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Deutsche Post verknappt nächste Kryptomarke und startet Lotterie

Kölner Dom Kryptomarke Deutschen Post
Im Oktober 2023 brachte die Deutsche Post ihre erste Kryptobriefmarke heraus. Die Auflage war jedoch zu hoch: Die 250.000 produzierten Marken wurden bislang nicht verkauft. Da half auch keine künstliche Verknappung auf maximal 5 bestellbare Marken pro Kunde.

Von der nächsten Kryptomarke, die am 6.6.2024 erscheint und den Kölner Dom zeigt, wurden deshalb von vornherein weniger Marken produziert. Es gibt lediglich 100.000 Stück. Das sind 60% weniger als bei der ersten Kryptomarke.

Außerdem hat sich die Deutsche Post von ausländischen Postgesellschaften inspirieren lassen und übernimmt deren Lotteriekonzept. Vor dem Markenkauf wissen Kunden nicht, welche Farbvariante sie bekommen. Die Kölner-Dom-Kryptomarke gibt es in diesen Seltenheitsstufen:

  • Gelb: 63.000 Stück
  • Lila: 25.000 Stück
  • Blau: 10.000 Stück
  • Pink: 2.000 Stück

Unabhängig von der Farbe kostet jede Marke offiziell 9,90 Euro (Portowert: 1 Euro). Beim Weiterverkauf ist zu erwarten, dass pinke Marken aufgrund ihrer Knappheit höhere Preise erzielen als gelbe Marken.

Die Farbgebung bezieht sich nur auf das digitale Abbild der Marke in der Blockchain. Die physisch verkaufte Briefmarke sieht immer identisch aus, egal, welche Farbvariante der Kunde erwirbt.

Die Deutsche Post verkauft die Marken nach dem Zufallsprinzip. Die Lieferung erfolgt in verschlossenen Tütchen. Sobald es der Kunde öffnet, ist kein Umtausch mehr möglich.

Wer garantiert alle 4 Farbvarianten haben möchte, kann für 79,90 Euro ein 4er-Pack kaufen. Es ist allerdings auf 500 Stück limitiert. Es bleibt spannend, ob die Deutsche Post mit der Verknappung und dem Lotterie-Konzept einen Kryptomarken-Hype entfachen kann.

Die weitere Planung steht bereits fest. Am 10.10.2024 erscheint eine Kryptomarke mit 2,75 Euro Portowert. Im Jahr 2025 werden insgesamt zwei Kryptomarken herausgegeben. Deren Portowerte sind noch unklar. Kryptomarken zeigen immer historische Bauwerke in Deutschland.

Kryptomarke mit Booklet der Deutschen Post





Flop: Ciphers.me

Weniger als 4.000 Brandenburger-Tor-Kryptomarken wurden bislang in der Blockchain registriert (Stand 21.04.2024). Das zeigt eine Abfrage bei polygonscan.com. Offenbar kommen viele Kunden mit der komplizierten Registrierung und Einrichtung eines Wallets nicht zurecht.

Doch wer den Aufwand scheut, kann seinen Anspruch auf die Kryptomarke in der Blockchain verlieren. Im Kleingedruckten (PDF) schreibt die Deutsche Post nämlich, dass die NFTs nicht registrierter Marken zum 31.12.2027 verfallen.

Zunächst ist ein Account auf der Website ciphers.me notwendig. Anschließend muss die MetaMask-Wallet per App oder Browser-Plugin installiert werden. Danach werden beide Accounts miteinander verbunden. Das klappt aber erst, nachdem MetaMask von Ethereum auf Polygon umgestellt wurde. Anschließend kann bei ciphers.me die Generierung des NFT angestoßen werden, so dass die Marke der Polygon-Blockchain hinzugefügt wird.

Ciphers.me kann aufgrund der komplizierten Benutzerführung als Flop bezeichnet werden. Eine vor Monaten angekündigte Tauschfunktion wurde nicht umgesetzt. Und zu allem Überfluss lassen sich die Kryptomarken-Booklets durch Gegenlicht ausspähen. Peinlich für den niederländischen Hersteller; die Sicherheitsdruckerei Royal Joh. Enschedé.



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Deutsche Post konnte noch nicht alle Kryptomarken verkaufen

Während der Vorverkaufsphase vom 14. Oktober bis 1. November 2023 gelang es der Deutschen Post nicht, alle 250.000 Stück ihrer ersten Kryptobriefmarken zu verkaufen. Zum Preis von 9,90 Euro sind die Marken hier auf deutschepost.de erhältlich.

