Neue Versandart bei Royal Mail: Absender übernimmt die Zollgebühren

Royal Mail Gebäude
Das britische Fachportal für Onlinehändler tamebay.com berichtet, dass Royal Mail ab Februar die neue Versandart "DDP Tracked & Signed" anbietet. Hierbei übernimmt der Absender sämtliche Einfuhrabgaben (Zoll), und der Empfänger muss nichts bezahlen.

Die Versandart soll Onlinehändlern dabei helfen, die Verkaufsrichtlinien von Amazon einzuhalten. Laut tamebay.com sind Verkäufer bei Amazon nämlich verpflichtet, die Einfuhrabgaben für ihre Kunden zu bezahlen, ansonsten könnte ihr Account gesperrt werden (wörtliches Zitat: "Having buyers pay duties is in violation of the Amazon Marketplace policies and can lead to the suspension of your seller account."). Betroffen sind britische Händler, die bei Amazon.de verkaufen. Verkauft ein britischer Händler nur bei Amazon.co.uk, und er erhält eine Bestellung eines deutschen Kunden, sind Einfuhrabgaben wahrscheinlich erlaubt.

Einer Preisliste von Royal Mail zufolge (hier als PDF) kostet ein "DDP Tracked & Signed"-Paket nach Deutschland pauschal £ 7,65 Porto (ca. 8,60 Euro). Erlaubt sind nur kleinformatige Sendungen bis 5kg, deren Summe aus Länge + Breite + Höhe 90cm nicht überschreitet. Mehr Infos: www.royalmail.com

Die neue Versandart steht nur Geschäftskunden zur Verfügung, die jährlich mindestens £ 5000 für Porto ausgeben oder mindestens 1.000 Sendungen verschicken. Privatkunden, die mit Royal Mail ein Paket nach Deutschland schicken wollen, können die Einfuhrabgaben nicht im Voraus bezahlen.


Nachfolgend sammeln wir verschiedene (Störungs-) Meldungen von Paketdiensten in Zusammenhang mit dem Brexit. Bei Neuigkeiten wird diese Seite aktualisiert.


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DPD UK pausierte Straßenverkehr nach Europa

DPD-Lieferwagen in London
DPD Großbritannien befördert bis voraussichtlich 13. Januar 2021 keine Pakete mehr auf dem Landweg in die EU. Das Unternehmen hat festgestellt, dass die Zollprozesse noch nicht reibungslos ablaufen und Mehraufwand bei DPD entsteht, der sich negativ auf die Lieferzeiten auswirkt. Hinzu kommen Verzögerungen und Staus in britischen Häfen sowie strengere Auflagen für die Ärmelkanalquerung.

In einer Meldung von DPD UK heißt es, dass rund 20% aller für die EU bestimmten Sendungen falsche oder unvollständige Begleitdaten haben und an die Absender retourniert werden.

"In Anbetracht dieser beispiellosen Umstände" hält DPD UK eine Unterbrechung des Road Service für EU-Pakete für erforderlich (Expresspakete per Luftfracht sind nicht betroffen). Bis 13. Januar will DPD über Maßnahmen entscheiden, um Lieferverzögerungen zu reduzieren. Außerdem sollen Kunden die Zeit nutzen, DPD die vollständigen Daten für Zollabfertigungen von Paketen nachzureichen. In der DPD-Meldung heißt es wörtlich:

In view of this unprecedented set of circumstances we believe that it is only right to pause and review our road service into Europe, including the Republic of Ireland. We will use this short pause to validate the data we have in our system, reduce the delay and give you the opportunity to give us the correct data we need in order that we can export, from next week, successfully.

Unterdessen kommt es in der Republik Irland (EU-Mitglied) zu Lieferengpässen, wie NZZ.ch berichtet. Grund ist, dass Irland die meisten Waren über Großbritannien importiert und seit 1. Januar 2021 jede Menge Papierkram für die Zollabfertigung notwendig ist. "Manchmal sind 300 Einzeleinträge für eine Lastwagenladung fällig. Es kann vier bis sechs Stunden dauern, die Formulare für eine Fuhre auszufüllen", sagte ein Logistikexperte zur NZZ.

