Otto-Vorstandsmitglied: Hermes offen für Kooperationen mit Wettbewerbern

Kay Schiebur Kay Schiebur arbeitet seit dem 1. April 2018 bei der Otto-Group als "Konzern-Vorstand Services". In dieser Funktion ist er auch für die Otto-Tochtergesellschaft Hermes verantwortlich. Die Deutsche Verkehrs-Zeitung (DVZ) interviewte Schiebur zu vielen unterschiedlichen Themen (hier das Interview auf dvz.de). Nachfolgend einige Auszüge.

Als vor einem Monat bekannt wurde, dass Frank Rausch und Dirk Rahn Hermes verlassen (müssen), wurde vom Branchendienst KEP-Meldungen als Grund ein "operativer Verlust" genannt, den Hermes in 2017 erwirtschaftet haben soll. Schiebur stellt nun klar: "Wir haben mit Hermes Germany im vergangenen Jahr operativ schwarze Zahlen geschrieben." - Auf den genauen Kündigungsgrund für Rausch und Rahn geht er allerdings nicht ein. Man habe "im besten Einvernehmen" den Entschluss gefasst, dass für Hermes ein Neustart mit neuem Führungspersonal das Beste sei.

Neuer CEO von Hermes Germany ist übrigens Olaf Schabirosky. Er ist bereits seit 2014 in der Geschäftsführung von Hermes Germany vertreten und verantwortete bislang u.a. die IT-, Personal- und Rechtsabteilung. Siehe auch newsroom.hermesworld.com.

Schabirosky setzt die bisherige Hermes-Strategie fort und soll bei Geschäftskunden höhere Preise durchsetzen. Laut Kay Schiebur wird die im letzten Jahr genannte Marschrichtung von 50 Cent mehr pro Paket nach wie vor angestrebt.

Schiebur ist außerdem der Meinung, dass Hermes niemals als "Preisbrecher oder Discounter" agiert habe. Wenn jemand die Preise gedrückt habe, dann DHL. Aufgrund eines Marktanteils von fast 50 Prozent im deutschen Paketmarkt könne DHL die Preise bestimmen. Und "wenn sich der Marktführer Preiserhöhungen verweigert, dann hat der Markt ein Problem", so Schiebur zur DVZ.

In dieses Bild passt allerdings nicht der Handelsblatt-Bericht von Ende Juni, wonach die Preise von DHL rund 15 Prozent teurer sein sollen als die Preise von Hermes. Das gelte zumindest für den Großkunden Amazon, wie das Handelsblatt erfahren haben will. Angeblich hat sich sogar Amazons EU-Logistikchef Hauke Hansen bei DHL beschwert, weil die höheren Preise von DHL in seinen Augen keine höhere Lieferqualität zur Folge haben.

Für Kay Schiebur sind die geringen Gewinnmargen "kein Hermes-Thema oder DHL-Thema, das ist ein Branchenphänomen". Hermes brauche mehr Geld von Geschäftskunden, um beispielsweise neue Logistikzentren zu bauen und Zustellbasen zu mechanisieren.

Außerdem soll ein ganz neues Thema bei Hermes angepackt werden: Die letzte Meile, also die letzten Kilometer Zustellweg bis zum Endkunden, soll durch Kooperationen mit Wettbewerbern effizienter werden. Wenn sich zwei (oder mehr) Paketdienste zusammenschließen und nicht mehr getrennt zum Endkunden fahren, könnte damit auch die Personalnot bei Paketzustellern abgemildert werden. Hermes prüft "aktuell intensiv die Optionen", um mit Wettbewebern zu kooperieren. - Man darf gespannt sein, ob sich andere Unternehmen dafür genauso offen zeigen.


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