Bis vor Kurzem erschien im Onlineshop der Deutschen Post noch der Hinweis, dass aufgrund der "hohen Nachfrage" maximal 5 Kryptomarken pro Kunde bestellbar sind. Diese Obergrenze wurde jetzt überraschenderweise aufgehoben.

Ab sofort lassen sich bei der Deutschen Post und beim Verkaufspartner deinebriefmarke.de beliebig viele Kryptomarken bestellen. Die Hinweise auf eine angeblich hohe Nachfrage wurden entfernt.

Kryptobriefmarke der Deutschen Post





So lief der Vorverkauf der Marke

In den ersten 1,5 Wochen verkaufte sich die Krypto-Briefmarke der Deutschen Post eher schleppend. Das änderte sich, nachdem Finanzminister Christian Lindner die Marke am 26.10.2023 der Öffentlichkeit präsentierte. Die Bestellzahlen schossen daraufhin nach oben.

Bei deinebriefmarke.de gab es einen Fortschrittsbalken, auf dem ablesbar war, wie viele Kryptomarken vorbestellt wurden. Am ersten Tag (14.10.) wurde nicht mal 1 Prozent erreicht.


Wohl angesichts dieser mauen Verkaufszahlen wurde die Fortschrittsanzeige wieder entfernt. Doch im Quelltext der Website ist der Verkaufsfortschritt weiterhin ablesbar: So gab es am 26. Oktober, dem Tag der öffentlichen Markenpräsentation, einen Schub von ca. 7 auf 17 Prozent!

Am 28.10. vormittags wurden 18,5 Prozent erreicht. Bezieht man diesen Wert auf die Gesamtauflage von 250.000 Kryptomarken, entspricht es 46.250 vorbestellten Marken. (Nachtrag: Am 29.10. wurde die Verkaufsanzeige im Quelltext entfernt.)


Eine verstärkte Medienberichterstattung rund um die Kryptomarke dürfte die Verkaufszahlen weiter befeuern. Nichtsdestotrotz bleibt fraglich, ob es der Deutschen Post gelingen wird, alle 250.000 Kryptomarken zu verkaufen.





Französische Post mit ähnlichen Problemen

Seit dem 18.09.2023 verkauft La Poste in Frankreich ihre erste Kryptobriefmarke für 8 Euro. Die Auflage beträgt 100.000 Stück. Der Verkaufsfortschritt ist unter nftimbre.com einsehbar. Bis zum 26.10.2023, also 5 Wochen später, wurden 25.000 Marken verkauft - also nur 25 Prozent der Gesamtauflage.





Deutsche Post zu spät am Markt?

Als die allerersten Kryptobriefmarken in der Schweiz und Österreich verkauft wurden, waren sie ruckzuck ausverkauft. Dieses Glück ist der Deutschen Post nicht vergönnt. Vielleicht liegt es an der geringen Berichterstattung über die Kryptomarke. Nur wenige Onlinemedien und kaum Printmedien haben die Marke bisher in der Bevölkerung bekanntgemacht.

Auf der Website des Markenproduzenten ciphers.me steht, dass 2021 mit der technischen Entwicklung begonnen wurde. Das war auf dem Höhepunkt des Kryptomarken-Hypes, der inzwischen jedoch abgeflaut ist.

Die Deutsche Post hätte viel schneller eine Kryptomarke auf den Markt bringen können, indem sie nicht auf ein komplett neu entwickeltes System setzt, sondern mit einem etablierten Hersteller kooperiert, z.B. Variuscard aus Österreich. So machen es auch die Postgesellschaften in den Niederlanden und Luxemburg sowie die Österreichische Post.

Sollte der Worst Case eintreten und deutlich weniger als 250.000 Kryptomarken verkauft werden, bleibt abzuwarten, ob die Deutsche Post ihre Pläne einstampft und die Serie "Historische Bauwerke" nur als klassische Briefmarken druckt - ohne Krypto-Variante.





Details zur Kryptomarke der Deutschen Post

Am 14. Oktober 2023 startete die Deutsche Post den Vorverkauf ihrer ersten Krypto-Briefmarke mit NFT. Auf der Marke ist ein KI-generiertes Brandenburger Tor zu sehen. Die Marke wird in zwei Varianten angeboten:

  • Klassische Briefmarke ohne Krypto: 1,60 Euro
  • Briefmarke mit Krypto: 9,90 Euro

Die Kryptomarke enthält Umsatzsteuer. Das ist erwähnenswert, weil Briefmarken der Deutschen Post eigentlich umsatzsteuerfrei sind. Dass die Kryptomarke umsatzsteuerpflichtig ist, zeigt, dass es sich in erster Linie um ein Produkt für Philatelisten handelt. Denn für normale Postkunden macht es keinen Sinn, eine 1,60-Briefmarke für 9,90 Euro zu kaufen.




