Brexit-Infos von Paketdiensten / GLS beendet Abholung privater Pakete / Fahrende Mikrodepots in London

Paketdienste informieren zum Thema Brexit und Zoll

Großbritannien verlässt am 31. Januar 2020 die EU. Es handelt sich um einen geregelten Brexit mit einer weichen Übergangsfrist bis Ende 2020. "Innerhalb der Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2020 ändert sich aus zollrechtlicher Sicht nichts", heißt es auf zoll.de.

Ab 2021, wenn die Übergangsfrist ausläuft, müssen beim Paketversand nach und von Großbritannien Zollformalitäten beachtet werden. Die genauen Formalitäten sind aktuell noch nicht bekannt und richten sich nach einem Freihandelsabkommen, das Großbritannien mit der EU evtl. abschließen wird.

Die Paketdienste empfehlen Firmenkunden zur Vorbereitung auf den 1.1.2021 folgende Schritte:


Brexit-Informationsseiten der Paketdienste

GLS ist ein Tochterunternehmen von Royal Mail und sieht sich deshalb besonders gut vorbereitet. Auf der Infoseite gibt es allerdings kaum Konkretes: gls-group.eu. Royal-Mail-Chef Rico Back rechnet mit zusätzlichen Gebühren pro Sendung "zwischen 20 Euro und 30 Euro" (Quelle: welt.de).

DPD hat eine Brexit-Checkliste veröffentlicht sowie eine Beschreibung der DPD-Schnittstelle zum Übermitteln digitaler Ausfuhrinfos (z.B. Handelsrechnung, Zollanmeldung, Ursprungslandsdeklaration). Auf der Website von DPD Irland wird außerdem empfohlen, zu jedem Paket die E-Mail-Adresse und Telefonnummer des Empfängers anzugeben, sonst sei keine Bearbeitung möglich.

DHL Express entlastet Unternehmen auf Wunsch von Papierkram, erledigt die ATLAS-Ausfuhranmeldung in deren Namen und kümmert sich um die komplette Zollabfertigung. Mehr Infos unter www.dhl.de.

UPS hält hauptsächlich englischsprachige Informationen zur Vorbereitung auf den Brexit bereit: solutions.ups.com.

Time Matters ist Spezialist für sehr eilige Transporte, hat ein Zollabfertigungsunternehmen übernommen (CB Customs Broker) und nutzt als Lufthansa-Tochter deren Cargo-Terminal am Flughafen Frankfurt. Eigenen Angaben zufolge wird Fracht von Time Matters "mit sehr hoher Priorität verladen und transportiert, was bedeutet, dass es auch bei Kapazitätsengpässen sehr wahrscheinlich ist, dass die Fracht unserer Kunden befördert wird." Bei Luftfrachtproblemen hat Time Matters Pläne zum Ausweichen auf die Eurotunnel-Zugverbindung. Mehr Infos: www.time-matters.com.

Privatkunden in Deutschland, die Waren in Großbritannien bestellen, müssen nach dem Brexit beim Überschreiten der Freigrenze von 22 Euro 19% Einfuhrumsatzsteuer bezahlen. Ab 150 Euro wird je nach Warenart ggf. zusätzlich Zoll fällig. Details hier im Paketda-Zollrechner. Sendungen aus Asien mit Ziel Deutschland, die bislang über UK importiert wurden, gelangen in Zukunft vermutlich direkt nach Deutschland.



GLS bietet keine Abholungen für Privatkunden mehr an

GLS hat überraschend die Buchungsmöglichkeit für Paketabholungen eingestellt. Auf der GLS-Website für Gelegenheitsversender www.gls-one.de können nur noch Pakete frankiert werden, die Kunden selber in GLS-Paketshops einliefern.

Bis vor wenigen Wochen konnten Abholungen auf der Website noch gebucht werden, und zwar für 4 Euro Aufpreis zum Paketporto. Warum GLS diese Möglichkeit abgeschafft hat, erklärte das Unternehmen nicht.

Merkwürdig: Über Drittanbieter wie z.B. Packlink oder Jumingo können Privatkunden weiterhin GLS-Pakete mit Abholung buchen. Dass GLS über diese Portale mehr als 4 Euro pro Abholauftrag verdient, erscheint unrealistisch. Wirtschaftliche Gründe sind also vermutlich nicht ausschlaggebend, dass GLS den Abholservice auf seiner eigenen Website eingestellt hat.

Vielleicht wurde der Service von zu wenigen Kunden nachgefragt. Oder GLS hat Privatkunden häufig nicht am vereinbarten Abholtag zu Hause angetroffen. Oder vielleicht gab es auch zu viele Beschwerden von Privatkunden über nicht eingehaltene Abholtermine von GLS.

Logistikblog von Marco Klass



Pilotversuch in London mit fahrenden Mikrodepots

In Deutschland werden aktuell viele kleine Paketlager in Innenstädten eingerichtet, sogenannte Mikrodepots oder Citydepots. Diese Lager werden jeden Morgen per LKW vom Paketzentrum beliefert, und tagsüber entnehmen Fahrradkuriere die Pakete aus dem Depot, um sie an Endkunden in der Innenstadt auszuliefern.

In London ist jetzt ein Versuch mit Lieferwagen gestartet, die als "fahrendes Mikrodepot" agieren. Die von Ford zur Verfügung gestellten Lieferwagen werden im Paketzentrum außerhalb der Stadt beladen, anschließend fahren sie in Richtung Innenstadt. Eine Software berechnet Haltepunkte, an denen sich die Lieferwagen mit lokalen Fahrradkurieren (oder Fußkurieren) treffen, um Sendungen zu übergeben.

Ist der Transporter leer, fährt er zurück zum Paketzentrum und wird dort erneut beladen, um weitere Pakete in die City zu bringen. Pro Tour sollen es 100 Pakete sein. Das gemeinsame Projekt von Ford und dem britischen Paketdienst Gnewt soll schätzungsweise 5 Lieferwagen durch 1 Lieferwagen ersetzen und dadurch den Autoverkehr reduzieren.

Allerdings ist in der Modellrechnung nicht berücksichtigt, dass ein höherer Personalaufwand notwendig ist. Pro Lieferwagen sind bestimmt 3 bis 4 zusätzliche Fahrradkuriere (inkl. Lastenrädern) erforderlich, um die Pakete zu den Empfängern zu bringen.

Quellen: motorzeitung.de | www.auto-motor-und-sport.de


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