Die Reederei DFDS hat eine zusätzliche Fährverbindung zwischen Frankreich und Irland eingerichtet. Durch den Direktverkehr zwischen den beiden EU-Ländern können sich Spediteure Zollpapiere sparen. Obwohl die Fähren 6 Stunden länger brauchen als eine LKW-Fahrt übers Festland, zeigt sich DFDS zufrieden: "Unsere Irland-Fähren sind ausgebucht".




Brexit-Informationsseiten der Paketdienste

GLS stellt ausführliche Informationen zum Brexit unter www.gls-pakete.de/glossar/downloads bereit. Firmenkunden können bei Bedarf den "eDeclarationService" von GLS buchen, so dass GLS die kompletten Zollformalitäten für den Kunden erledigt.

DPD hat eine Brexit-Checkliste veröffentlicht sowie eine Beschreibung der DPD-Schnittstelle zum Übermitteln digitaler Ausfuhrinfos (z.B. Handelsrechnung, Zollanmeldung, Ursprungslandsdeklaration). Auf der Website von DPD Irland wird außerdem empfohlen, zu jedem Paket die E-Mail-Adresse und Telefonnummer des Empfängers anzugeben, sonst sei keine Bearbeitung möglich.

DHL Express entlastet Unternehmen auf Wunsch von Papierkram, erledigt die ATLAS-Ausfuhranmeldung in deren Namen und kümmert sich um die komplette Zollabfertigung. Mehr Infos unter www.dhl.de.

UPS hält hauptsächlich englischsprachige Informationen zur Vorbereitung auf den Brexit bereit: solutions.ups.com.

Time Matters ist Spezialist für sehr eilige Transporte, hat ein Zollabfertigungsunternehmen übernommen (CB Customs Broker) und nutzt als Lufthansa-Tochter deren Cargo-Terminal am Flughafen Frankfurt. Eigenen Angaben zufolge wird Fracht von Time Matters "mit sehr hoher Priorität verladen und transportiert, was bedeutet, dass es auch bei Kapazitätsengpässen sehr wahrscheinlich ist, dass die Fracht unserer Kunden befördert wird." Bei Luftfrachtproblemen hat Time Matters Pläne zum Ausweichen auf die Eurotunnel-Zugverbindung. Mehr Infos: www.time-matters.com.

Privatkunden in Deutschland, die Waren in Großbritannien bestellen, müssen nach dem Brexit beim Überschreiten der Freigrenze von 22 Euro 19% Einfuhrumsatzsteuer bezahlen. Ab 150 Euro wird je nach Warenart ggf. zusätzlich Zoll fällig. Details hier im Paketda-Zollrechner. Sendungen aus Asien mit Ziel Deutschland, die bislang über UK importiert wurden, gelangen in Zukunft vermutlich direkt nach Deutschland.


Oktober 2020: Brexit rückt näher

Ab dem 1. Januar 2021 entfällt die britische Umsatzsteuerbefreiung für Waren unter 15 £. Alle Warenimporte unterliegen dann der britischen Umsatzsteuer. Eine Ausnahme besteht für private Geschenkpakete, die bis 39 £ abgabenfrei bleiben. Quelle: www.gov.uk.

Ab dem 1. Januar 2021 sind Versender, die Waren im Wert von 135 GBP oder weniger in das Vereinigte Königreich verkaufen, für die Erhebung und Zahlung der britischen Mehrwertsteuer für diese Lieferungen verantwortlich. Der Mehrwertsteuerbetrag sollte am Verkaufsort erhoben und über die britische Mehrwertsteuerregistrierung an die HMRC gezahlt werden.

Für Waren, die in Großbritannien im Wert von über 135 GBP verkauft werden, bleibt der Importeur für die Zahlung der britischen Mehrwertsteuer verantwortlich. Diese kann vom Importeur über eine aufgeschobene Umsatzsteuerbuchhaltung oder über die Zollanmeldung bezahlt werden.

Versender können sich hier für die Mehrwertsteuer in UK registrieren: www.gov.uk/vat-registration

Der Paketdienst UPS bietet den Service Paperless Invoice an. Damit können Begleitdokumente (z.B. Handelsrechnung) digital übermittelt werden. Das beschleunigt und vereinfacht die Zollabfertigung.


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