Am Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle führen französische Zollbehörden derzeit eine der umfangreichsten Kontrollen von Kleinsendungen durch, die es in Europa je gab. Zwischen 100.000 und 200.000 Pakete der Plattform Shein sollen geöffnet und geprüft werden. Die Arbeit wird einen ganzen Monat dauern, erklärte der Leiter des Flughafenzolls. Die französische Regierung möchte damit demonstrieren, dass gegen nicht konforme oder gefährliche Produkte aus dem Ultra-Billig-Segment konsequenter vorgegangen wird.
Bei der Kontrolle geht es um Produktfälschungen, Waren mit Gesundheitsrisiken sowie Falschdeklarationen. Die einmonatige Aktion in Paris setzt zwar ein Zeichen, ändert aber am Grundproblem wenig.
Zum Vergleich: Allein in Lüttich (Belgien) treffen nach einem SWR-Bericht von Februar 2024 täglich etwa 1 Million Warensendungen aus Asien ein. Sie werden lediglich von rund 200 Zöllnern abgefertigt. Es ist unmöglich, die Warenströme aus Asien komplett zu kontrollieren. Deshalb wird auf EU-Ebene an einer Eindämmung von Billigsendungen gearbeitet.
2-Euro-Paketsteuer
Parallel zur Zollaktion bereitet die französische Regierung eine Abgabe von 2 Euro pro importiertem Artikel aus Nicht-EU-Ländern vor. Ab dem 12.11.2025 werden die Abgeordneten darüber diskutieren. Von der Steuer betroffen wären genau jene Kleinsendungen, wie sie Shein, Temu und ähnliche Plattformen in Millionenstückzahlen nach Europa liefern.
Die Ziele der Steuer:
- Nachfrage bremsen: Ein 5-Euro-T-Shirt würde beispielsweise 40% teurer
- Staatseinnahmen könnte um 500 bis 600 Mio. Euro pro Jahr steigen
- Effekte von Falschdeklaration ausgleichen: Shein-Pakete werden im Schnitt mit nur 7 Euro angegeben
Frankreich wäre das erste Land, das eine Paketsteuer einführt. Auf EU-Ebene ist die Steuer für 2028 geplant. Allerdings herrscht noch Uneinigkeit über die Höhe. EU-weit identische Steuern wären notwendig, damit Chinapakete nicht über das preiswerteste Land in die EU importiert werden.
Die französische La Poste beobachtet die Debatte übrigens mit Sorge. Rund 20 Prozent der gesamten Paketmenge im Konzern stammt laut lemonde.fr inzwischen von chinesischen Händlern. Vor fünf Jahren waren es noch etwa 5 Prozent. Dieser Anteil sorgt für spürbare Umsätze und Netzwerk-Auslastung. Bei einer Reduzierung von China-Sendungen könnte das wegbrechen. Entsprechend warnt La Poste davor, dass ein nationaler Alleingang die französische Flughafenlogistik schwächen und Sendungen umgeleitet werden könnten. "Nur Belgien, die Niederlande, Spanien und Deutschland werden davon profitieren", sagte ein anonymer Branchenkenner zu Le Monde.
Fazit: Die Zollkontrolle in Paris ist spektakulär, aber begrenzt. Die 2-Euro-Steuer wäre vermutlich der größere Hebel. Allerdings nur dann, wenn sie europäisch einheitlich umgesetzt wird. Solange Waren innerhalb der EU über beliebige Flughäfen umgeleitet werden können, dürften nationale Alleingänge wirkungslos bleiben.