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Otto-Aufsichtsrat Hillebrand: Es wird einen Volumenkampf geben

Dr. Rainer Hillebrand / Foto: Otto Group
Seit 1. Juni 2019 ist Rainer Hillebrand Mitglied des Aufsichtsrats des Otto-Konzerns. Zuvor war er seit 1990 Otto-Vorstandsmitglied und verfügt deshalb über viele Insider-Kenntnisse - auch über die Otto-Tochter Hermes.

Hillebrand gab der Schweizerischen Post im Oktober 2019 ein Interview. Es ist hier im InnoPodcast der Schweizerischen Post zu hören. Ab ca. Minute 57:00 spricht Hillebrand über die Suche nach einem Investor und Kooperationspartner für Hermes. Wie kürzlich bekannt wurde, verhandelt Otto derzeit wohl mit Fedex über einen Hermes-Verkauf (Paketda berichtete).

Rainer Hillebrand im Podcast:

"Wir müssen uns einen Partner holen, der uns in die Lage versetzt, mit einem anderen Volumen und mit anderer finanzieller Power sich den großen Giganten entgegenzustellen."

Mit "großen Giganten" meint Hillebrand vor allem Amazon Logistics. In Zukunft rechnet er aber auch mit den chinesischen Handelsplattformen JD.com und Alibaba auf dem europäischen Logistikmarkt. Hillebrand wörtlich:

"Wir wissen alle, dass Amazon dabei ist, seine Logistikkette selber zu gestalten, sowohl was die lange Strecke [Fernverkehr] als auch die kurze Strecke [Zustellung zum Kunden] angeht. Da sind massive Investitionen getätigt worden. Und man sieht ja mittlerweile, wie viel die selber machen und dass sie in Zukunft fast keine Logistikdienstleister mehr brauchen.

Für die [Logistikdienstleister] wird es eine große Herausforderung sein, weil viel Volumen herausgeht aus dem System. Und wer sich mit Distributionslogistik auseinandersetzt weiß, wie wichtig Volumen für Stoppquoten ist. Von daher wird es einen Volumenkampf geben."

Bei einem Mengenrückgang wird es für Paketdienste schwieriger, ihre Logistiknetzwerke wirtschaftlich zu betreiben. Je größer die Mengen, auf desto mehr Pakete verteilen sich die Fixkosten. Und die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass ein Zusteller an einer Hausnummer kein einzelnes Paket abliefert sondern mehrere auf einmal. Das alles senkt die Kosten. Hillebrand argumentiert, dass die Kooperation von Hermes mit einem anderen Paketdienst (z.B. Fedex) den amazonbedingten Mengenrückgang abfedern kann.

"Wenn man die Herausforderung bestehen will, muss man sich im Prinzip für Kooperationsmodelle entscheiden. Es müssen unterschiedliche Anbieter ihre Volumina, ihre Intelligenz, ihre Strahlkraft zusammenpacken, damit sie Firepower haben.

Und was wir im Markt sehen ist Amazon, aber wir haben noch nicht über JD geredet und die Alibabas dieser Welt, die über kurz oder lang sicher auch stark in Europa und damit in Deutschland und in der Schweiz tätig sein werden. Da sind die ersten Vorboten schon erkennbar, dass die kommen werden.Und dann haben wir es hier mit richtig großen Playern zu tun."


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