Ein Zustellbezirk ist das Gebiet, in dem Zusteller Sendungen ausliefern. Auf dem Land können Zustellbezirke mehrere Dörfer umfassen, während sie in Städten meist nur aus wenigen Straßen bestehen (vgl. Abbildung oben).
Im Jahr 2020 veröffentlichte die Deutsche Post einen Artikel (dpdhl.com) über die Kriterien, wie Zustellbezirke festgelegt werden. Kernstück ist das IBIS-System. Diese Abkürzung steht für "IT-gestütztes Bemessungs- und Informationssystem". Die Software wurde erstmals 1994 verwendet. Damit wird "errechnet, wie groß ein Zustellbezirk ist und welche Arbeitszeit für den betreffenden Zusteller hierbei kalkuliert werden muss", erklärt die Deutschen Post.
In das IBIS-System fließen unter anderem folgende Faktoren ein:
- Anzahl der zu beliefernden Haushalte
- Sendungsmengen
- Zurückzulegende Wegstrecken
- Verkehrsmittel des Zustellers, z.B. Fahrrad, Auto, zu Fuß
- Räumliche Besonderheiten des Zustellstützpunktes
- Lage der Hausbriefkästen
- Häufigkeit aufwändiger Sendungsarten, z.B. Einschreiben
2015 sagte ein Post-Pressesprecher zum Südkurier, dass bei Festlegung der Zustellbezirke auch berücksichtigt wird, "wie weit die Gebäude voneinander entfernt liegen oder wie viele Aussiedlerhöfe und Gewerbebetriebe es gibt."
Anpassungen erfolgen, wenn in einem Zustellbezirk beispielsweise Neubauten entstehen oder sich die Sendungsarten verändern. Es werden von Jahr zu Jahr weniger Standardbriefe verschickt, dafür mehr großformatige (Waren-) Sendungen. Passen solche Sendungen nicht in die Hausbriefkästen und die Kunden müssen Benachrichtigungskarten erhalten, erhöht sich der Zeitaufwand für die Zusteller.
Im Sommer 2024 sagte ein Pressesprecher der Deutschen Post gegenüber merkur.de, dass Zustellbezirke einmal im Jahr neu bemessen werden. Für Empfänger kann das bedeuten, dass der Zusteller nicht mehr wie gewohnt vormittags kommt, sondern erst am Nachmittag. Je nachdem, wie die Ausliefertour geplant ist.
In dem Zeitungsbericht äußert sich auch ein Zusteller kritisch über die Größe der Bezirke bzw. Ausliefertouren, die manchmal zu groß seien und deshalb nicht zu bewältigen sind. Nach Erreichen der Höchstarbeitszeit von 10,45 Stunden müssen Zusteller die Tour abbrechen, und die nicht ausgelieferten Sendungen bleiben bis zum nächsten Tag liegen.
Nach Praxiserfahrungen von Paketda kann es auch mehrere Tage hintereinander zu Tourabbrüchen kommen. Eigentlich sollen Zusteller am Folgetag dort beginnen, wo die Tour tags zuvor beendet wurde. Im Bereich der Paketauslieferung funktioniert dies jedoch regelmäßig nicht. Touren beginnen unserer Beobachtung zufolge i.d.R. täglich am gleichen Startpunkt, sodass Kunden, die am Ende der Tour wohnen, bei Überlastung des Zustellers Gefahr laufen, nicht beliefert zu werden.
Gerücht: Will die Post das Stammzustellerprinzip abschaffen?
Auf dem regionalen Nachrichtenportal aktuelles-aus-suederelbe.de wurde 2020 über die Abschaffung des Stammzustellerprinzips bei der Deutschen Post in der Niederlassung Brief Hamburg spekuliert. Angeblich möchte die Post bei der Einsatzplanung flexibler werden. Ein Zusteller soll bis zu 15 Bezirke bedienen können.
Quelle der Gerüchte sollen Postmitarbeiter sein, die in der Gewerkschaft Verdi organisiert sind. Der Autor des Artikels beschreibt sich selbst als "aktiver Gewerkschafter". Er kommentiert die Absichten der Deutschen Post als "Bankrotterklärung beim Thema Service", weil Stammzusteller ihre Bezirke und Postkunden besser kennen würden als ständig wechselnde Zusteller.
Mehr dazu in diesem Artikel: Neue Vorbereitungswand bei der Deutschen Post ermöglicht flexible Zustellbezirke