Probleme nach Brexit: DPD UK pausiert Straßenverkehr nach Europa

DPD-Lieferwagen in London
DPD Großbritannien befördert bis voraussichtlich 13. Januar 2021 keine Pakete mehr auf dem Landweg in die EU. Das Unternehmen hat festgestellt, dass die Zollprozesse noch nicht reibungslos ablaufen und Mehraufwand bei DPD entsteht, der sich negativ auf die Lieferzeiten auswirkt. Hinzu kommen Verzögerungen und Staus in britischen Häfen sowie strengere Auflagen für die Ärmelkanalquerung.

In einer Meldung von DPD UK heißt es, dass rund 20% aller für die EU bestimmten Sendungen falsche oder unvollständige Begleitdaten haben und an die Absender retourniert werden.

"In Anbetracht dieser beispiellosen Umstände" hält DPD UK eine Unterbrechung des Road Service für EU-Pakete für erforderlich (Expresspakete per Luftfracht sind nicht betroffen). Bis 13. Januar will DPD über Maßnahmen entscheiden, um Lieferverzögerungen zu reduzieren. Außerdem sollen Kunden die Zeit nutzen, DPD die vollständigen Daten für Zollabfertigungen von Paketen nachzureichen. In der DPD-Meldung heißt es wörtlich:

In view of this unprecedented set of circumstances we believe that it is only right to pause and review our road service into Europe, including the Republic of Ireland. We will use this short pause to validate the data we have in our system, reduce the delay and give you the opportunity to give us the correct data we need in order that we can export, from next week, successfully.


Unterdessen kommt es in der Republik Irland (EU-Mitglied) zu Lieferengpässen, wie NZZ.ch berichtet. Grund ist, dass Irland die meisten Waren über Großbritannien importiert und seit 1. Januar 2021 jede Menge Papierkram für die Zollabfertigung notwendig ist. "Manchmal sind 300 Einzeleinträge für eine Lastwagenladung fällig. Es kann vier bis sechs Stunden dauern, die Formulare für eine Fuhre auszufüllen", sagte ein Logistikexperte zur NZZ.

Die Reederei DFDS hat eine zusätzliche Fährverbindung zwischen Frankreich und Irland eingerichtet. Durch den Direktverkehr zwischen den beiden EU-Ländern können sich Spediteure Zollpapiere sparen. Obwohl die Fähren 6 Stunden länger brauchen als eine LKW-Fahrt übers Festland, zeigt sich DFDS zufrieden: "Unsere Irland-Fähren sind ausgebucht".



Am 31. Dezember 2020 endete die Brexit-Übergangsfrist zwischen Großbritannien und der EU. Das bedeutet, seit dem 1. Januar 2021 müssen Warensendungen aus und nach Großbritannien durch den Zoll. Diesen Verzollungs-Aufwand kann oder will nicht jeder Paketdienst leisten.

  • DPD hat den Versand nach Großbritannien für Privatkunden eingestellt.
  • Bei GLS konnten am 16.12.2020 letztmalig Paketscheine für Pakete nach UK erstellt werden.
  • Hermes ermöglicht den Versand nach UK über die Tochtergesellschaft BorderGuru
  • Kunden von Deutsche Post DHL können weiterhin nach UK versenden, es ist aber eine Zollinhaltserklärung notwendig.

Brexit Info von GLS
Im Dezember 2018, als Rico Back noch Chef des GLS-Mutterkonzerns Royal Mail war, sagte Back zu welt.de, dass Royal Mail operativ auf den Brexit vorbereitet sei. Kunden müssten aber mit Mehrkosten für den Verzollungsaufwand rechnen. Die Kosten könnten zwischen 20 und 30 Euro pro Sendung liegen.

Firmenkunden, die regelmäßig versenden und einen Vertrag mit GLS geschlossen haben, können auch 2021 Pakete mit GLS nach Großbritannien schicken. GLS hat eine Informationsseite eingerichtet unter gls-group.eu/DE/de/gls-informiert/brexit.


