Bereits Anfang Juni 2025 hatte GLS in Dortmund einen Flagship-Paketshop an prominenter Adresse eröffnet: direkt hinter der Geschäftsstelle von Borussia Dortmund; wenige Gehminuten vom Fußballstadion entfernt. Doch erst jetzt, Ende Oktober, hat GLS die Eröffnung offiziell bekanntgegeben.
Laut Pressemitteilung will GLS mit dem neuen Premium Paketshop einen "neuen Standard für die Citylogistik der kommenden Jahre" setzen. Der Standort vereint laut GLS digitale Services, automatisierte Prozesse und ein "immersives Raumkonzept" durch Beamerprojektionen an die Wände.
Im Mittelpunkt stehen zwei sogenannte Digital Parcel Kioske. Das sind Self-Service-Terminals, an dem Kunden selbstständig Pakete abholen, abgeben und Retouren aufgeben können. Die Hardware ist ein Standardprodukt des Herstellers Zebra (Modell KC50). Inklusive den Zusatzoptionen Scanner, Drucker und Standfuß liegen die Hardwarekosten schätzungsweise bei deutlich über 2.000 Euro netto.
Aufgrund der hohen Kosten dürften die Terminals für normale GLS-Paketshops wirtschaftlich kaum lohnend sein und vorerst auf den repräsentativen Standort Dortmund beschränkt bleiben. Die großzügig bemessenen Räumlichkeiten sollen nämlich auch für Events mit GLS-Geschäftskunden genutzt werden - und diese gilt es zu beeindrucken. Zwar betont GLS-CEO Moritz Eichhöfer, man wolle mit dem neuen Shop zeigen, "welche neuen Technologien wir erproben und dann auch regelhaft nutzen", doch ob solche Terminals tatsächlich flächendeckend zum Einsatz kommen, darf bezweifelt werden.
In den Niederlanden gibt es längst günstigere Lösungen. DHL testet dort einfache Selbstbedienungsstationen, an denen Kunden ihre zu versendenden Pakete selbst scannen und in Rollcontainer legen können; das ist technisch schlicht, aber funktional. Und DPD Niederlande hat bereits 2023 sogenannte Drop-off Boxen eingeführt: graue Metallschränke in Paketshops, in die vorfrankierte Sendungen einfach eingeworfen werden können (siehe Foto unten). Das spart Zeit, reduziert Warteschlangen und kostet nur einen Bruchteil der GLS-Terminals.
Fazit: Der Premium Paketshop in Dortmund ist ein Leuchtturmprojekt - technisch ambitioniert, aber wohl kaum skalierbar. Als Showroom für Innovation, Markenauftritt und Fußballnähe erfüllt er seinen Zweck. Im Alltagsbetrieb der tausenden GLS-Paketshops bleibt der klassische Tresen jedoch weiterhin Standard.
Paketshop-Infos:
- Anschrift: Lindemannstraße 83, 44137 Dortmund (Google Maps)
- Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr
Soft-Opening: Prestige-Paketshop von GLS in Dortmund
So berichtete Paketda im Juni 2025
In Dortmund hat GLS ein "europaweit einzigartiges" Paketshop-Konzept verwirklich, so die Worte von Betreiber Michael Mlynarczyk (Instagram: @mmk_frachtdienste). Herzstück des Shops sind zwei großflächige Beamer-Projektionswände.
"Jeder Paketkunde soll seine eigene Beamer-Show erleben. Die Programmierer kamen eigens aus Portugal", so Mlynarczyk zur Westfalenpost. Im Eingangsbereich aufgebaute Terminals ermöglichen Kunden das Abholen und Einliefern von Paketen sowie den Kauf von Paketscheinen.
Der neue GLS-Standort lässt sich als Flagship-Store einordnen; ein Prestigeprojekt, das die Marke GLS sichtbarer und erlebbarer machen soll. Solche Konzepte sind im deutschen Paketmarkt bislang eine Seltenheit. Nur DPD hat einen vergleichbaren Flagship-Store in Berlin. Normalerweise befinden sich Paketshops auf kleiner Fläche als Nebengeschäft in Drogerien, Kiosken oder anderen Einzelhandelsfilialen.
Der hohe Investitionsaufwand in Dortmund dürfte auch im Zusammenhang mit dem Sponsoring von Borussia Dortmund stehen. GLS ist seit 2021 sogenannter Champion Partner des BVB. In der Branche ist es üblich, dass Paketdienste ihre besten Geschäftskunden zu Fußballspielen einladen. Weil der Flagship-Paketshop fußläufig nur 10 Minuten vom Stadion entfernt ist, könnte er als zusätzliche Anlaufstelle vor oder nach Fußballspielen dienen, zum Beispiel für VIP-Events, PR-Veranstaltungen oder nachhaltigkeitsbezogene Aktionen. Die Räumlichkeiten erscheinen großzügig bemessen und bieten geschätzt Platz für rund 50 Personen.
Naheliegend ist auch eine Verbindung zur Citylogistik: GLS-CEO Karl Pfaff hatte bereits 2022 gegenüber dem Magazin Sponsors den Aufbau eines Mikrodepot-Standorts in Stadionnähe angekündigt. Ziel ist es, Pakete mit E-Bikes lokal emissionsfrei zuzustellen. Ob das umgesetzt wurde, teilte GLS in der Eröffnungs-Pressemitteilung nicht mit.
Vergleich: DPD-Flagship-Store in Berlin
Ein ähnliches Projekt hatte DPD bereits 2022 mit einem eigenen DPD Store in Berlin-Friedrichshain umgesetzt. Dort werden neben klassischen Paketservices auch nachhaltige Produkte, Selfstorage-Boxen, Gratiskaffee und sogar Umkleidekabinen mit Selfie-Hintergrund angeboten. Zusätzlich dient der Store als Mikrodepot für Lastenrad-Zustellungen (Paketda berichtete).
Trotz zunächst kommunizierter Expansionspläne blieb der Berliner DPD-Store ein Einzelprojekt. Weitere Standorte wurden bislang nicht umgesetzt - vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen. Nach dem pandemiebedingten Paketboom sah sich DPD gezwungen, Investitionen zu reduzieren und an das gesunkene Sendungsvolumen anzupassen.
Vor diesem Hintergrund wirkt das neue Projekt von GLS in Dortmund umso bemerkenswerter. Der Entschluss, in unmittelbarer Nähe zur BVB-Geschäftsstelle einen repräsentativen und aufwendig gestalteten Flagship-Store zu eröffnen, signalisiert bewusstes Marken-Branding. GLS setzt damit gezielt auf Sichtbarkeit, Kundenerlebnis und strategische Verknüpfung mit dem Fußball-Sponsoring. Eine Wand im Shop trägt programmatisch den Schriftzug: "Wir hören zu und investieren in Bereiche, die unseren Kunden, Partnern und Kollegen wichtig sind."