Im Juli 2020 tauchten erstmals Spekulationen darüber auf, dass Amazon Shipping in Deutschland starten könnte. Dieser Service, der bereits seit mehreren Jahren in den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien verfügbar ist, ermöglicht es Händlern, ihre Pakete über Amazon versenden zu lassen.
Besonderheit: Der Händler muss weder als Verkäufer bei Amazon registriert sein noch seine Waren bei Amazon lagern. Dies war bisher eine Voraussetzung, um den Service "Fulfillment by Amazon" (FBA) zu nutzen. Amazon Shipping hingegen funktioniert wie ein herkömmlicher Paketdienst. Der Händler verpackt die Waren in seinem eigenen Lager, versieht die Pakete mit Amazon-Versandetiketten und übergibt sie an einen Abholfahrer.
Jetzt wurde in Deutschland erstmals ein solches Versandetikett mit Amazon-Shipping-Vermerk entdeckt. Ein Nutzer von Paketda, "REDI originals", hat es freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Allerdings handelt es sich bei dem Paket um eine gewöhnliche Amazon-Bestellung, die aus einem Amazon-Lager und nicht von einem externen Händler versandt wurde.
Bislang gibt es keine handfesten Beweise für einen bevorstehenden Start von Amazon Shipping in Deutschland. Die zugehörige Website shipping.amazon.de ist nicht verfügbar. Dennoch ist das Auftauchen des neuen, etwa 6x10 cm großen Etiketts bemerkenswert. Es könnte darauf hindeuten, dass Amazon in Deutschland Testläufe durchführt, um das Handling externer Pakete zu simulieren. Auffällig ist, dass auf dem Label Absenderinformationen fehlen.
Bereits im Jahr 2020 berichtete das Portal wortfilter.de, dass Amazon angeblich mehrere Händler kontaktiert habe, um deren Interesse an Amazon Shipping zu erfragen. Die Händler sollten damals Angaben zu bevorzugten Abholzeiten, Zustellzeiten, Verpackungen und Preisvorstellungen machen.
Es wäre also keine Überraschung, wenn die Pläne für Amazon Shipping in Deutschland konkret werden und ein Start in den kommenden Monaten bevorsteht. Allerdings wird nicht jeder Händler teilnahmeberechtigt sein. Während die Mindestversandmenge für Amazon Shipping in den Anfangsjahren bei 20 Paketen täglich lag, wurde sie inzwischen auf 50 Pakete täglich angehoben.
Registrierungsformular für Amazon Shipping in UK:
Wie hart wird der Kampf um Marktanteile?
Der deutsche Paketmarkt gilt in Europa als der härteste. Im Vergleich zu anderen Ländern zeichnet sich Deutschland durch günstiges Paketporto und geringe Margen aus. Der Wettbewerb ist intensiv, und Amazon steht etablierten Konkurrenten wie DHL, DPD und Hermes gegenüber.
Wahrscheinlich ist genau dieser harte Wettbewerb der Grund, warum Amazon Shipping in anderen Ländern bereits eingeführt wurde, in Deutschland jedoch nicht. Der Markteintritt ist eine Herausforderung, weil die etablierten Paketdienste vermutlich nicht vor Preissenkungen zurückschrecken werden, um ihre Marktanteile zu verteidigen.
Trotzdem könnte Amazon Shipping in Deutschland erfolgreich sein. Eine von Paketda beauftragte Umfrage aus 2023 zeigt, dass Amazon als drittbester Paketdienst in Deutschland gilt - deutlich vor DPD, UPS und GLS. Kunden vertrauen also Lieferungen durch Amazon, auch wenn diese oft unkonventionell erfolgen, etwa ohne Empfängerunterschrift oder durch unerlaubte Abstellung irgendwo auf dem Grundstück.
In anderen europäischen Ländern wirbt Amazon Shipping mit 24 bis 48 Stunden Lieferzeit und "wettbewerbsfähigen Preisen". Sollte Amazon Shipping auch in Deutschland starten, könnte dies den Druck auf die etablierten Paketdienste deutlich erhöhen. Und zwar in einer ohnehin kritischen Phase sinkender Margen und umkämpfter Marktanteile.