Brexit-Informationen anderer Paketdienste

Paketdienste empfehlen Firmenkunden zur Vorbereitung auf den 1.1.2021 folgende Schritte:


Customs Freight Simplified Procedure (CFSP)

Das Speditionsunternehmen Kühne + Nagel erklärt auf dieser Infoseite, dass sich Importeure einer sogenannten CFSP-Autorisierung unterziehen können. Solche Unternehmen dürfen Waren unkompliziert nach Großbritannien importieren, sofern sie ihre EORI-Registrierungsnummer hinterlegen. Die Einfuhranmeldung für die Waren kann später nachgeholt werden. Kühne + Nagel schreibt:

Im Rahmen des Stufenkonzepts, vom 01. Januar bis zum 30. Juni 2021, kann die Einfuhranmeldung bis zu 6 Monate nach der Wareneinfuhr durchgeführt werden. Ansonsten muss die Entry Number (ENO) der Importverzollung an der Grenze zum Vereinigten Königreich vorgelegt werden, um diese zu passieren.


Brexit-Informationsseiten der Paketdienste

GLS stellt ausführliche Informationen zum Brexit unter www.gls-pakete.de/glossar/downloads bereit. Firmenkunden können bei Bedarf den "eDeclarationService" von GLS buchen, so dass GLS die kompletten Zollformalitäten für den Kunden erledigt.

DPD hat eine Brexit-Checkliste veröffentlicht sowie eine Beschreibung der DPD-Schnittstelle zum Übermitteln digitaler Ausfuhrinfos (z.B. Handelsrechnung, Zollanmeldung, Ursprungslandsdeklaration). Auf der Website von DPD Irland wird außerdem empfohlen, zu jedem Paket die E-Mail-Adresse und Telefonnummer des Empfängers anzugeben, sonst sei keine Bearbeitung möglich.

DHL Express entlastet Unternehmen auf Wunsch von Papierkram, erledigt die ATLAS-Ausfuhranmeldung in deren Namen und kümmert sich um die komplette Zollabfertigung. Mehr Infos unter www.dhl.de.

UPS hält hauptsächlich englischsprachige Informationen zur Vorbereitung auf den Brexit bereit: solutions.ups.com.

Time Matters ist Spezialist für sehr eilige Transporte, hat ein Zollabfertigungsunternehmen übernommen (CB Customs Broker) und nutzt als Lufthansa-Tochter deren Cargo-Terminal am Flughafen Frankfurt. Eigenen Angaben zufolge wird Fracht von Time Matters "mit sehr hoher Priorität verladen und transportiert, was bedeutet, dass es auch bei Kapazitätsengpässen sehr wahrscheinlich ist, dass die Fracht unserer Kunden befördert wird." Bei Luftfrachtproblemen hat Time Matters Pläne zum Ausweichen auf die Eurotunnel-Zugverbindung. Mehr Infos: www.time-matters.com.

Privatkunden in Deutschland, die Waren in Großbritannien bestellen, müssen nach dem Brexit beim Überschreiten der Freigrenze von 22 Euro 19% Einfuhrumsatzsteuer bezahlen. Ab 150 Euro wird je nach Warenart ggf. zusätzlich Zoll fällig. Details hier im Paketda-Zollrechner. Sendungen aus Asien mit Ziel Deutschland, die bislang über UK importiert wurden, gelangen in Zukunft vermutlich direkt nach Deutschland.

Update vom Oktober 2020: Brexit rückt näher

Ab dem 1. Januar 2021 entfällt die britische Umsatzsteuerbefreiung für Waren unter 15 £. Alle Warenimporte unterliegen dann der britischen Umsatzsteuer. Eine Ausnahme besteht für private Geschenkpakete, die bis 39 £ abgabenfrei bleiben. Quelle: www.gov.uk.

Ab dem 1. Januar 2021 sind Versender, die Waren im Wert von 135 GBP oder weniger in das Vereinigte Königreich verkaufen, für die Erhebung und Zahlung der britischen Mehrwertsteuer für diese Lieferungen verantwortlich. Der Mehrwertsteuerbetrag sollte am Verkaufsort erhoben und über die britische Mehrwertsteuerregistrierung an die HMRC gezahlt werden.

Für Waren, die in Großbritannien im Wert von über 135 GBP verkauft werden, bleibt der Importeur für die Zahlung der britischen Mehrwertsteuer verantwortlich. Diese kann vom Importeur über eine aufgeschobene Umsatzsteuerbuchhaltung oder über die Zollanmeldung bezahlt werden.

Versender können sich hier für die Mehrwertsteuer in UK registrieren: www.gov.uk/vat-registration

Der Paketdienst UPS bietet den Service Paperless Invoice an. Damit können Begleitdokumente (z.B. Handelsrechnung) digital übermittelt werden. Das beschleunigt und vereinfacht die Zollabfertigung.


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