Ist die Kryptomarke teuer?

Die Deutsche Post hat sich wohl an anderen europäischen Postgesellschaften orientiert, die Kryptomarken ebenfalls um die 10 Euro verkaufen. Preisvergleich:

  • Vereinte Nationen: 3,65 Euro (Quelle)
  • Kroatien: 7,80 Euro (Quelle)
  • Luxemburg: 9 Euro (Quelle)
  • Niederlande: 9,25 Euro (Quelle)
  • Liechtenstein: 9 CHF / 9,33 Euro (Quelle)
  • Schweiz: 9 CHF / 9,33 Euro (Quelle)
  • Österreich: 9,90 Euro (Quelle)
  • Deutschland, Nordbrief: 11,99 Euro (Quelle)
  • Färöer: 100 DKK / 13,41 Euro (Quelle)



Was ist das Besondere an Krypto-Briefmarken?

Kryptomarken genießen unter Sammlern einen zwiespältigen Ruf und gelten entweder als Abzocke oder wertvolle Kostbarkeit. Sie lassen sich mit dem Handy scannen und vom Eigentümer in der Blockchain registrieren. Die Deutsche Post will in Zukunft eine ganze Serie solcher Marken herausbringen, auf denen historische Bauwerke zu sehen sind.

Die Kryptomarke des Brandenburger Tors erscheint in einer Auflage von 250.000 Stück.

Andere Postgesellschaften unterteilen die Gesamtauflage ihrer Kryptomarken in verschiedene Seltenheitsstufen. So könnte es beispielsweise 100.000 Bronze-Marken geben, 50.000 Silber-Marken, 10.000 Gold-Marken und 1.000 Platin-Marken. Für Kunden ist der Markenkauf wie ein Lotteriespiel, weil vorher nicht bekannt ist, welche Seltenheitsstufe man bekommt. Je seltener eine Marke, desto höher schätzen Sammler das Potenzial einer Wertsteigerung ein. Ob die Deutsche Post verschiedene Seltenheitsstufen anbieten wird, ist aktuell unbekannt.

Bei Kleinanzeigen werden Crypto-Stamps der Österreichischen Post zwischen 25 und über 1.000 Euro angeboten. Solche Extrempreise erzielen eher ältere Cryptomarken, die aufgrund des damaligen Hypes schnell ausverkauft waren. Inzwischen ist der Trend abgeflaut, und die Marken sind regulär im Onlineshop der Österreichischen Post zu haben.

Vor wenigen Wochen hatte der private Briefdienst Nordbrief eine Wacken-Briefmarke mit RFID-Chip und NFT-Abbild herausgebracht (Paketda berichtete). Die Auflage von 50.000 Stück wurde nicht abverkauft. Die Wacken-Marke ist bei nordbrief.sh erhältlich für 11,99 Euro zzgl. Versandkosten. Die teuerste Versandart bei Nordbrief ist übrigens ein Maxibrief für 2,80 Euro. Die Cryptobriefmarke für 11,99 Euro ist somit für den täglichen Briefversand unbrauchbar und zeigt, dass sie nur für den Sammlermarkt produziert wurde.

Mit der Wackenmarke hat sich Nordbrief das Privileg gesichert, Deutschlands erste Kryptobriefmarke herausgebracht zu haben. Die Deutsche Post muss sich mit dem Titel "erste Deutschland-Krypto-Briefmarke" begnügen. Den Länderaufdruck "Deutschland" dürfen private Briefdienste auf ihren Marken nämlich nicht verwenden.

Unter Sammlern klassischer Briefmarken haben Cryptomarken einen schlechten Ruf. Als die erste Kryptomarke der Österreichischen Post erschien, warnte der Präsident des Verbandes Österreichischer Philatelistenvereine bei futurezone.at vor überteuerten Wiederverkaufspreisen:

"Ich würde das auf gar keinen Fall zahlen, weder vier- noch dreistellige Beiträge. Das wird spätestens in ein paar Monaten wieder im dreistelligen Bereich landen und einige werden sich dann ärgern. Es gibt leider in unserem Bereich ein paar schwarze Schafe, die versuchen, kurzfristig schnelles Geld zu machen. Das wird aber auch wieder abflauen."

Der Vorverkauf der Deutsche-Post-Kryptomarke vom 14.10. bis 2.11. wird ein spannender Zeitraum. Dann zeigt sich, ob sich Kunden von der Neuheit begeistern lassen - oder sie als Schnickschnack abtun.

Infoseite der Deutschen Post: www.deutschepost.de/kryptomarke


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