten AGB DPD Classic aus 2020. Damals war die Klausel nicht enthalten (vgl. PDF).

Vielen Dank an Christian K. für den Hinweis



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DHL fordert Schadenersatz in Millionenhöhe von Aktivisten

In der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 2021 wurde eine LKW-Zufahrt zum DHL-Gelände am Flughafen Leipzig gesperrt. Verursacher waren Fluglärm-Gegner, die einen Ausbau der Kapazitäten des Flughafens verhindern wollen. Sie versperrten die DHL-Zufahrt mit einer Sitzblockade. "Die Flugindustrie und das auf fortwährendem Wachstum basierende Wirtschaftssystem zerstören unseren Planeten", werden die Aktivisten bei dubisthalle.de zitiert.

Der Politiker und Demo-Veranstalter Marco Böhme von "Die Linke" war vor Ort anwesend und erklärt in einem Blogbeitrag, dass die "Bereitschaftspolizei gegen 00:50 Uhr alle beteiligten Personen in Gewahrsam nahm, weil der Konzern DHL inzwischen Strafanzeige gestellt hatte. Einen konkreten Straftatbestand konnte die Polizei nicht mitteilen, nur dass die zuständige Staatsanwaltschaft die Personalien feststellen lassen wollte - um im Nachgang Schadenersatzansprüche des Konzerns zu prüfen. Laut DHL soll ein Schaden von über 1,5 Millionen Euro entstanden sein."

Gegenüber dem MDR bestätigt DHL die Strafanzeige und dass ein Schaden in Millionenhöhe entstanden sei, weil Maschinen verspätet abgeflogen sind.

Bei Bild.de konkretisiert ein Polizeisprecher, dass "unter den aufgehaltenen Fahrzeugen auch Lastwagen [waren], die mit Impfstoffen beladen waren und Piloten, die mit Taxis zu ihren Frachtmaschinen wollten".

Laut MDR wurde "die als Spontandemo angemeldete Blockade" nach rund einer Stunde beendet, als DHL ein zweites Tor öffnete, durch das LKW aufs Gelände fahren konnten.

Nachtrag vom 14. Juli 2021: DHL hat frühere Berichte widerrufen, wonach durch eine blockierte Zufahrt zu DHL Express am Leipziger Flughafen ein Millionenschaden entstanden sei. Es seien außerdem keine Impfstoff-Transporte betroffen gewesen. Die Auswirkungen der Sitzblockade seien lokal überschaubar geblieben. | Quelle: Spiegel.de

Nachtrag vom 15.07.2021: Bei www.l-iz.de ist ein Artikel erschienen, der die Hintergründe zu den unterschiedlichen Aussagen gegenüber Medien beleuchtet.

Nachtrag vom 23.07.2021: Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat sich mit dem Fall befasst. Die Polizei habe Falschinformationen verbreitet, weil Impfstoff-Transporte von der Störaktion nicht betroffen waren. Die Polizei hätte diese Meldung im Nachhinein richtigstellen müssen. Quelle: Spiegel.de

Nachtrag vom 14.08.2021: Die Leipziger Internet-Zeitung berichtet unter Berufung auf Innenminister Wöller, dass der angebliche Millionenschaden durch den Standortleiter von DHL Leipzig beziffert wurde. Die Polizei hat diese Information dann in einer Pressemitteilung weiterverbreitet, ohne sie zu überprüfen. Quelle: www.l-iz.de



Deutsche Post befürwortet Seilbahn in Bonn

Die WirtschaftsWoche schreibt in der Ausgabe vom 09.07.2021 (gedruckt, nicht online), dass der geplante Bau einer Seilbahn in Bonn viele Unterstützer hat. Wörtlich heißt es: "Neben dem Management des staugeplagten Uniklinikums ist auch die Post dafür, ebenso die meisten anderen Konzerne und Behörden mit Büros entlang der Trasse. Im Rat gibt es eine parteiübergreifende Mehrheit."

Die Seilbahn soll an einem Bahnhof rechts des Rheins beginnen, dann den Rhein überqueren und u.a. eine Station im Stadtteil Ramersdorf bekommen, wo sich der Posttower befindet.

In 2018 machte die Deutsche Post erstmals Pläne öffentlich, mit ihrem Hauptsitz aus dem Posttower auszuziehen (Paketda berichtete). Der für 2020 geplante Baustart des Neubaus fand jedoch noch nicht statt. Der Neubau wird in der Baunscheidtstraße errichtet - nur ca. 1 Kilometer entfernt vom Posttower.


Screenshot von www.seilbahnbonn.de


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